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Wirtschaft

Volles Rohr voraus

Nord Stream, South Stream, Nabucco: Es gibt sie noch nicht, aber diese Pipelines sollen künftig Erdgas aus dem Osten nach Europa bringen. Seit Mittwoch baut Russland die Nord Stream und hängt damit die Konkurrenz ab.

Rohrlager der Nord Stream AG auf Mukran, Rügen (Foto: Nord Stream AG)

Es geht los - die ersten Rohre werden versenkt.

Zuletzt war noch der Hering im Weg. Auf den haben sich die Journalisten gestürzt, weil es eine gute Geschichte ist, wenn eine handvoll Fisch gegen eine 1200 Kilometer lange Gaspipeline anlaicht. Tatsache aber ist: Der kleine Hering hat nichts zu melden, er darf noch laichen, dann kommt die Ostsee-Pipeline. Der Wettlauf ist entschieden: Russland wird Deutschland und Mitteleuropa in den nächsten Jahrzehnten mit noch mehr Gas versorgen.

Energie Hub Lubmin bei Greifswald (Foto: Nord Stream AG)

Lubmin bei Greifswald: hier endet einmal die Ostsee-Pipeline

Schröder baut auf Russland…

Der Verbrauch werde wachsen, sagt Altkanzler Gerhard Schröder, weswegen es vernünftig sei, sich den Zugang zum wichtigsten Lieferanten zu sichern. "Und das ist nun einmal Russland", so Schröder, der heute Aufsichtsratsvorsitzender von Nord Stream ist, dem Eigentümer der Ostsee-Pipeline. Der Ex-Kanzler ist Nord Streams oberster Lobbyist. Russland sei auch in Zeiten des Kalten Krieges ein zuverlässiger Energielieferant gewesen. "Und ich bin sicher", beruhigt Schröder, "dass das auch in Zukunft so bleiben wird."

Karte mit Verlauf der Nabucco-Pipeline (Grafik: DW)

Verlauf der Konkurrenz: die Nabucco-Pipeline


Hinter Nord Stream wiederum steckt in erster Linie Gazprom, das russische Staatsunternehmen, der größte Erdgasproduzent der Welt. Das Konsortium um Gazprom hat Tatsachen geschaffen, noch bevor klar war, ob es die Pipeline überhaupt bauen darf. Schon seit 2007 hat es Stahlrohre produzieren und mit Beton ummanteln lassen - die letzte Genehmigung und das Geld kamen aber erst vor einigen Wochen.

…Fischer will die Russen umgehen

Symbolbild Gazprom-Logo vor dem Kreml (Fotomontage: DW)

Hinter Gazprom steht der russische Staat


Nord Stream hat so einen Konkurrenten aus dem Feld geschlagen, der eigentlich noch gar nicht auf den Beinen war: die Nabucco-Pipeline, initiiert vom österreichischen Energiekonzern OMV. Hinter Nabucco steht auch ein Altpolitiker: der deutsche Ex-Außenminister Joschka Fischer. Im Gegensatz zu Schröder möchte er kein Monopol: "Vernünftig finde ich, wenn wir Europäer Energiesicherheit durch ein breite Palette von Angeboten garantieren." Was im Klartext heißt: Fischer und sein Konsortium wollen die Dominanz der Russen brechen. Die Nabucco-Pipeline, an der auch der deutsche Energieriese RWE beteiligt ist, bringt Gas vom kaspischen Raum - und damit eben nicht aus Russland - über eine Trasse südlich des Schwarzen Meeres nach Westeuropa.

Nabucco gilt als Lieblingsprojekt der EU-Kommission, daran lässt auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger keinen Zweifel: Das Nabucco-Projekt verringere die Abhängigkeit der Europäer. "Es geht in eine neue Region, zu anderen Partnern." Oettinger sagt nicht: Wir umgehen Russland und holen unser Gas woanders her. Doch genau das meint er, wenn er davon spricht, die Abhängigkeit entscheidend zu verringern.

Karte mit Verlauf der South Stream

Gazprom will auch die South Stream

Nabucco ist Zukunft - Nord Stream Realität

Es gibt allerdings einen Schönheitsfehler: Die Nabucco-Pipeline ist zwar politisch gewollt, bis heute weiß aber niemand der Investoren, woher das Gas kommen soll. Regelmäßig reisen sie nach Aserbaidschan, Turkmenistan und Irak - und suchen Lieferanten. Verträge gibt es aber bislang noch keine.

Und der Nabucco-Pipeline droht noch von anderer Seite das Aus: Gazprom plant die South Stream, die etwas nördlich der Nabucco-Leitung direkt durchs Schwarze Meer führen soll. Falls die Prognosen der Internationalen Energieagentur stimmen, dass Westeuropa im Jahr 2030 zusätzlich 200 Milliarden Kubikmeter Gas importieren muss, wäre das kein Problem, denn dann wäre Platz für alle: für Nord und South Stream und auch für Nabucco. Es gibt allerdings auch Prognosen, die zu dem Schluss kommen, dass Europas Gasverbrauch nicht steigen wird, weil es immer mehr alternative Energien gibt - und dann hätten Gazprom und Russland eindeutig die Nase vorn.

Autor: Jutta Wasserrab
Redaktion: Insa Wrede

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