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Politik

Volksabstimmung im Namen des Herrn

47 Millionen Italiener sind Sonntag und Montag zu einem Referendum über künstliche Befruchtung und Embryonenforschung aufgerufen. Das Thema spaltet die Menschen quer durch die Parteien. Auch der Vatikan mischt sich ein.

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Wie viel Macht hat die Kirche in Italien?


Vier Fragen sind es, auf die die Italiener mit Ja oder Nein antworten sollen:

  • Dürfen Paare Samen oder Eizellen eines fremden Spenders verwenden, um ein Kind zu bekommen?
  • Soll es künftig erlaubt sein, mehr als drei Embryos künstlich zu zeugen und sie vor dem Einpflanzen auf mögliche Genschäden zu untersuchen?
  • Sollen aus dem Gesetz von Februar 2004 die Passagen gestrichen werden, die einen Embryo mit einem vollständig entwickelten Menschen gleichsetzen - und es damit unmöglich machen, kranke Embryos auszusondern?
  • Werden die Einschränkungen zur medizinischen Forschung an Embryos aufgehoben?
    Vor Volksabstimmung in Italien

    "Jeder von uns war mal ein Embryo!"

    Worum geht es?

    Bislang dürfen heterosexuelle Paare in Italien nur dann eine künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen, wenn sie aus medizinischen Gründen keine Kinder zeugen können - wenn einer der Partner dagegen eine genetisch bedingte Krankheit in sich trägt, die er vererben könnte, bleibt ihnen diese Möglichkeit verwehrt. Sperma- und Eizellspenden sind verboten, es sei denn, einer der beiden Partner ist dauerhaft unfruchtbar. In allen anderen Fällen ist die Befruchtung mit Ei- oder Samenzellen, die nicht von dem kinderlosen Paar selbst stammen, untersagt.

    Vor Volksabstimmung in Italien

    Bei einer künstlichen Befruchtung dürfen Ärzten lediglich drei Embryonen schaffen. Die Untersuchung auf mögliche Genschäden ist nicht erlaubt. Auch das Einfrieren von Embryonen, die laut Gesetz bereits die Rechte eines menschlichen Wesens haben, sind nicht zulässig. Dieses äußerste strikte Bioethik-Gesetz wurde erst vor einem Jahr verabschiedet. "Der Wunsch, Eltern zu sein, kann nicht unterdrückt werden", sagt die 40-jährige Franca. Sie und ihr Ehemann tragen beide ein Gen, das eine Blutkrankheit überträgt. Ihre ganze Hoffnung setzen sie in die Referenden. Viele andere italienische Paare mit unerfüllbarem Kinderwunsch suchen sich Hilfe im Ausland.

    Politische Parteien gespalten - Kirche dagegen

    Während es die beiden großen konservativen Mehrheitsparteien, die Forza Italia von Regierungschef Silvio Berlusconi und die Nationale Allianz von Gianfranco Fini, sowie die linksbürgerliche Margherita es dem Gewissen der Wähler überlassen, wie sie stimmen, rufen alle weiteren Linksparteien und radikalere Gruppierungen dazu auf, mit Ja zu stimmen.

    Die rechtsgerichtete Liga Nord und die Christdemokraten von der UDC versuchen dagegen, die Wähler zur Stimmenthaltung zu bewegen - genau wie die Kirche, die seit Wochen gegen das Referendum wettert. Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Camillo Ruini, hatte die Bevölkerung wiederholt aufgerufen, die Abstimmung zu boykottieren.

    Der Kardinal erhielt dabei Rückendeckung von Papst Benedikt XVI., der die "Unantastbarkeit" des menschlichen Lebens und der natürlichen Befruchtung betonte. Wenn nicht mindestens 50 Prozent der wahlberechtigten Italiener teilnehmen, gilt das Referendum als gescheitert. Und so kommt es, dass die Italiener in den Referenden nicht nur über die künstliche Befruchtung, sondern auch darüber entscheiden, wieviel Einfluss der Vatikan in Italien noch hat.

    Vor Volksabstimmung in Italien

    Beten für das Kreuzchen an der richtigen Stelle

    Der Vatikan und die Politik

    Mehr als 90 Prozent der 58 Millionen Italiener sind katholisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg dominierten die Christdemokraten jahrzehntelang das politische System, mit engen Verbindungen zum Vatikan. Doch trotz dieses großen Einflusses unterlagen die katholischen Kräfte in zwei Referenden 1974 und 1981, als es um die Rücknahme der Scheidung und der Abtreibung ging. Die Zustimmung zur Abtreibung war ein Schlag ins Gesicht für den damaligen Papst Johannes Paul II., der sich für ein Verbot eingesetzt hatte.

    In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Nachrichtenagentur AP sprachen sich kürzlich zwei Drittel der Italiener dagegen aus, dass die Religion Einfluss auf die Regierung nimmt. "Der Vatikan sollte Entscheidungen in einem theoretisch säkularen Staat nicht beeinflussen", sagte der 35-jährige Danilo Sciunnach. "Er beeinflusst die Schwächsten, die mit der geringsten Bildung." (arn)

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  • Datum 11.06.2005
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