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Autobauer richtet sich neu aus

Volkswagen und das Jahr 2025

Volkswagen sieht sich auf dem Weg aus der Krise. Vor allem die Hauptmarke VW, lange das Sorgenkind des Konzerns, bläst zum Angriff. Auch gegen den E-Pionier Tesla. Aus Wolfsburg Henrik Böhme.

Die magische Zahl ist 2025. Warum auch immer - und als hätten sie sich darauf verständigt - haben die großen deutschen Autohersteller eben dieses Jahr zum Ziel erklärt. Bis dahin will zum Beispiel Daimler ein Viertel aller Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb verkaufen. Nicht anders beim Volkswagen-Konzern. Der hat schon im vergangenen Jahr, als Antwort auf Diesel-Betrugsskandal, die Europas größten Autobauer bis ins Mark erschüttert hat, seine Strategie 2025 vorgestellt.

Ein Ziel und viele Fragen

Was also soll in den kommenden acht Jahren geschehen? Was bedeutet das für die Autohersteller, für die nach Hunderttausenden zählenden Belegschaften? Für die Zulieferer? Und nicht zuletzt für die Kundschaft? Antworten auf diese Fragen gab Volkswagens Hauptmarke VW am Stammsitz des Konzerns in Wolfsburg. VW, um die Dimension deutlich zu machen, beschäftigt fast 200.000 Menschen in 14 Ländern. Das ist rund ein Drittel der Gesamtbelegschaft des Konzerns mit seinen zwölf verschiedenen Marken. Von den Montagebändern in den 50 Fabriken laufen unter anderen Autos der Typen Golf, Passat, Jetta und Beetle.

Deutschland Wolfsburg Volkswagen Pressekonferenz (picture-alliance/dpa/H. Hollemann)

VW-Markenchef Herbert Diess in Wolfsburg

Von München nach Wolfsburg

VW, ein sogenannten Volumenhersteller, hat aber nicht nur mit den Auswirkungen der Dieselkrise zu kämpfen, sondern seit Jahren mit eher schwachen Geschäftszahlen. Nicht, dass zu wenige Autos verkauft wurden. Nur: Die Produktion ist viel zu teuer, die Gewinnmarge im Vergleich zu den Wettbewerbern wie beispielsweise Toyota oder PSA viel niedriger. Der Dieselskandal, ausgebrochen vor mittlerweile anderthalb Jahren, hat nun wie eine Art Katalysator dazu geführt, dass sich VW schneller wandelt als manchem lieb sein dürfte. Noch vor Dieselgate hatte der damals noch amtierende Firmenpatriarch Ferdinand Piëch den BMW-Manager Herbert Diess aus München nach Wolfsburg gelotst, um die Marke VW wieder fit zu machen. Dessen Amtsantritt war freilich überschattet vom gigantischen Betrugsskandal, der wie ein Tsunami über den Konzern hinwegfegte.

Nun aber sieht Diess VW auf einem guten Weg. Die Aufarbeitung der Diesel-Krise - und ja, er nahm an diesem Vormittag in Wolfsburg das Wort mehrmals in den Mund, das in den vergangenen Monaten bei VW offiziell nur Diesel-Thematik hieß - komme voran. In Deutschland seien drei Viertel der betroffenen Fahrzeuge umgerüstet, in Europa mehr als die Hälfte. Bis zum Ende des Jahres soll das abgeschlossen sein. Auch in Nordamerika und anderen Weltregionen "wollen wir möglichst bald zum Abschluss kommen", so Diess.

Klare Ansage an Tesla

Auch die wichtigen Kennzahlen der Marke VW können sich durchaus sehen lassen, ins neue Jahr sind die Wolfsburger rasant gestartet: Der Betriebsgewinn wurde mit 900 Millionen Euro verzehnfacht (im Vergleich zum ersten Quartal 2016), und die Rendite, die damals noch bei mickrigen 0,3 Prozent lag, kletterte auf immerhin 4,6 Prozent. Das Fernziel (natürlich bis 2025) liegt hier bei sechs Prozent und damit auf dem Niveau der Wettbewerber. Diese Steigerung der Produktivität hat freilich ihren Preis. In harten Verhandlungen mit der Gewerkschaft hat sich Diess auf einen "Zukunftspakt" geeinigt, der eben auch den Abbau von weltweit 30.000 Stellen bis 2025 vorsieht, was allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen soll.

Und was auch geschehen soll (und muss): Eine Weiterbildungsoffensive. Denn VW will bis zum Jahr, richtig: 2025, ganz vorne sein in Sachen Elektromobilität. "Wir sind zuversichtlich, in dieser neuen Welt Marktführer zu werden", gab sich Diess selbstbewusst. Eine Million Elektroautos will VW dann pro Jahr verkaufen. Die Konkurrenz des kalifornischen E-Auto-Pioniers Tesla mache ihm keine Sorgen: "Unsere Autos werden alles können, was ein Tesla kann, und vieles davon noch besser."

Volkswagen Showcar I.D. (Volkswagen)

Der Volkswagen I.D. soll ab 2020 in Zwickau produziert werden.

E-Auto zum Preis eines Diesel

Wie sich VW seine Elektroflotte vorstellt, hat das Unternehmen auf diversen Automessen dieses Jahres bereits gezeigt. Die sogenannte I.D-Familie besteht zunächst aus drei Fahrzeugen, sie wird auch die Basis sein hin zum autonom fahrenden Auto. Ab 2020 soll das erste Modell ausgeliefert werden, der I.D. wird im sächsischen Zwickau gebaut werden. Gegenüber heutigen Fahrzeugen werde er "rund 25 Prozent effizienter produziert werden", so Diess. Das soll es ermöglichen, den Wagen zu einem Preis eines vergleichbaren Diesel zu verkaufen.

Audio anhören 04:51

Interview mit Herbert Diess, Markenchef von VW

Apropos Diesel: Das miese Image des Selbstzünders, erst recht nach dem Betrugsskandal, und auch drohende Fahrverbote in Innenstädten schrecken die VW-Manager nicht ab, nach wie vor an dieser Technologie festzuhalten. "Der Diesel hat weiter eine große Zukunft", glaubt Diess. Die aktuellen Motoren mit der Euro-6-Norm seien saubere Maschinen, und die brauche man vor allem in den größeren Fahrzeugklassen wie den SUV.  

Prozesslawine steht bevor

Aber wie gesagt: Wer seine Produktion so dramatisch umbauen will in Richtung Elektroantrieb, der muss Motoren- und Getriebewerke umrüsten, Mitarbeiter umschulen, den Service anpassen. All das wird eine Menge Geld kosten. Neun Milliarden will VW in alternative Antriebstechnologien stecken. Zwar verdient der Konzern samt Marke VW gutes Geld, aber es stehen noch immer eine Menge Verfahren ins Haus. Ab 2018 zum Beispiel geht es am Landgericht Braunschweig mit dem Musterverfahren zu den Anlegerklagen los, hier geht es um ein Gesamtvolumen von rund neun Milliarden Euro. Der Dieselskandal - er mag zwar überwunden sein. Die Folgen aber werden Konzern wie Marke VW noch eine lange Zeit begleiten. Vielleicht bis zum Jahr 2025. 

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