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Kultur

Vogelgrippe breitet sich aus

Die EU-Gesundheitsminister beraten zwei Tage über Strategien zur Bekämpfung der Vogelgrippe. Derweil warnen Experten trotz der Ausweitung der Krankheit ausdrücklich vor Hysterie.

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Suche nach dem Virus

Nach der Internationalen Organisation für Tiergesundheit (OIE) hat auch die französische Veterinärexpertin Jeanne Brugere-Picoux vor einer Hysterie wegen der Vogelgrippe gewarnt. "Es geht um ein Gesundheitsproblem für Tiere, nicht für Menschen", sagte das Mitglied der französischen Akademie für Medizin und Veterinärmedizin der Pariser Zeitung "France Soir". "Die Veterinäre sprechen von Vogelpest." Der Erreger werde nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

Kein Vergleich mit menschlicher Pandemie

"Es gibt derzeit keinen Grund, systematisch die Vogelpest mit einer menschlichen Pandemie in Zusammenhang zu bringen", sagte die Expertin der Veterinärhochschule ENV. "Das für die Vogelpest verantwortliche Virus H5N1 hat sich nicht an den Menschen angepasst." Es könne durchaus sein, dass die nächste Pandemie überhaupt nichts mit diesem Virus zu tun habe. Wenn H5N1 zu einem für den Menschen gefährlichen Erreger mutieren würde, so "wäre das ein neues Virus, das wir heute noch nicht kennen. Es ist also unmöglich, sein Ansteckungsrisiko zu definieren", sagte Brugere-Picoux.

Unangebracht seien Warnungen vor Asienreisen wegen des Virus, "wenn man gleichzeitig weiß, dass die von Mücken übertragene japanische Hirnhautentzündung jedes Jahr 10.000 Menschen tötet und seit Ende Juli in Nordindien 1050 Menschen einer Epidemie erlegen sind". Das Virus H5N1 wurde nach Angaben des französischen Mediziners Jean-Philippe Derenne bereits vor mehr als 40 Jahren in Südafrika bei Zugvögeln identifiziert. Als Erreger einer Geflügelepidemie wurde es erstmals 1959 in Schottland ermittelt. Die erste Ansteckung eines Menschen wurde 1997 in Ostasien aktenkundig. Die Infektion erfolgt offenbar über Vogelkot.

Weitere Fälle in Asien

Die Behörden Taiwans haben die ersten Fälle von Vogelgrippe bei Geflügel in dem Inselstaat gemeldet. Die betroffenen Tiere hätten sich auf einem in Panama registrierten Frachter befunden, der am 14. Oktober von der taiwanischen Küstenwache gestoppt worden sei, teilte die Landwirtschaftskommission in Taipeh am Donnerstag mit. Die Vögel seien dann als Träger des gefährlichen H5N1-Virus identifiziert worden.

Thailand hat den 13. Todesfall eines Menschen infolge der Vogelgrippe bestätigt. Der 48-jährige Mann hatte sich beim Verspeisen infizierter Hühner angesteckt, wie Ministerpräsident Thaksin Shinawatra in Bangkok mitteilte. Der siebenjährige Sohn des Toten wurde mit Symptomen der gefährlichen Krankheit in eine Klinik eingeliefert. Der Vogelgrippe sind in Asien seit Ende 2003 bereits 66 Menschen zum Opfer gefallen.

Stallpflicht in mehreren Ländern

Die deutschen Bundesländer müssen die Stallpflicht für Geflügel bis spätestens Samstag (22.10.2005) flächendeckend umsetzen, sagte Bundes-Verbraucherschutzminister Jürgen Trittin. Bisher sei man davon ausgegangen, dass es keinen relevanten Vogelzug aus den von Vogelgrippe betroffenen Regionen nach Deutschland gebe, weil dieser etwa aus Rumänien und der Türkei in Richtung Süden gehe. Seit dem Auftauchen der Seuche in der Nähe von Moskau habe sich dies aber geändert, denn Wildenten und Gänse aus diesem Gebiet zögen Richtung Westeuropa. Diesem Risiko werde mit der Aufstallpflicht Rechnung getragen, die bis 15. Dezember gelte.

Auch in Österreich muss alles Geflügel in den Stall, ordnete die Regierung in Wien an. In Polen, das in großer Zahl
Weihnachtsgänse für Deutschland liefert, gilt vom Wochenende an "Hausarrest" fürs Federvieh.

Unterdessen ergaben erste Tests keinen Hinweis auf einen Fall von Vogelgrippe in Griechenland.

Die EU will den Ausbruch einer gefährlichen Grippe-Epidemie in einer groß angelegten Computersimulation durchspielen. Dabei geht es vor allem darum, die Fähigkeit nationaler und regionaler Dienststellen zur Krisenreaktion zu stärken.

Gefahrenherd Naher Osten und Afrika

Unterdessen warnten die Vereinten Nationen (UN) nachdrücklich vor einem Übergreifen der Vogelgrippe auf den Nahen Osten und Ostafrika. "Eine der Hauptsorgen ist jetzt die mögliche Ausbreitung der Vogelgrippe durch Zugvögel ins nördliche und östliche Afrika", sagte Joseph Domenech, Veterinärexperte der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom. Arme afrikanische Länder hätten größere Schwierigkeiten bei der Bekämpfung der Krankheit als europäische und asiatische Staaten. (kas)

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