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Politik als Beruf

Volksvertreter: Vier Historiker, drei Soldaten und ein Metzger

"Der Bundestag ist mal voller und mal leerer, aber immer voller Lehrer“ - der Kalauer von Otto Graf Lambsdorff hält sich hartnäckig. Aber stimmt er noch? Wer sitzt im neuen Deutschen Bundestag?

Am Staatstheater Karlsruhe brauchen sie einen neuen Werther. Der Grund: Der alte tritt ab jetzt im Bundestag auf. Michel Brandt, Jahrgang 1990, zieht für die Partei Die Linke in den Bundestag ein. Der gelernte Schauspieler wechselt den Job. Zweimal wird er noch Goethes "Leiden des jungen Werther" spielen, dann ist Schluss. Sein süddeutsches Theater ist stolz: "Alle Mitarbeiter des Hauses gratulieren und freuen sich, dass mit ihm ein Künstler nach Berlin berufen wurde."

Nicht alle Volksvertreter wird das Volk so vermissen wie Brandt. Viele sind schon seit Jahren in Berlin, eine Legislaturperiode folgt auf die nächste. Im Verzeichnis des Bundestages steht bei Langzeitabgeordneten als Beruf inzwischen nur noch "MdB", also Mitglied des Bundestages: das trifft auf über 300 der 709 Abgeordneten im neuen Bundestag zu. Wirklich "Politikerin" als Beruf steht nur bei der Grünen Corinna Rüffer. Die Studienabbrecherin hat zuvor auf Kommunal- und Landesebene Politik gemacht - "learning by doing". 

Staatstheater Karlsruhe - Michel Brandt (Staatstheater Karlsruhe/Felix Grünschloß)

"Ich will das Gegenwärtige genießen, und das Vergangene soll mir vergangen sein.“ - Michel Brandt in seinem alten Job

AfD: Besondere Herausforderung für Historiker

Seit klar ist, dass die rechtspopulistische AfD erstmals in den Bundestag kommt, ziehen Politiker Parallelen zur Zeit der Weimarer Republik. Der Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer fordert klare Kante: "Wir brauchen jetzt historisch kundige Demokraten im Bundestag." Vier Abgeordnete können sich ganz konkret angesprochen fühlen - sie sind studierte Historiker. Die anderen 705 müssen auf ihre Allgemeinbildung setzen. 

Irene Mihalic (picture-alliance/dpa/M. Gambarini)

Irene Mihalic, Bündnis 80/Grüne: früher Polizistin, heute immer noch grün

In den Reihen der AfD findet sich kein Historiker, dafür der einzige Pilot, zwei von sechs Polizisten und drei von 15 im Bundestag vertretenen Professoren: einer für Physik, einer für Betriebswirtschaft und einer für Verbraucherpolitik. Professoren anderer Fraktionen haben im Bereich Wirtschaft, Ingenieurswesen oder Medizin geforscht, so der vielleicht prominenteste Professor, Fliegenträger und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der seit 2005 für die SPD im Bundestag sitzt.

Die mit Abstand größte Berufsgruppe stellen auch im 19. Deutschen Bundestag die Juristen. Das Parlament, qua Verfassung der Gesetzgeber, kann sich auf das Fachwissen von weit über 100 Juristen verlassen - überwiegend Rechtsanwälte, aber auch sechs Richter sind unter ihnen. Weiter gesunken ist die Zahl der Landwirte: Saßen zuletzt noch 13 Bauern im Bundestag, sind es jetzt nur noch neun. Die Weiterverarbeitung repräsentiert ein CSU-Politiker: Alois Rainer aus Straubing ist der einzige Metzger im Parlament.

„Mal voller und mal leerer, aber immer voller Lehrer"

FDP Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff 1983 Flash-Galerie (AP)

Otto Graf Lambsdorff kalauerte über Lehrer im Parlament

Der Spruch des FDP-Politikers Otto Graf Lambsdorff (gest. 2009 - die Red.) trifft auf den neuen Bundestag nicht mehr zu. Nur noch 15 Lehrer werden dem Parlament angehören - vier weitere bezeichnen sich als Hochschullehrer. Damit ist die Gruppe aber immer noch größer als die der Selbständigen - nur 14 Abgeordnete bezeichnen sich als Unternehmer. Noch seltener sind im Parlament Theologen (4) oder Tierärzte (2). Und zumindest ein gelernter Diplomat wird dem Bundestag angehören: Alexander Graf Lambsdorff, der Neffe von Otto Graf Lambsdorff.

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