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Kultur

Vogelflughafen auf dem Museumsdach

Auf dem "International Ornithoport Bonn" können Vögel starten und landen. Und zwar an einem ganz ungewöhnlichen Ort: dem Museumsdach der Bundeskunsthalle in Bonn.

Adler im Anflug auf den Dachgarten der Kunst- und Ausstellungshalle (Foto: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland)

Die Durchsage mit dem Originalgong des Köln/Bonner Flughafens tönt den Besuchern schon von weitem entgegen. Etwa dann, wenn sie den Aufzug verlassen, um aufs Museumsdach zu gelangen. "Bitte lassen Sie Ihre Ideen nicht unbeobachtet", sagt die Stimme der Synchronsprecherin von Julia Roberts in englisch und deutsch aus einem Lautsprecher.

Hinter den blauen Türmen, dem Markenzeichen der Architektur der Bundeskunsthalle, stehen sechseckige Antennengebilde. Antennen – der ideale Landeplatz für Vögel. Früher gab es sie zu Tausenden in den Städten, doch sie sind verschwunden. Abgeschafft oder ersetzt durch Satellitenschüsseln. Stefan Andreae, Kurator der Bundeskunsthalle, wollte das nicht länger mit ansehen. "Auf einer Satellitenschüssel findet höchstens noch ein Vogel Platz." Das sei nicht artgerecht, sagt Andreae. Schließlich seien Vögel "gerne in Gesellschaft". Deshalb stehen jetzt sechseckige Antennenkonstruktionen auf dem Museumsdach, im Vogelflughafen-Jargon heißen sie Singringe und Plapperstangen. Sie sind Teil des Kunstprojekts "International Ornithoport Bonn", das noch bis Ende Oktober auf dem Dach der Bundeskunsthalle aufgebaut ist. Dort können Vögel nun nach Belieben starten und landen.

Flughafen für mehr als hundert Vogelarten

Internationaler Vogelflughafen in Bonn (Foto: Peter Oszvald/ Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland)

Start- und Landebahn

Der Großraum Bonn ist der Lebensraum von mehr als hundert Singvögelarten. Einige von ihnen, wie der Hausrotschwanz, nutzten das Museumsdach schon länger, um dort "erste aerodynamische Versuche" zu unternehmen, wie Andreae erzählt. "Während des ganzen (Flughafen-)Baus hatten wir Besuch von einer Krähe, die bis auf einen Meter an uns heran kam. Erst dann gingen bei ihr die Alarmglocken los", so Andreae, der sich gemeinsam mit dem Schweizer Künstler Res Ingold für ein globales Netzwerk von Observatorien, für einen unbegrenzten Vogelflugverkehr einsetzt. Res Ingold ist für die ästhetische Infrastruktur zuständig.

Alles Kunst - oder was?

Beschilderung auf dem Bonner Vogelflughafen (Foto: Peter Oszvald/ Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland)

Auch die Beschilderung muss stimmen, um "Unfälle" zu vermeiden

Der Künstler ist ein Experte des Fake. In den 80er Jahren gründete er die Fluggesellschaft Ingold Airlines. Auf den ersten Blick unterscheidet sie sich durch Nichts von anderen Fluglinien. Sie hat eine Homepage, auf der man Flüge buchen kann, sie hat einen eigenen Geschäftsbericht und ist sogar als Aktiengesellschaft börsennotiert. Alles sieht verblüffend echt aus, es handelt sich allerdings um eine Scheinfirma, die nur als Kunstprojekt existiert. Auch der Ornithoport ist eine ironische Kopie eines echten Flughafens. Es gibt Blinklichter, einen Windsack, ein rot-weiß gestreiftes Lotsenhäuschen, Lautsprecher und Piktogramme.

Sie weisen den Besuchern - und den Vögeln - den Weg: zum Landeplatz, zur Brutstätte oder zum Catering. "Die Überfrachtung mit Schildern an Flughäfen haben wir poetisch umgewandelt", sagt Andreae. Da gibt es mehr oder weniger sinnlose Piktogramme: Ein Sicherheitsschild mit einer Bombe drauf, auf einem anderen steht "Bravo". Bravo klatschen, das tun die Pauschaltouristen gerne, wenn der Kapitän sie gut an den Zielflughafen gebracht hat.

Landeplatz auch für Bienen

Bienen-Runway (Foto: Stephan Andreae/ Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland)

Bienen-Runway

Alle Tiere, die fliegen können, dürfen auf dem Dach der Bundeskunsthalle starten und landen. Neben dem Ornithoport befindet sich deshalb noch das "Apidrom". Was Vögel und Bienen verbindet? "In einem normalen Glas Honig stecken 125.000 Flugkilometer. Das sollte man wissen, wenn man sich morgens sein Brötchen schmiert", erklärt Andreae. 320.000 britische Klosterbienen, eine besonders friedliche Zucht, starten und landen rund um die zwölf Bienenstöcke. Ein kleiner "Runway" aus Holz erleichtert ihnen die Arbeit, wie Imker Klaus Maresch erklärt. "Wenn die Bienen schwer beladen mit Pollen ankommen, dann ist das für sie eine Erleichterung, wenn sie sich einfach fallen lassen können, ohne ins nasse Gras zu platschen."

Auf dem Ornithoport trifft Hightech auf Natur. Bei aller äußerlichen Ähnlichkeit mit einem echten Flughafen geht es hier nicht um den schnellen Transport in den Urlaub - sondern um den Genuss am Fliegen. Und wie hier allerorten leise und elegant geschwebt wird, ist klar: von den Luftbewohnern können wir im Zeitalter der Beschleunigung noch etwas lernen. Ein Flughafen, auf dem man sich gerne aufhält!

Autorin: Sabine Oelze

Redaktion: Günther Birkenstock



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