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Wirtschaft

Volles Korn voran

Günstige Anbauflächen, niedrige Lohnkosten - diese Faktoren lockten den deutschen Bio-Bauern Detlef Lorenz nach Lettland. Und mit seinem Unternehmen hat er der Gemeinde an der russischen Grenze neue Perspektiven eröffnet

Detlef Lorenz, Quelle: DW-TV

1600 Tonnen Biogetreide hat Landwirt Detlef Lorenz geerntet

Detlef Lorenz kommt schon am frühen Morgen in Fahrt: Ackerpflügen, Korn verladen oder Traktor reparieren - mit einem verschmitzten Lächeln treibt der deutsche Landwirt in Lettland seine Leute an. Vier Jahre ist es her, seit er sich auf den Weg gen Osten machte. In die lettische Kleinstadt Rezekne, kurz vor der russischen Grenze.

Der Produktivität sind nur menschliche Grenzen gesetzt

"Selbst vor dem Beitritt zur EU konnten hier deutsche Bürger Fläche erwerben", erzählt er, "Sie war noch günstig, das war das Entscheidende - und dass wir günstige Arbeitskräfte kriegen konnten." Ein guter Lette, wie Lorenz sagt, bekomme pro Stunde 2,50 Lats, das entspricht etwa 3,60 Euro.

Weizenfeld, Quelle: AP

Besonders gut läuft das Geschäft mit Biogetreide

Jetzt im Herbst sind es mehr als 20 Leute, die Detlef Lorenz bei seiner Firma "germanagrar" sogar in Nachtschichten beschäftigt. Gut 2000 Hektar werden auch im Auftrag deutscher Investoren bearbeitet und vor allem mit biologischem Futterweizen und Roggen bestellt.

Das Geschäft mit dem Biogetreide floriere, meint Detlef Lorenz. Er könnte sogar das Doppelte in Deutschland und in den Niederlanden absetzen. Aber leider seien der Produktivität menschliche Grenzen gesetzt. Und auch die lettische Mentalität sei eine andere: "Wenn zwei Letten sich treffen, wird erstmal eine halbe Stunde geschnackt über Gott und die Welt. Und das Problem mit Alkohol: Jeder, der angetrunken hier ankommt oder trinkt bei der Arbeit, wird fristlos entlassen - und wenn ich ihn noch so nötig brauche."

Neue Zuversicht für eine vernachlässigte Region

Tatjana Gavere hat innerhalb kürzester Zeit bei dem deutschen Bauern Karriere gemacht. Sie vermittelt als Dolmetscherin und kontrolliert die Reinheit der Bioproduktion. Wie die meisten ihrer Kollegen war Tatjana lange arbeitslos und hatte kaum Chancen, einen Job auf dem Land zu finden, in dem sie nicht ausgebeutet wird. Sie schätzt vor allem die Zuverlässigkeit der deutschen Arbeitgeber und die Sicherheit der Arbeitsplätze.

Sogar der Bürgermeister Bolezlavs Kinzulis ist froh, dass sich ein deutscher Landwirt in seiner Gemeinde niedergelassen hat. Er erinnert sich noch gut an die Sowjetzeit. Damals war jeder Acker bestellt. Aber nach der Unabhängigkeit vor 17 Jahren wurde die Kolchose aufgelöst und kaum einer der Traktoristen oder Melkerinnen konnte als Kleinbauer bestehen. Die verwilderten Felder sind Bolezlavs Kinzulis ein Dorn im Auge.

Selbst ist der Chef

Lettischer Bauer, Quelle: dpa

Niedrige Lohnkosten und günstige Anbauflächen machen Lettland für Landwirte attraktiv

"Vielleicht kann die deutsche Firma germanagrar unseren Leuten Mut machen, selbst wieder Getreide anzubauen. Der deutsche Bauer hat doch beste Ernten", sagt er. Auf jeden Fall biete er der Jugend in seinem Dorf eine Perspektive. Früher habe er Angst gehabt, dass alle auf Jobsuche abwandern und das Dorf aussterben würde: "Jetzt haben wir wieder eine Zukunft", freut er sich.

Sein wahres Zuhause in Lettland sei sein Jeep, meint Detlef Lorenz. Ein fahrendes Büro, mit dem er von früh bis spät zu seinen Feldern unterwegs ist, denn die Ländereien liegen weit verstreut. Und es gibt niemanden, der einen Traktor, einen Mähdrescher oder einen Pflug so schnell reparieren kann, wie der Chef persönlich.

Expansion ist das Ziel

Es gibt Standorte, die über 90 Kilometer entfernt liegen. Manchmal fährt Lorenz bis zu 400 Kilometer am Tag. "Dann bin ich noch nicht mal überall gewesen", fügt er hinzu: "Aber irgendwo macht das Spaß. Ich weiß nie, welche Katastrophe als nächstes auf mich zukommt. Aber kommen tut sie, das ist Fakt."

Allein in diesem Jahr hat Detlef Lorenz 1600 Tonnen Biogetreide in Lettland geerntet. Aber der Landwirt aus Deutschland hat sich höhere Ziele gesetzt, denn die Nachfrage besteht: "Wir haben die Technik, wir haben das Know-How dafür, und wir wollen Geld verdienen", sagt er: "Wir haben jetzt 2000 Hektar, unser Ziel sind 5000 Hektar - und wenn wir die erreicht haben, sind es vielleicht 10000. Wir machen, was wir können!"

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