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Wirtschaft

Volkssport Versicherungsbetrug

Deutsche Versicherungen werden jährlich um etwa vier Milliarden Euro betrogen. Zwar ist die Zahl der Fälle leicht rückläufig, es gibt jedoch mehr organisierte Betrugsdelikte.

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Unfall auf Bestellung?

Für nahezu alle Risiken, die berechenbar sind, werden Versicherungen angeboten - und fast überall wird betrogen. Laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung haben 59 Prozent der befragten Versicherungsnehmer schon einmal ihrer privaten Haftpflichtversicherung einen höheren Schaden gemeldet, acht Prozent den Schadensfall absichtlich herbeigeführt und 19 Prozent einen Versicherungsfall vorgetäuscht. Ähnliches gilt bei der Versicherung des Hausrats.

Rückläufige Zahl, zunehmende Gerissenheit

Während die Zahl der Betrugsfälle insgesamt leicht rückläufig ist, nehmen in den letzten Jahren professionell organisierte Delikte zu. Mit der Professionalisierung steigt auch die Brutalität der Vorgehensweise. Thomas Staubach vom Gesamtverband der deutschen Versicherungen berichtet von fingierten Unfällen, bei denen beteiligte Personen bis zu 20 Unfallversicherungen mit Krankenhaus-Tagegeldversicherungen abgeschlossen haben. Bei dem daraufhin fingierten Unfall habe der Täter vorher zwei Kindern und einer Frau die Knochen gebrochen und sie dann in ein demoliertes Auto platziert.

Profi-Autoklauer arbeiten mit Profi-Betrügern

Bei Auto-Diebstahl habe man es laut Staubach inzwischen vor allem mit technisch versierten Banden zu tun. Selbst moderne elektronische Wegfahrsperren kann den Diebstahl von Luxuslimousinen auf Bestellung nicht zuverlässig verhindern. Die Täter würden manipulierte Steuergeräte mitbringen und damit die Wegfahrsperre außer Kraft setzen. Offenere Grenzen, so Staubach, führe schließlich zu immer mehr grenzüberschreitenden Fällen.

Banden würden beispielsweise gezielt Eigentümer ansprechen, die ihre Fahrzeuge zum Verkauf anbieten. "Der wird aus dem Ausland angesprochen: Du verkaufst uns dein Auto für zehn Prozent seines Wertes und den Rest holst Du Dir dann von der Versicherung wieder." Und bei der Schadensregulierung sei das Auto meist längst im Ausland verschwunden. 1993 blieben nur rund ein Drittel der gestohlenen Fahrzeuge auf Dauer verschollen - mittlerweile sind es 50 Prozent.

Strafanzeigen zur Prävention

Das Risiko bei solchen Praktiken ist für die Täter recht gering: Die Versicherung reicht bei Betrugsverdacht meist eine Zivilklage ein, selten aber erstattet sie Strafanzeige: Der Zivilrichter nämlich würde den Ausgang des Strafverfahrens abwarten. Das aber kann lange dauern und möglicherweise wegen Beweismangels ins Leere laufen. Der Versicherungsverband möchte dies ändern, sagt Thomas Staubach. Strafanzeigen sollten ohne Ansehen der Person erhoben werden - alleine schon, um präventive Wirkung zu erzielen.

Wo es menschelt, wird gemauschelt

Die Netzwerke krimineller Banden sind immer besser organisiert - einschließlich Rechtsanwälten und Sachverständigen. "Die wissen, wie man solche Sachen angeht," sagt Staubach. Schließlich haben die Versicherungen aber auch ein hausgemachtes Problem: die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen. Es ist ein strukturelles Problem: Außendienstmitarbeiter von Versicherungen leben von den Provisionen, die sie für den Abschluss von Versicherungsverträgen erhalten - und diese Verträge kommen eben oft über persönlichen Kontakt zustande.

Und wo es menschelt, wird gemauschelt. "Sie verdienen das Geld mit den Leuten, die zu ihnen hinkommen", so Staubach. Es käme durchaus häufig vor, dass diese Mitarbeiter bei fingierten Schadensfällen beide Augen zudrücken. Damit wird der Mitarbeiter zum Mittäter. Der Versicherungsverband hat daher eine eigene Abteilung Kriminalitätsbekämpfung gegründet. In Zusammenarbeit mit Polizei und Ermittlungsbehörden wollen die Versicherungen versuchen, den Betrügern Paroli zu bieten.

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