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Wissen & Umwelt

Volle Kraft voraus für die Sonne

In Kiel ist das modernste Forschungsschiff der Welt abgelegt. Die Sonne hat alles an Bord, was modernstes wissenschaftliches Arbeiten auf den Weltmeeren verlangt.

Video ansehen 02:21

Schwimmendes Labor - Neues Forschungsschiff Sonne

124 Millionen Euro hat der Neubau gekostet. Er ist 20 Meter länger als sein Vorgänger, hat Platz für 35 Personen Besatzung und 40 Wissenschaftler. "Ein großer Wurf", sagt Klaus von Bröckel, vom

GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung

in Kiel. Er koordinierte den Fachausschuss für den Neubau der Sonne. "Unser Institut ist zwar nur ein Nutzer dieses Schiffes - und doch konnten wir bei der Gestaltung und Ausstattung mitreden. Vorne wetterfest-hoch, hinten arbeitsfreundlich-flach. Dazu innere Werte, die jedes Labor an Land neidisch machen: Wir freuen uns riesig!"

Ein besonderes Schiff für besondere Aufgaben

Hubschrauberlandeplatz am Forschungsschiff SONNE (Foto: DW/Hajasch).

Ein Hubschrauberlandeplatz, etliche Kräne, ein schwenkbarer Heckgalgen - die Sonne ist gut ausgestattet

Wie eine Burg liegt die Sonne am Kieler Ostsee-Kai. Schon der Blick von außen zeigt: Mehr Technik geht nicht! Auf den Decks reihen sich die Kräne. Dazu gibt es einen schwenkbaren Heckgalgen, der 30 Tonnen Gewicht stemmen kann. Vorne ist das gelbe Rund eines Hubschrauber-Landplatzes zu sehen. Und dann dieser Bug: Etliche Meter über der Wasseroberfläche fährt dieses Schiff überall hin - denkt man! "Wir hatten schon unsere Probefahrten", sagt Klaus von Bröckel.

"Und ob man es glaubt oder nicht: Da gab es die ersten Riesenwellen. Gut zehn, zwölf Meter hoch! Aber die Sonne nahm es echt gelassen!".

Schon der Vorgänger hatte ein ausgezeichnetes Seeverhalten. Obwohl als Trawler umgebaut, war die alte Sonne deshalb bei Besatzung und Forscher gleichermaßen beliebt. Die Messlatte lag also hoch! "Dieses Schiff hat eine besondere Rumpfform. Wir hatten zuerst überlegt, die sogenannte SWATH-Technik zu wählen. Diese Doppelrumpf-Schiffe liegen sehr gut im Wasser. Allerdings ist die Arbeitshöhe zum Meeresoberfläche einfach zu hoch." So musste doch konventionell gebaut werden, allerdings mit einer ungewohnten Kiel-Form. Flach wie eine Flunder läge die Sonne auf dem Boden, wenn das Wasser nicht wäre! "Der Rumpf ist für das wissenschaftliche Arbeiten auf dem Wasser optimal", sagt von Bröckel. "Sonst kommen immer Luftblasen von vorne unter das Schiff. Und die verfälschen grundsätzlich die Messergebnisse. Das ist hier nicht so."

Das neue Forschungsschiff SONNE

116 Meter lang, rund 20 Meter breit - im Gegensatz zu ihrem Vorgänger ist die neue Sonne direkt für den Forschungseinsatz geplant worden

Auch die Antriebstechnik wurde optimiert. Nicht nur, dass alle Maschinen, Motoren oder Propeller schwingelastisch gelagert sind; damit werden Schall und Schwingungen ins Meer und ins Schiff minimiert. Die Sonne wurde auch für das dynamische Navigieren ausgelegt. Wenn Position oder Kurs gehalten werden müssen, kommen zwei versenkbare Ruderpropeller zum Einsatz. Ein sogennanter Pump-Jet ermöglicht sogar das Drehen auf der Stelle.

Die inneren Werte - der Traum eines jeden Meereswissenschaftlers

Modernste Technik findet sich auch in der Sonne. Weil vieles aus dem Wasser direkt untersucht werden muss, hat man den Brückenaufbau als Hangar gestaltet. Der wird über ein großes hydraulisches Tor geöffnet. "Die meisten Proben hieven wir über das Heck an Bord", erklärt Meeresgeologe Herrmann Kudrass. "Alle Kräne sind so angeordnet, dass wir jede Stelle im Schiff problemlos erreichen. Außerdem haben die Decks große Luken. Wir könnten im Schiff ganze Container hoch und runter verschieben."

Das Nasslabor am Forschungsschiff SONNE (Foto: DW/Hajasch).

Das Nasslabor: Eine sauberere Angelegenheit als noch auf der alten Sonne

Was von draußen reinkommt - modrig, schlammig und triefend nass, kann auf der Sonne sofort beprobt werden. Hinter dem Hangar-Tor liegt auf dem Hauptdeck das Nasslabor. "Was haben wir haben bisher immer rumgesaut… Jetzt können wir gleich mit der Arbeit beginnen - egal, ob das Wasser läuft oder nicht", lacht Kudrass.

Wie in einem großen OP-Saal sieht dieses Nasslabor aus. In der Mitte ein gewaltiger Tisch aus Edelstahl. Alles ist abwaschbar, mit einem Abfluss in Extra-Tanks. An den Wänden ist modernste Analyse-Technik installiert. "Ein Traum für jeden Geologen!"

Den größten Teil der Forschungsräume machen aber die normalen Labore aus. Diese Trockenräume sehen aus wie an Land: breite Arbeitstische, Depots für die Proben, modernste Mikroskope, noch ganz weiße Spülbecken. Hier werden die Meeresforscher rund um die Uhr arbeiten.

Herz der wissenschaftlichen Arbeit - der Kontrollraum

Was auch immer an Bord passiert: Im Kontrollcenter hat der Forschungsleiter einen Überblick! Etliche Monitore zeigen jeden Arbeitsplatz auf dem Schiff. Bei ihm laufen aber auch Daten zusammen, die mit der Unterwassertechnik gewonnen werden. Auf der Sonne sind das zunächst die Sonare und die wissenschaftlichen Echolots. Letztere sind im Schiffsrumpf so eingebaut, dass sie ohne Verwirbelungen im Wasser arbeiten, also keine Blasen erzeugen.

Kontrollraum im Forschungsschiff Sonne (Foto: DW/Hajasch).

Die ganze Sonne im Blick: Der Kontrollraum

Und auch die Sonare sind State oft the Art. "Die Technik wird allen Ansprüchen der Forschung gerecht", sagt Meeresgeophysikerin Anne Krabbenhöft aus Kiel. "Egal, wo wir arbeiten! Über den Tiefseegräben, an ozeanischen Rücken, untermeerischen Bergen: Wir haben Sonare, die in die Sedimente eindringen. Andere arbeiten an der Profilkartierung des Meeresbodens. Und es gibt natürlich welche zur Bestimmung der Wassersäule."

Nicht nur Arbeiten, auch Wohnen und Freizeit

Vieles hat sich geändert im Vergleich mit der alten Sonne. So gab es auf dem Trawler einen Platz namens "Roter Kühlschrank" - als Treffpunkt für alle. Und draußen, auf der Fang-Verarbeitungsfläche, entstand manchmal eine Kegelbahn. Aber die neue Sonne ist in allem viel großzügiger: Die Kabinen sind für Einzelpersonen ausgelegt. Freizeiträume gibt es auch.

Sogar bei der Müllverwertung geht man neue Wege. "Unser Abfall wird nicht mehr in einer Anlage verbrannt. Wir frieren die Reste jetzt ein und lagern sie in speziellen Kühlräumen", sagt Klaus von Bröckel, "bis wir im nächsten Hafen sind!"

Bis dahin dauert es aber noch ein bisschen. Von Kiel aus geht es nun erst mal zu den Kanarischen Inseln und dort zum Mittelatlantischen Rücken. Danach fährt die Sonne Richtung Karibik und Panama-Kanal. Bis das Forschungsschiff irgendwann im Pazifik ankommt; dort soll ihr Haupteinsatzgebiet sein. In Deutschland aber wird die Sonne wohl nicht mehr zu sehen sein.

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