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Kultur

Volle Deckung, Mr. Bush

Jedermanns Liebling ist US-Präsident Bush wahrlich nicht. Gegner der Regierungspolitik nutzen das Internet, um Bushs "wahres Gesicht" zu zeigen. Ein virtueller Kurzfilm-Wettbewerb sorgt für Furore.

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Straßenprotest ist nur eine Methode

In 30 Sekunden kommt Präsident George W. Bush ziemlich schlecht weg. Das hat er der amerikanischen Bürgerorganisation MoveOn.org zu verdanken. In deren Internet-Wettbewerb "Bush in 30 seconds" konnte jeder, der wollte, einen Kurzfilm à 30 Sekunden einreichen. Themenvorgabe: Alles, was den Filmemachern an der Politik Washingtons aufstößt. Zum Beispiel: Bushs Fehlinformationen vor dem Irakkrieg. Heftig einstecken muss Bush aber auch in Punkto Bürgerrechte, Haushaltsdefizit, Bildungssystem, Arbeitslosigkeit, soziales Sicherungssystem, Umwelt- und Medienpolitik.

Publikumsliebling: "Ausbaden müssen es die Kinder"

Rund 1500 Amateur-Shortcuts mit Titeln wie "Wake up America", "Army of one" oder "Imagine" wurden für den Wettbewerb eingereicht, 15 der Filme kamen in die engere Auswahl. Publikumsrenner wurde der Spot "Child's Pay" (dt. etwa "Ausbaden müssen es die Kinder"). Die knapp drei Millionen Zuschauer, die bei der Abstimmung mitgemacht hatten, setzten den Minifilm über das Milliardendefizit im Staatssäckel der USA auf Platz eins. Zu sehen sind kleine Kinder, die als Tellerwäscher und als Müllmänner arbeiten, Büros putzen, Gemüse sortieren oder am Fließband stehen. Motto: "Guess woh's going to pay off President Bush's $1 trillion deficit?" ("Raten Sie mal, wer Präsident Bushs 1-Billionen-Defizit ausbaden muss?").

Neben dem Publikumspreis wurden Preise für die beste Animation und den witzigsten Spot vergeben. In der Jury saß unter anderem Bushs selbst ernannter Lieblingsfeind: der notorische Baseballkappenträger, Autor des Kassenschlagers "Stupid White Men" und Oscar-Preisträger (für seinen Film "Bowling for Columbine") Michael Moore.

Die drei Filme werden nun im Werbefernsehen laufen. Multimilliardär Georg Soros hat dafür Werbezeiten im Wert von fünf Millionen US-Dollar gespendet: Er habe das Gefühl, dass der Kampf für eine offene Gesellschaft in diesem Land geführt werden muss, so Soros gegenüber dem ARD-Korrespondent Gerald Baars. Wer sich jetzt berufen fühlt und für den Hausgebrauch ebenfalls ein paar Spots drehen will, der findet Ideen und Anregungen auf der Website des Wettwerbs, www.moveon.org.

Mobil machen gegen Bushs Wiederwahl

Ziel der Kampagne ist - da machen die Initiatoren keinen Hehl draus - Bushs mögliche Wiederwahl im November 2004 mit allen Mitteln zu verhindern. Wir wollen die Wähler darüber aufklären, was Bushs Politik für unser Land wirklich bedeutet, ist auf der Homepage von MoveOn.org zu lesen.

Widerstand auf die kreative Art. Da kontroverse Debatten zur Regierungspolitik in vielen Medien oft unter den Tisch fallen, brauche es jetzt innovative Ideen, sagen die Bürgerrechtler. Nach den Anschlägen von 11. September und dem darauf folgenden PatriotAct sei kritische Berichterstattung bei vielen Journalisten verpönt. Selbst große Demonstrationen gegen den Irak-Krieg hatten auf der nationalen Agenda schlichtweg oft keinen Platz. Es gehe deshalb nun darum, Bushs "wahres Gesicht" zu zeigen.

Schlimmste Form der Hassrede

Im weißen Haus herrschen selbstredend andere Ansichten über Bushs "wahres Gesicht". Über den "Bushin30seconds"-Wettbewerb wird im Weißen Haus und in der Medienöffentlichkeit heftig diskutiert. Getöse gab es hauptsächlich um zwei Kurzfilme, in denen der US-Präsident mit Hitler verglichen wurde. Als "schlimmste und abscheulichste Form der Hassrede" verurteilte Ed Gillespie, Bundesvositzender der Republikaner die Spots. In einem ist beispielsweise ein Portrait von Präsident Bush zu sehen, das sich innerhalb kürzester Zeit in das Gesicht Hitlers verwandelt. Dazu die Worte: "Gott wies mich an, El Kaida anzugreifen. Und dann befahl er mir, Saddam zu schnappen."

Hitler-Bush-Vergleich nicht mehr im Netz

Empört zeigten sich ebenso mehrere jüdische Organisationen in den USA. Es sei grotesk und moralisch abscheulich, Hitler in einem solchen Kontext zu gebrauchen, sagte James Tisch, Vorsitzender der Konferenz der Präsidenten Großer Amerikanisch-Jüdischer Organisationen.

Bei MoveOn.org weist man den Vorwurf, das Ganze sei eine Hetzkampagne, entschieden zurück. Ein Sprecher der Organisation erklärte, man habe niemals in Betracht gezogen, den Spot für die Endausscheidung zu nominieren. Bereits zum Ablauf der Einsendefrist, am 31. Dezember 2003, habe man den umstrittenen Kurzfilm aus dem Netz genommen.

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