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Kultur

Vogelgrippe-Entwarnung für Rumänien

Ein Krisenstab von Bund und Ländern hat über Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe beraten. Die Verdachtsfälle in Rumänien scheinen sich indes nicht bestätigt zu haben.

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Alles umsonst? Vorsorgliche Geflügel-Schlachtung in Rumänien

Nach dem Vogelgrippe-Alarm in Rumänien und der Türkei hat die Bundesregierung den nationalen Krisenstab von Bund und Ländern einberufen. Bei dem Treffen am Mittwoch (12.10.2005) in Bonn wurde beschlossen, die Kontrollen an Flughäfen zu verschärfen. Ein bundesweiter Stallzwang für
Geflügel, wie ihn einige Experten fordern, beschloss das Gremium jedoch nicht.

Für Rumänien wurde nun jedoch Entwarnung signalisiert. Wie die EU-Kommission am Mittwochmittag in Brüssel mitteilte, waren die Tests wegen des Verdachts auf Vogelgrippe bisher alle negativ. Brüssel plant daher keine Importverbote gegen Bukarest mehr. Allerdings bestehe weiterhin erhöhte Wachsamkeit, betonte die EU-Kommission, zumal neue Verdachtsfälle bekannt geworden sind. Rumänien hatte am Freitagabend drei Fälle von Vogelgrippe bei Enten im Donau-Delta gemeldet. Im Südosten des Landes war vorsorglich mit der Tötung von Geflügel begonnen worden.

Notfallpläne liegen bereit

Das Ministerium sei bei der Risikoabschätzung weiterhin auf den schlimmsten Fall vorbereitet, erklärte der derzeit auch für Verbraucherschutz zuständige Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne). Der Deutsche Bauernverband forderte mit Blick auf das Vorrücken der Seuche schärfere Grenzkontrollen. Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO warnte ihrerseits, eine Vogelgrippe-Pandemie sei nur eine Frage der Zeit. Sollte sich herausstellen, dass das in der Türkei erkrankte Geflügel tatsächlich mit dem auch für den Menschen gefährlichen Virus H5N1 infiziert sei, werden die deutschen Notfallpläne sofort greifen, betonte Trittin. In der Schublade des Ministeriums liegt beispielsweise eine Eilverordnung, nach der alle frei laufenden Hühner in Deutschland eingesperrt werden müssten. Derzeit haben nur Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen auf freiwilliger Basis ihre Geflügelbestände in bestimmten Gebieten in die Ställe verbannt.

Gefahr durch illegalen Geflügel-Import

Das bundesweit zuständige Friedrich-Loeffler-Institut auf der Ostsee-Insel Riems sieht die größte mögliche Einschleppungsgefahr in illegalen Importen von Geflügel. Bei Zugvögeln sei die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung aus Rumänien und der Türkei nach Deutschland momentan gering bis mäßig, durch Menschen über Bekleidung und Schuhwerk mäßig.

Massenschlachtung in Türkei beendet

Trittin erneuerte den dringenden Appell an Reisende, direkte Tierkontakte in Geflügelfarmen in den betroffenen Gebieten der Türkei und Rumäniens zu vermeiden und auf den Besuch von Geflügelmärkten zu verzichten. In Deutschland sollten die Menschen "Ruhe bewahren". Die türkische Regierung erklärte die Massenschlachtung von Vögeln nach dem Auftauchen der Vogelgrippe im nordwesttürkischen Kiziksa für beendet. Es sei kein neuer Fall von Vogelgrippe aufgetaucht. Nun werden den Angaben zufolge rund 550.000 Vögel in einem Umkreis von sieben Kilometern um Kiziksa näher untersucht.

Vogelgrippe in der Türkei

In der Nähe von Kiziksa werden Autos desinfiziert

Drei Todesopfer in Indonesien

Unterdessen starb in Indonesien ein weiterer Mensch, der sich vermutlich mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert hatte. In dem Inselstaat sind nach Behördenangaben bislang drei Menschen am Vogelgrippe-Virus gestorben.

Warnung vor Pandemie

Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) warnte erneut, eine globale Vogelgrippen-Epidemie sei nur eine Frage der Zeit. Diese könne extrem ernst oder auch leicht sein: "Ich weiß nicht, wann sie stattfinden wird, ich weiß nicht, wo sie stattfinden wird, aber ich weiß, dass es passieren wird", sagte FAO-Experte David Nabarro in Rom. Das derzeit in Asien grassierende extrem ansteckende Vogelgrippe-Virus werde bislang nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Da Mutationen bei Grippeviren jedoch sehr häufig seien, werde sich das Virus früher oder später so verändern, dass es auch unter Menschen übertragbar sei.

Vogelgrippe in Kambodscha

Gefahr auf Geflügelmärkten?

Stärkere Kontrollen

Neben der Übertragung durch Zugvögel stellt nach Ansicht von Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner auch der internationale Handel mit Geflügel eine Gefahrenquelle dar. Deshalb sollten die Schutzmaßnahmen an deutschen Flughäfen und Grenzstationen verstärkt werden, forderte Sonnleitner. Auch Reisende müssten noch stärker als bisher auf die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert werden. Sollte das Geflügel in der Türkei und in Rumänien wirklich mit dem H5N1-Virus infiziert sein, fordern die Landwirte eine umfassende Stallpflicht für Geflügel in Deutschland.

Auswirkungen auf Geflügelkonsum

In Italien löste die Angst vor Vogelgrippe einen drastischen Rückgang des Geflügelkonsums aus. In Deutschland hat der aktuelle Vogelgrippe-Alarm nach Einschätzung der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle für Erzeugnisse der Landwirtschaft (ZMP) keinen Einfluss auf den Appetit auf Geflügelfleisch.

Das Risiko einer Infektion des Menschen über die Nahrung halten Experten für sehr gering. Das Virus stirbt beim Kochen. Der Erreger wird von infizierten Tieren weitergegeben, kann aber auch über Eier, Geflügelfleisch, Kleider und Schuhe übertragen werden. (chr/ert)

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  • Datum 12.10.2005
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