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Wirtschaft

Volle Auftragsbücher stimmen zuversichtlich

Die Wirtschaft in Deutschland verliert an Schwung. Doch die Handwerksbetriebe bleiben optimistisch. Die Deutschen investieren kräftig, statt zu sparen - eine Folge der Schuldenkrise.

Handwerker bringt wärmedämmende Platten an (dpa)

Kabinett will Steueranreiz für Gebäudesanierung retten

Die Stimmung im deutschen Handwerk war im vergangenen Jahr so gut wie seit dem Wiedervereinigungsboom nicht mehr. Im Rückblick passt die Beschreibung für 2011: es hat ein "konjunktureller Höhenflug" stattgefunden. Die Handwerksbetriebe, es sind rund eine Million, haben insgesamt über 497 Milliarden Euro umgesetzt und damit ein Plus gegenüber dem Vorjahr von fast sieben Prozent erwirtschaftet.

Angst vor Inflation, immer neue negative Meldungen aus den hoch verschuldeten Euro-Ländern lassen das Geld offensichtlich bei den Deutschen recht locker sitzen. Sie konsumieren anstatt zu sparen. Auch dank steigender Einkommen stecken viele ihr Geld in die eigenen vier Wände. Und so zeigt sich auch der Präsident des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, für dieses Jahr optimistisch.

Otto Kentzler, ZDH

Otto Kentzler, ZDH

Umfragen hätten ergeben, sagt Kentzler, dass 90 Prozent der Handwerksunternehmen die Geschäftslage positiv beurteilten: "Aber aus den Gesprächen mit einigen Unternehmern weiß ich", so Kentzler zur DW, "dass das regional unterschiedlich ist." Die Betriebe seien mit Rückenwind in das Jahr 2012 gegangen: "Wir schätzen, dass wir ein Wachstum von 2,5 Prozent haben werden - also weit mehr als die übrige Wirtschaft. Das sehen wir bereits an den Auftragseingängen."

Handwerk setzt auf Energieeffizienz - und wartet auf die Politik

Zu dem kräftigen Wachstum im vergangenen Jahr  haben vor allem zahlreiche Aufträge aus Deutschland beigetragen. Es wird mehr in die "eigenen vier Wände" investiert,  denn Verbraucher wollen den steigenden Energiekosten beispielsweise durch Wärmedämmung Einhalt gebieten. Und so wird beim Handwerk das Thema "Energieeffizienz" derzeit ganz groß geschrieben. Nachfragen liegen genügend auf dem Tisch, sie reichen vom Isolierglas bis hin zu winddichten Türbeschlägen. Mittlerweile gebe es einen erheblichen Investitionsstau.

Doch die Handwerksbetriebe – wie auch die Bauwirtschaft – warten auf politische Weichenstellungen aus Berlin. Die Bundesregierung liegt im Streit mit den Bundesländern. Es geht um die steuerliche Absetzbarkeit der energetischen Gebäudesanierung. Entscheidungen stehen noch aus. Steuerliche Anreize, plädiert der Handwerksverband, hätten eine enorme Zugkraft für Investitionen. Denn in Deutschland lasse die Sanierungsrate zu wünschen übrig. Sie liege bei etwa einem Prozent jährlich des Bestands. Notwendig sei jedoch eine Verdoppelung der Sanierungsrate auf zwei Prozent im Jahr. Ansonsten, so argumentiert die Branche, drohten die klimapolitischen Ziele bis 2020 verfehlt zu werden.  

Seit Herbst im Wartestand

Seit dem Herbst 2011 berät der Vermittlungsausschuss in Berlin über eine Lösung im Streit über Steueranreize für die Gebäudesanierung.  Zwei Modelle gibt es:  Das der Bundesregierung sieht eine steuerliche Förderung von Wohngebäuden vor, die vor 1995 errichtet worden sind. Dazu ist die Bestätigung eines Sachverständigen erforderlich. Für den vermieteten und den selbstgenutzten Wohngebäudebereich sollen zehn Prozent der Investitionssumme über zehn Jahre absetzbar sein. Die Höhe der Steuerreduktion ist in diesem Modell abhängig vom individuellen Einkommen und dem Steuersatz.

Das im Frühjahr 2011 ins Spiel gebrachte Modell des Bundesrates stellt dagegen auf eine zusätzliche sozialpolitische Komponente ab. Wie im Bundestagsmodell sollen Wohngebäude mit Baujahr vor 1995 förderfähig sein. Von der maximalen Investitionssumme von 75.000 Euro sollen jährlich drei Prozent über zehn Jahre hinweg direkt von der Steuerschuld abziehbar sein. Das bedeutet eine direkte Verminderung der Steuerzahlungen um max. 2.250 Euro. In diesem Modell spielt der Steuersatz keine Rolle, unabhängig vom Einkommen wird jeder Steuerzahler gleich entlastet.

Entsprechende Entscheidungen aus Berlin sind für Mitte August angekündigt. Es wird also noch etwas dauern, bis sie Gesetz werden. Sicher ist aber: den Handwerksbetrieben und der Bauwirtschaft werden steuerliche Anreize die Auftragsbücher füllen.