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Filme

Volker Schlöndorff inszeniert Verdun

Zum Gedenken an die Schlacht von Verdun setzte Schlöndorff 4000 Jugendliche auf dem Soldatenfriedhof in Szene. Es war das jüngste Projekt des Regisseurs, der sich oft Literaturverfilmungen und Kriegsgeschichte widmet.

Die "Knochenmühle" von Verdun gilt als ein Symbol für das sinnlose Kämpfen und Sterben an der Westfront während des Ersten Weltkrieges: Zwischen Februar und Dezember 1916 starben hier mindestens 300.000 Soldaten verschiedener Nationalitäten. Bei den Artilleriegefechten wurden zudem 400.000 Menschen verletzt. Nun jährt sich die Schlacht zum 100. Mal. Bei der zentralen Gedenkfeier am 29.05.2016 haben der französische Präsident François Hollande und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Zeichen der Aussöhnung in der Stadt im Nordosten Frankreichs gesetzt.

Dem deutschen Filmregisseur Volker Schlöndorff kam dabei eine besondere Rolle zu: Er inszenierte eine Zeremonie zum Gedenken. Unter dem Trommelschlag der französischen "Tambours du Bronx" stiegen rund 3000 Jugendliche aus Frankreich und 1000 aus Deutschland aus den umliegenden Wäldern auf den Soldatenfriedhof hinab. Es wurde gerappt und eine Art Totentanz aufgeführt. Die Jugendlichen filmten das Ganze mit ihren Handys. Anschließend sichteten die anwesenden Politiker die Handybilder und -videos der Jugendlichen begannen einen Dialog mit ihnen. "Die Politiker sollen ihnen erklären, warum man sich heute daran erinnern soll", sagte Volker Schlöndorff dem SWR. Er beschrieb die Live-Inszenierung als "halb Krieg, halb Tanz".

Deutschland Filmregisseur Volker Schlöndorff

Volker Schlöndorff

Der 77-jährige Regisseur, der seit seiner Jugend immer wieder in Frankreich gelebt und gearbeitet hat, wurde von Hollande gebeten, "eine Zeremonie der anderen Art, ohne Pomp, ohne Militär", so Schlöndorff, zu konzipieren. Bei der Gedenkfeier trat auch das West-Eastern Divan Orchestra auf, in dem israelische und arabische Musiker zusammen musizieren.

Politik und Literatur für die Leinwand

Deutsche Geschichte - vor allem die Zeit des Nationalsozialismus - und die Kriegsthematik sind Leitmotive im Filmschaffen von Volker Schlöndorff. Das andere immer wiederkehrende Thema sind Literaturverfilmungen. Mit "Der junge Törless" nach einem Roman von Robert Musil fand sich der junge Schlöndorff 1966/67 zu seinem Stil: eine tiefe Durchdringung der literarischen Vorlage verbunden mit handwerklich perfekter Filmarbeit, einer starken Aussage und auch unterhaltsamen Momenten. Der Film katapultierte ihn in die erste Liga des Neuen Deutschen Films.

Fortan galt Schlöndorff als "Literaturspezialist". Der Sohn eines Arztes, der seine Mutter früh durch einen Unfall verlor, war immer schon ein begeisterter Leser. Auf die Leinwand brachte er "Homo Faber" nach Max Frisch und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" nach Heinrich Böll. Sein größter Triumph war jedoch "Die Blechtrommel" nach dem Roman von Günter Grass, für den er 1980 den Oscar in der Kategorie "bester fremdsprachlicher Film" erhielt.

David Bennent als Oskar Matzerath im Film Die Blechtrommel. Foto: ullstein - Tele-Winkler

Schlöndorffs größter Triumph: "Die Blechtrommel" mit dem jungen David Bennent in der Rolle des Oskar Matzerath

Frankreich, Deutschland und die USA

Der gebürtige Wiesbadener nutzte dann den Ruhm den Oscar-Triumph, um in den USA Filme zu drehen. Er verabschiedete sich erst einmal vom deutschen Kino, brachte prominent besetzte Filme wie "Tod eines Handlungsreisenden" (1985) mit Dustin Hoffman oder "Die Geschichte einer Dienerin" mit Faye Dunaway und Robert Duvall (1990) hervor.

In seiner 2008 erschienenen Autobiographie "Licht, Schatten und Bewegung" schilderte Schlöndorff, wie er sein Handwerk

in Frankreich

gelernt hatte. In den 50er Jahren assistierte er bei Regiegrößen wie

Jean-Pierre Melville

, Alain Resnais und vor allem bei Louis Malle. Schlöndorff, der 1992-1997 als Chef des Babelsberger Studios arbeitete, kehrte wiederholt nach Frankreich zurück und beleuchtete Aspekte der deutschen Besatzung im Frankreich während der NS-Herrschaft in den Filmen

"Das Meer am Morgen"

(2011) und "Diplomatie" (2014). Terrorismus in Deutschland, die Streikbewegung im Polen oder

die Haltung der katholischen Kirche vor 1945

sind weitere Themen in seinem Werk.

Gedenkkreuz auf dem Douaumont-Friedhof nahe Verdun, wo die Gebeine von über 130.000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten liegen. Foto: Reuters/V. Kessler

Gedenkkreuz auf dem Douaumont-Friedhof nahe Verdun, wo die Gebeine von über 130.000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten liegen

Politisches Engagement zeigte Volker Schlöndorff nun auch in seinem jüngsten Projekt - einer Veranstaltung, bei der er die Verfilmung den jungen Live-Akteuren überließ. "Das sind Erlebnisse, die im heutigen Europa unvorstellbar sind", sagte Schlöndorff über die verheerende Schlacht um Verdun dem SWR. "Trotzdem muss man daran erinnern: Diese riesigen Schlachtfelder und Friedhöfe sind das Fundament, auf dem wir jetzt mühsam versuchen, ein Europa aufzubauen. Daran zu erinnern zeigt, dass es die Anstrengung wert ist."

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