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Wirtschaft

Volkswagen will sich gesund sparen

Ein Zukunftspakt bei Volkswagen soll helfen, die Kernmarke VW zu sanieren. Bis zu 30.000 Stellen fallen weg, davon bis zu 23.000 in Deutschland. Einige Bereiche werden aber auch aufgestockt.

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Zukunftspakt: VW streicht 30.000 Stellen

Gelingt dem Konzern die Balance zwischen Sparkurs und Aufbruch? Der über Monate ausgehandelte sogenannte Zukunftspakt bei Volkswagen bringt der Belegschaft des größten europäischen Autobauers empfindliche Jobkürzungen - gleichzeitig sollen wichtige neue Themen angegangen werden.

Allein in Deutschland fallen bis zum Jahr 2025 bis zu 23.000 Stellen weg, wie Unternehmen und Betriebsrat am Freitag bestätigten. Der Abbau soll aber sozialverträglich erfolgen, etwa über Altersteilzeit. Zudem habe der Gesamtbetriebsrat bis Ende 2025 Beschäftigungsgarantien durchgesetzt.

Weltweit werde VW bis zu 30.000 Jobs streichen, hieß es in Wolfsburg. Der gesamte Konzern beschäftigt insgesamt mehr als 624.000 Menschen, 282.000 davon in Deutschland. Der genaue Umfang der Kürzungen ist aus heutiger Sicht noch unklar - ebenso die Verteilung auf die Standorte. Klar ist dagegen: Es wird deutlich weniger Leiharbeit geben - und der Jobabbau in Argentinien und Brasilien wird schmerzhaft.

Abbau ohne Kündigungen

Zugleich einigte man sich auf Investitionen, die VW fit für die Zukunft machen sollen. So sollen etwa 9000 neue Stellen unter anderem für Softwareentwickler geschaffen werden. Unterm Strich würden so 14.000 Jobs wegfallen. Die Standort-Verteilung hängt auch an der Frage, wie viele Mitarbeiter sich für den Schritt in die Altersteilzeit entscheiden. Bereits bis 2020 sollen die jährlichen Kosten um 3,7 Milliarden Euro gedrückt werden.

VW-Markenchef Herbert Diess betonte: "Dieser Pakt ist für Volkswagen ein großer Schritt nach vorne, sicherlich einer der größten in der Geschichte des Konzerns." Bisher sei VW nicht gewappnet gewesen für den Wandel, bei der Produktivität habe man an Boden verloren. Bei der Rendite sei der Konzern weit abgeschlagen. "Volkswagen muss schnell wieder Geld verdienen und sich für den Zukunftssturm wappnen."

Paradigmenwechsel

"Der Zukunftspakt ist das größte Modernisierungsprogramm in der Geschichte unserer Kernmarke", sagte Konzernchef Matthias Müller. Er ermögliche vor allem einen Weg zu Elektromobilität und Digitalisierung. Monatelang hatten Betriebsrat und Unternehmen um den Pakt gerungen, der Tarifvertragsstatus haben soll. Der mächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh sieht das Sparprogramm denn auch als Aufbruch: "Mit dem Zukunftspakt schaffen wir den Einstieg in eine neue Ära." Der Kompromiss sei tragbar.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der wie Osterloh im Aufsichtsrat von VW sitzt, würdigte die Einigung als klare und konsequente Orientierung an der Elektromobilität. Wolfsburg würde im VW-Konzern das Zentrum für den IT-Bereich und strahle damit in die Region aus. "Wir werden diese Chance beherzt nutzen. Das ist das größte Umbauprogramm in der Geschichte des Unternehmens."

Die Einigung mit dem Betriebsrat war die Voraussetzung für den Investitionsplan des Autobauers für die kommenden Jahre. Auch da gibt es Einschnitte: Die Sachinvestitionen sollen gemessen am Umsatz des Automobilbereichs von knapp sieben Prozent im vergangenen Jahr auf sechs Prozent bis 2020 sinken. Bei zuletzt 184 Milliarden Euro Umsatz mit Autos sind auch das Milliardeneinsparungen.

Viele offene Baustellen

Volkswagen hat derzeit an vielen Stellen zu kämpfen. Der Abgas-Skandal zwingt den Autobauer zum Sparen, zugleich muss der Konzern viel Geld in zentrale Trends der Branche stecken: Digitalisierung, Vernetzung, alternative Antriebe. Zudem hat die Pkw-Kernmarke seit langem ein Rendite-Problem. Der Hausmarke um Golf und Passat blieb zuletzt von 100 umgesetzten Euro nur rund 1,60 Euro als Gewinn, wovon dann noch Zinsen und Steuern abgingen.

Der Autoexperte Stefan Bratzel hält die beschlossenen Schritte bei VW für unerlässlich. "Wenn man sich nicht anpasst, geht man pleite", sagte er mit Blick auf die nötige Schwerpunktsetzung auf neue Technologien wie Elektroautos und autonomes Fahren. "Dafür braucht man Spezialisten."

wen/bea (dpa, rtrd)

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