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Filme

Volker Schlöndorff im Berlinale-Wettbewerb mit "Rückkehr nach Montauk"

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: Schlöndorffs neues Werk ist keine Romanverfilmung. Der Regisseur hat den Film zwar Max Frisch gewidmet, doch dessen Roman "Montauk" wollte er ganz bewusst nicht verfilmen.

Natürlich werden die meisten Zuschauer schon bei dem Filmtitel "Rückkehr nach Montauk" erst einmal an "Homo Faber" denken. Schließlich hatte der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff mit seiner Kinoadaption 1991 schon einmal einen literarischen Welterfolg des berühmten Schweizer Autors Max Frisch für die Leinwand verfilmt. Und gilt Schlöndorff, der Heinrich Böll und Margaret Atwood, Bertolt Brecht, Arthur Miller und Robert Musil ins Kino brachte, nicht als der filmische Literaturexperte in Deutschland? Auch die Goldene Palme und den Oscars gab's 1979/80 für eine Romanverfilmung: Günter Grass' "Blechtrommel".

Volker Schlöndorff: "'Montauk' ist keine Filmerzählung"

Max Frisch hatte "Montauk" 1975 geschrieben. Der Roman gilt unter Experten als sein autobiografischstes Buch. "Rückkehr nach Montauk" von Volker Schlöndorff ist nun aber keine Kino-Adaption von Frischs Text. "Wenn man dieses Buch verfilmen könnte, hätte ich das längst getan", sagt Schlöndorff. "Ich hatte mit Max Frisch darüber diskutiert, als wir an 'Homo Faber' gearbeitet haben, und wir waren uns einig: viel zu autobiografisch, zu essayistisch. Das ist keine Filmerzählung."

Berlinale Filmstill Return to Montauk | Rückkehr nach Montauk von Volker Schlöndorff (Wild Bunch Germany 2017/Ann Ray)

Nina Hoss und Stellan Skarsgård in "Rückkehr nach Montauk"

Und doch hat der neue Schlöndorff-Film, der sich nun als dritte deutsche Produktion im Wettbewerb der 67. Berlinale um die Bären bewirbt, sehr viel mit Max Frisch zu tun. Volker Schlöndorff: "Ein paar Jahrzehnte später, dachte ich: Wie wäre es denn, wenn man nur die Grundkonstellation übernimmt? Ein Schriftsteller kommt nach New York, um seinen neuen Roman vorzustellen. Dabei begegnet er Menschen aus seiner Vergangenheit und Gegenwart, und es ergibt innerhalb einer Woche oder eines Wochenendes eine im Grunde einfache Geschichte - ohne Aussage, wie bei Max Frisch."

Hommage an Max Frisch

Der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård spielt in "Rückkehr nach Montauk" nun jenen Schriftsteller Max Zorn, der sein neues Buch auf einer Lesereise in New York vorstellt. Dabei wird er von seiner wesentlich jüngeren deutschen Freundin Clara (Susanne Wolf) begleitet. Eher zufällig trifft Zorn in New York einen alten Weggefährten aus früheren Zeiten. Durch ihn gelangt er an die Adresse seiner verflossenen großen Liebe Rebecca (Nina Hoss). Mit ihr verbringt Max ein Wochenende, in Montauk, am Meer. Danach kehrt Zorn zurück zu Clara und reist ohne sie wieder nach Deutschland.

Deutschalnd 67. Berlinale Film Festival 2017 Volker Schloendorff und seine Frau Angelika (picture alliance/dpa/AP Photo/M. Sohn)

Volker Schlöndorff mit seiner Frau bei der Eröffnung der Berlinale

"Rückkehr nach Montauk" ist eine Hommage an Max Frisch, in der sich Schlöndorff von dem Schweizer Schriftsteller sowie eigenen Erlebnissen inspirieren ließ. Hinzu kam ein weiteres literarisches Schwergewicht. "Max Frisch hat sinngemäß einmal gesagt: 'Jeder, der auf sein Leben zurückblickt, hat das Gefühl, es sei ein Roman'", so Schlöndorff. "Um diesen Roman zu schreiben, habe ich mir einen Schriftsteller an meine Seite geholt: Colm Tóibín, den ich seit Jahren persönlich kenne."

Wehmütige Stimmung, großartige Akteure, toller Sound

Max Frisch und der irische Autor Colm Tóibín, dazu der Literaturliebhaber Volker Schlöndorff  - ist das nicht möglicherweise zu viel Intellekt für einen Film? Kann das gut gehen? Es ist gut gegangen. "Rückkehr nach Montauk" ist ein sehr wehmütiger Film geworden, langsam in seinem dramaturgischen Rhythmus, ein wenig traurig, melancholisch von der Grundstimmung her. Skarsgård und Hoss spielen eindringlich und überzeugend das Paar, das einer Vergangenheit nachhängt, aber keine Zukunft hat. Die wunderbare Musik, die der deutsche Filmkomponist Max Richter eigens für die "Rückkehr nach Montauk" geschrieben hat, unterstützt die Stimmung des Films.  

Film Return to Montauk (Wild Bunch Germany/Jim Rakete)

Beim Dreh in New York: der Regisseur und seine Darsteller

"Ich habe seit Jahren nur historische Filme gedreht, noch dazu über den Zweiten Weltkrieg oder mit politischem Inhalt", sagt Schlöndorff. Er könne sich gar nicht mehr erinnern, wann er die letzte zeitgenössische Geschichte erzählt habe, die "im Hier und Heute spielt". Vielleicht ist "Rückkehr nach Montauk" ein altmodischer Film geworden über Menschen, die mit der Vergangenheit ringen, die verpassten Möglichkeiten nachhängen. Ein Alterswerk auf jeden Fall. Schlöndorff kann im kommenden März seinen 77. Geburtstag feiern.

Rückkehr nach Montauk: viel psychologisches Feingefühl

Und doch ist "Rückkehr nach Montauk" auch ein moderner Film, der Geschichten über Menschen "im Hier und Jetzt" erzählt. Mit viel psychologischem Feingefühl dringt der Regisseur in das Wesen seiner Protagonisten vor. Mit wenigen, aber markanten Strichen erzählen er und seine Schauspieler von Verlust und Lebensängsten, von Sehnsüchten und neuen und alten Hoffnungen: "Nachdem der große Digitalrausch nun langsam vorbei ist, kann man wieder auf einfachste Mittel zurückgreifen und einen Film nicht um der technischen Möglichkeiten willen machen", sagt Schlöndorff. Das sei ihm sehr wichtig gewesen.

Berlinale Filmstill Return to Montauk | Rückkehr nach Montauk von Volker Schlöndorff ( Wild Bunch Germany 2017/Franziska Strauss)

Mit junger Freundin in New York unterwegs: Max Zorn (Skarsgård) und Clara (Susanne Wolf)

Hinzu kommen die magischen Bilder, die Schlöndorffs französischer Kameramann Jérôme Alméras für "Rückkehr nach Montauk" auf die Leinwand gezaubert hat. Zugegeben, die Schauplätze, die der Regisseur und sein Team an der Ost-Küste der USA vorgefunden haben, sind phantastisch.

Schlöndorff erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass es damals Max Frisch war, der diesen magischen Ort selbst vielen Amerikanern erst nahegebracht hätte: "Vorher hat kein Mensch auf diesen Leuchtturm in Long Island geachtet, in den USA war Montauk überhaupt kein Begriff. Und plötzlich hat Max Frisch durch seine Erzählung diesen Ort in einen Mythos verwandelt." Ein Ort, so Schlöndorff, "wo man losgelöst ist von allem - nur der hohe Himmel und der endlose Strand - und überwältigt wird von Erinnerungen. Auf einmal tauchen am Strand die Geister auf, aus dem eigenen Unterbewusstsein."

Filmplakat - Rückkehr nach Montauk von Volker Schlöndorff (Wild Bunch)

Schatten der Vergangenheit: Nina Hoss und Stellan Skarsgård als Rebecca und Max

Bei den Bären wohl nur Außenseiterchancen

Gut möglich, dass "Rückkehr nach Montauk" bei der Vergabe des Goldenen und der Silbernen Bären am Ende der Berlinale leer ausgehen wird. Denn als politischen Film kann man Schlöndorffs Werk nun wirklich nicht bezeichnen. Und ums politische Kino geht es bei der Berlinale ja zuvorderst. Doch Volker Schlöndorffs "Rückkehr nach Montauk" wird seinen Weg machen, in den Kinos, beim Publikum. Zu gönnen ist es ihm auf jeden Fall.

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