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Kultur

Volksheiliger für eilige Fälle

Vision Gottes oder weiße Magie - in der brasilianischen Metropole São Paulo setzen die Menschen auf Santo Expedito, einen Heiligen für "gerechte und dringende Anliegen".

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Die 17-Millionen-Metropole São Paulo

In jedem Stadtteil der brasilianischen Finanz- und Industriemetropole São Paulo hängen sie, die Spruchbänder mit dem stereotypen Satz "Ich danke dem heiligen Expedito für die erlangte Gnade", gefolgt von den Initialen des Spenders. Der Adressat ist ein obskurer römischer Legionär aus dem dritten Jahrhundert. Im Augenblick seiner Bekehrung, so die Legende, tauchte ein Rabe auf, der "cras" krächzte - was auf lateinisch "morgen" bedeutet. Der unerschrockene Soldat zermalmte das Tier mit dem Fuß, packte ein Kruzifix und rief aus: "Hodie" (heute)!

Für das Chaos São Paulo ist Expedito ideal

Schutzpatron der brasilianischen Militärpolizisten ist Expedito schon länger, doch seine steile Karriere begann erst im São Paulo der achtziger Jahre. Wer in Nöten ist, kann sich zwar auch an São Judas Tadeu, den Patron der "unmöglichen Anliegen", Santa Rita de Cassia, die Patronin der Verzweifelten oder die für die Schuldner zuständige Heilige Hedwig wenden. Allerdings rangiert in allen Bevölkerungsschichten auf Platz eins Santo Expedito, der Heilige für die "gerechten und dringenden Anliegen".

Kein Wunder, findet der Religionssoziologe Joao Decio Passos: "Für einen so chaotischen Lebensraum wie den unseren taugt in der Tat nur ein Heiliger, der ein halber Supermann ist." Schon der Name sagt es: In Latein bedeutet "expeditus" kampfbereit, schlagfertig, leicht, schnell.

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