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Musik

Vollendung einer elektronischen Geschichte: Jean-Michel Jarre bringt "Oxygène 3"

Der französische Elektronik-Pionier hat seine "Oxygène"-Trilogie vollendet. Mit "Oxygène 3" kehrt er zurück in die 1970er, als er mit einem 8-Spur-Rekorder und ein paar Synthesizern einen neuen Sound kreierte.

Die Elektroniker der 1970er-Jahre haben mit ihren Synthesizern und Samplern die Pop- und Rockmusik nachhaltig beeinflusst. Ohne Kraftwerk, Tangerine Dream oder Jean-Michel Jarre würde es vielleicht weder den Techno und seine Spielarten noch moderne Elektrobands wie Daft Punk, Air, Yello, Moby oder C2C geben - um nur einige zu nennen. Jarre wird gerne "Godfather of Electronic Music" genannt.

Auch wenn seine erste "Oxygène"-Platte nun schon 40 Jahre alt ist und er selbst mittlerweile 68, ist Jarre nach wie vor ein gefragter Mann, wenn es um die musikalische Bebilderung besonderer Ereignisse geht, etwa um die Milleniumsfeiern an den Pyramiden von Gizeh oder den 850. Geburtstag der russischen Hauptstadt Moskau mit 3,5 Millionen Zuschauern. Mit Besucherzahlen der Superlative kennt sich Jean-Michel Jarre gut aus. Sein erstes Live-Konzert am 14. Juli 1979 - dem französischen Nationalfeiertag - sahen mehr als eine Million Menschen auf der Pariser Place de la Concorde - das brachte ihm einen ersten Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Weitere sollten folgen.

Ägypten Jean Michel Jarre 2000 Konzert in Gizeh (picture-alliance/dpa/M. Naamani)

Vor den Pyramiden von Gizeh "zupft" Jarre Laser-Saiten

Tüfteln für Großes

Jarre hat sich nach dem Erfolg seiner ersten großen Platte, die sich 12 Miliionen Mal verkaufte, nicht zurückgelehnt. Zwei Jahre später führte er die Reise mit "Equinoxe" fort. Alleine diese beiden Alben haben dafür gesorgt, dass bis heute jedes Kind die Melodien von "Oxygène Part IV" und "Equinoxe Part V" kennt. Immer wieder begegnen sie uns irgendwo als Hintergrundmusik, etwa bei TV- oder Radiospots.

Jarre hatte sich von Science Fiction-Filmen inspirieren lassen. Sein Interesse galt den Visionen des 21. Jahrhunderts - wie sie ihm in Filmen wie Stanley Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum" begegnet sind. Seine Absicht mit "Oxgène" war, "einen Soundtrack für die Zukunft zu schreiben". Das ist ihm nicht nur gelungen - er hat damit Maßstäbe gesetzt, die er selbst später nur schwer toppen konnte. 1981 führt er auf seinem Album "Magnetic Fields" das Sampling ein. Die Platte kommt bei seinen Fans nicht so gut an - wohl aber in China. Man holt den jungen Franzosen 1982 nach Peking - dort entstand die Live-Doppel-LP "The Concerts in China".

Jean Michel Jarres berühmtes Unikat

Jarres nächstes Album verkauft sich ganz genau einmal. Mit "Music for Supermarkets" stellt er sich gegen den Kommerz in der Musikbranche, lässt die Vinylscheibe für 69.000 Francs versteigern (heute etwas mehr als 10.000 Euro) und spendet das Geld an einen Verein, der sich für junge Künstler einsetzt. Nach dem Verkauf des Unikats werden sämtliche Master-Tapes vernichtet. Ein einziges Mal läuft das Werk im Radio, allerdings auf Mittelwelle. Jarre fordert die Fans auf, die Sendung mitzuschneiden. Tatsächlich kursieren bis heute davon ein paar Bootlegs. Der Sound der alten Aufnahmen ist natürlich grottig. Ganz verloren ist die Musik dennoch nicht. Jarre hat auf späteren Alben Teile von "Music for Supermarkets" wieder verwendet.

Video ansehen 04:06

Jean-Michel Jarres Neuauflage von Oxygène

Experimente und Gigantomanie

Danach beginnt er zu experimentieren. Und holt sich Gastmusiker ins Studio und auf die Bühne. Immer wieder findet irgendwo auf der Welt eines seiner gigantomanischen Live-Konzerte statt. 1990 holt er sich seinen zweiten Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde: Im Pariser High Tech-Viertel La Defense versammeln sich 2,5 Millionen Menschen, um Jarres Show zu sehen. Die Kulisse von La Defense mit seiner futuristischen Architektur eignet sich perfekt für die Illuminationen und Laser-Shows, die die bombastischen Synthesizer-Sounds begleiten. Zu den Millenumsfeiern bespielt er die Pyramiden von Gizeh, mit beeindruckenden Illuminationen. Inzwischen ist der zweite Teil der "Oxygène"-Trilogie entstanden, mit dem pragmatischen Titel "Oxygène 7 - 13". Musikalisch knüpft er an den ersten Teil an.

Was steckt in Teil 3?

Pressebilder Jean Michel Jarre (Columbia/Sonymusic)

Perfekte Fortsetzung: Das Artwork des neuen Covers

Den Antrieb zu Teil 3 gab ihm die Plattenfirma. "Sie kam mit dem Vorschlag auf mich zu, zum 40. Geburtstag von 'Oxygène' was zu machen. Und das war für mich eine Art Initialzündung", erzählt Jarre. Er habe sowieso noch ein Stück im Sinn gehabt, das nicht zu seinen anderen Projekten passte. Und dann sei ihm klar geworden, dass diese Nummer genau die richtige für die Fortsetzung der Oxygène-Geschichte war. Schließlich setzte er sich für sein neues Album eine Deadline: den 40. Geburtstag von "Oxygène" im Dezember.

Wie bei Teil 1 hat er sich sechs Wochen lang Zeit genommen - und sich ins Studio eingeschlossen, um sein Werk komplett zu machen. "Natürlich habe ich nicht nur die Original-Instrumente genommen", gibt Jarre zu, schließlich habe sich die Technik genau so weiterentwickelt wie die Musik - aber der minimalistische Ansatz von damals sei ihm auch bei dieser Platte sehr wichtig gewesen. Der Anschluss an die alten Werke ist ihm tatsächlich gelungen, sowohl vom Sound als auch von der Musik. Und noch etwas zeigt, wie ernst er es mit der "Oxygène"-Geschichte meint: "Die erste Platte entstand zu Vinyl-Zeiten. Jede Plattenseite ist um die 20 Minuten lang. Damals gab es eine dunkle und eine helle musikalische Seite. Genau das habe ich jetzt wieder gemacht - zwei Teile, die 20 Minuten dauern." So habe er die Geschichte zu Ende gebracht. Und dann betont er noch: "Es wird definitiv kein 'Oxygène IV' geben".

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