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Fokus Osteuropa

Volkszählung nicht nur für Demographen?

Seit dem 14. Oktober läuft in Russland eine Volkszählung. Beobachtern zufolge sollen die Ergebnisse auch über die politische Stimmung im Lande im Vorfeld der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen Aufschluss geben.

Volkszähler bei der Arbeit (Foto: RIA Novosti)

Volkszähler auch in abgelegenen Regionen

Rund 650.000 Volkszähler sind in Russland unterwegs, um die Einwohner des Landes über ihren Haushalt, ihr Geburtsdatum und ihre Nationalität zu befragen. Neue Angaben zur Bevölkerungsstruktur würden Soziologen und Demografen für ihre Forschungen benötigen, sagt Denis Wolkow vom Moskauer Lewada-Forschungszentrum.

Allerdings fügt er gegenüber der Deutschen Welle auch hinzu, dass er erwarte, die Regierung werde die Ergebnisse nutzen, um die politische Stimmung im Lande im Vorfeld der Parlamentswahlen 2011 und der Präsidentschaftswahlen 2012 besser einschätzen zu können.

Insbesondere Daten zur wirtschaftlichen Lebenssituation der Menschen könnten der Regierung helfen, vor den Wahlen dort tätig zu werden, wo Notlagen herrschen. "In Wirtschaftskrisen kommt es zu großen Veränderungen, und in solchen Situationen muss man sehr präzise Entscheidungen treffen", so Wolkow.

Miliz soll Volkszähler unterstützen

Portrait von Innenminister Raschid Nurgalijew (Foto: RIA Novosti)

Innenminister Raschid Nurgalijew will für sicheren Verlauf sorgen

Die Kosten der Volkszählung belaufen sich auf 17 Milliarden Rubel, umgerechnet rund 400 Millionen Euro. Ein Teil des Geldes wurde für eine Informationskampagne ausgegeben. Allerdings ist von Plakaten und Info-Ständen nicht viel zu sehen. Die Behörden riefen immerhin die Bevölkerung über das Fernsehen auf, sich bei der Zählung kooperativ zu verhalten.

Viele Bürger fürchten sich aber vor Betrügern, die sich als Volkszähler ausgeben, nur um sich Zugang zu Wohnungen zu verschaffen. In diesem Zusammenhang erklärte vor kurzem der russische Innenminister Raschid Nurgalijew, gefragt seien nun die Milizionäre, also Polizisten die für Bezirke und Stadtteile zuständig sind. Sie sollten jeden Volkszähler, der in ihrem Revier im Einsatz sei, persönlich kennen und in ihrer Arbeit unterstützen, so der Minister.

Nurgalijew teilte mit, etwa 130.000 Mitarbeiter seiner Behörde würden für einen sicheren Verlauf der Volkszählung sorgen. Vor allem würden sie die Volkszähler schützen, aber auch eine sichere Lagerung der ausgefüllten Fragebögen gewährleisten.

Wie viele Einwohner hat Russland?

Die Volkszählung 2010 ist die erste seit dem Jahr 2002. Sie soll unter anderem die genaue Bevölkerungszahl des Landes ermitteln. Seit dem Ende der Sowjetunion sank die Zahl der Einwohner Russlands von 148 Millionen auf rund 142 Millionen. Die russische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 die Bevölkerungszahl wieder auf 145 Millionen zu steigern.

Beobachter haben Zweifel geäußert, dass die Volkszählung seriöse Ergebnisse über die Anzahl illegaler Arbeitsmigranten liefern kann, die Versuchen werden einer Erfassung zu entgehen.

Die Zählung dauert bis zum 25. Oktober. Nach Angaben des russischen Statistikamtes sollen die Ergebnisse des Zensus Ende des nächsten Jahres vorliegen.

Autoren: Jegor Winogradow, Markian Ostaptschuk (afp)
Redaktion: Fabian Schmidt

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