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Kultur

Vogelgrippe zwingt zum Umdenken

Wegen der weltweiten Gefahr hat UN-Generalsekretär Annan einen Chefkoordinator für die Bekämpfung der Vogelgrippe ernannt. "Die Menschen müssen sich umstellen", sagt die Weltgesundheitsorganisation.

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Immer mehr Vogelgrippe-Tote in Asien: Wie nah ist die Gefahr?

Bei einer Grippe-Pandemie könnten nach Einschätzung eines führenden Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit zwischen fünf und 150 Millionen Menschen ums Leben kommen. Die Zahl der Opfer hänge davon ab, welche Maßnahmen jetzt gegen die sich in Asien ausbreitende Vogelgrippe unternommen würden, sagte David Nabarro. Er äußerte sich kurz nach seiner Ernennung zum UN-Koordinator im Kampf gegen die Vogelgrippe durch UN-Generalsekretär Kofi Annan.

Nabarro war schon bislang der oberste Krisenmanager der WHO. Er erklärte, die Pandemie könne jederzeit ausbrechen. Ausgehen wird sie nach Ansicht von Nabarro von einer Mutation des gefährlichen H5N1-Erregers der Vogelgrippe, der derzeit in Asien grassiert.

Risikoherd Thailand

Inzwischen sind mehr als 40 Krankenhäuser in Indonesien darauf eingestellt, Patienten mit Verdacht auf Vogelgrippe aufzunehmen, sagt Indonesiens Gesundheitsministerin Siti Fadilah Supar: "Der Virus, der unser Geflügel angreift, ist schwierig aufzuspüren. Ich habe entschieden, dass alle Menschen mit ähnlichen Symptomen sofort auf den Vogelgrippe-Virus hin untersucht werden, weil dann die Krankenhäuser sie noch heilen können."

Ende 2003 brach die Geflügelgrippe in Südostasien aus. Indonesien ist das vierte Land, in dem Menschen daran gestorben sind. Am stärksten betroffen ist Vietnam. Dort gab es mehr als 40 Todesopfer. Auch aus Thailand und Kambodscha werden Todesfälle gemeldet. Insgesamt starben seit 2003 mehr als 60 Menschen nach Infektion mit dem Geflügelvirus.

Wie ein Garten, der zur Küche gehört

Spezialbild: Vogelgrippe in Sibirien - Getötete Gänse

Vogelgrippe in Sibirien - Getötete Gänse

Und die Krankheit breitet sich aus: Das Virus wurde bereits von Zugvögeln nach Russland und Europa getragen. Die Verbreitung der Geflügelgrippe hat viel mit der Geflügelhaltung zu tun, sagt Hasaran Pandey vom Regionalbüro Südostasien der Weltgesundheitsorganisation WHO. In Indonesien, Kambodscha, Vietnam, bis hin nach China, gehören Hühner und Enten fast zu jedem Haushalt dazu: "Das bedeutet zusätzliche Nahrung, vielleicht Eier für die Kinder. Oder vielleicht können sie auch etwas davon verkaufen. Das ist wie ein Garten, der zur Küche gehört. Für normale Menschen, die kein großes Einkommen haben, ist das Geflügel ein Mittel, Nahrung und Einkünfte aufzubessern."

Hinzu kommt: Geflügelzucht ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in vielen asiatischen Ländern: Thailand zum Beispiel, ist weltweit der fünftgrößte Exporteur für Geflügel. Sind erstmal einige Tiere in einer Hühnerfarm infiziert, gibt es für den gesamten Bestand keine Rettung mehr. Das Virus ist so ansteckend, dass fast alle Tiere daran zugrunde gehen. Und die Menschen im Umfeld sind hochgradig gefährdet. Dort, wo die Nähe zwischen Menschen und Tieren am größten ist, habe es in den vergangenen Jahren die meisten Ansteckungen gegeben, sagt die WHO.

Wichtiges Exportgut

Die Weltgesundheitsorganisation fordert daher, dass Asien seine jahrealten Gewohnheiten, Geflügel zu halten und zu züchten, aufgeben muss. "Die Berührungspunkte zwischen Menschen und Tieren müssen reduziert werden. Nur so gibt es eine Chance, die Geflügelpest einzudämmen und die Übertragungsgefahr auf den Menschen zu verringern", sagte der WHO-Regionaldirektor der Westlichen Pazifik-Region, Shigeru Omi, kürzlich auf einer Konferenz.

Doch das ist für die Menschen nicht so einfach, weiß Indy Damayant vom indonesischen Landwirtschaftsministerium: "Wir kennen die Lebensbedingungen in Indonesien, sie sind wie sie sind. Deshalb kann die Vogelgrippe nicht ausgelöscht werden. Die Menschen sind nicht bereit, ihre Hühner zu töten. Sie fragen uns, was soll das mit den Hühnern? Wo ist die Entschädigung für den Züchter? Und dann behalten sie die Hälfte ihrer Hühner. Und wir haben kein Geld, um ihnen Schadenersatz zu zahlen."

Auch eine Geldfrage

Grippevirus H5N1 soll für Vogelgrippe verantwortlich sein

Grippevirus H5N1 soll für Vogelgrippe verantwortlich sein

Inzwischen hat Indonesien das Ausland um verstärkte finanzielle und technische Hilfe für den Kampf gegen die Vogelgrippe gebeten. Auch die Vereinten Nationen haben die Weltgemeinschaft aufgerufen, die betroffenen Länder mit mehr Geld zu unterstützen. 100 Millionen Dollar seien notwendig für Impfungen der Tiere und Lagerung von Antivirus-Medikamenten, heißt es. Solche Maßnahmen dienen dem Schutz von Menschen, falls sich die Vogelgrippe weltweit ausdehnen sollte.

Wissenschaftler warnen schon länger vor der Gefahr einer globalen Grippe-Epidemie mit Millionen Toten weltweit. Wenn sich das Virus verändert und möglicherweise mit einem menschlichen Grippevirus mischt, kann eine Pandemie entstehen, und damit eine Grippe-Epidemie. Die Menschen in Asien müssten sich umstellen, analysiert WHO-Experte Harsaran Pandey die Situation: "Man muß den Familien helfen zu erkennen, dass diese Situation eine Krankheit hervorbringen kann. Wir müssen Geflügelfarmen haben, die abgetrennt sind von den Menschen." Allerdings gibt Pandey zu, dass das wohl lange dauern werde. "Nur wenn eine globale Epidemie kommen sollte, dann werden viele Menschen die Dinge mit anderen Augen sehen", sagt Pandey, "und nicht so weitermachen wie zuvor".

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