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Sport

Voeckler glänzt als Ausreißer

Die Tour erreicht die Alpen und zeigt sich lebendig: Die Konkurrenz attackiert das dominierende Sky-Team, während vorne ein furios fahrender Thomas Voeckler Jens Voigt den Etappensieg wegschnappt.

"Père Courage" nennen Sie Jens Voigt in Frankreich, wegen seines Mutes und seiner großen Kampfmoral auf dem Rennrad. Auf der 10. Etappe der Tour de France von Mâcon nach Bellegarde-sur-Valserine bewies der inzwischen sechsfache Familienvater wieder, dass er diesen Spitznamen zu Recht trägt. Früh war er in einer Spitzengruppe dabei, wurde am Berg distanziert, kämpfte sich dann aber in seinem typischen Stil mit wippendem Fahrrad alleine wieder an die Spitze zurück und fuhr so mit um den Etappensieg.

Mehrfach attackierte der 40-jährige Tour-Oldie im Finale, lag kurz vor dem Ziel aussichtsreich im Rennen, wurde aber dann doch noch vom ebenso beherzt fahrendem Thomas Voeckler gestellt. Der französische Publikumsliebling war auf dem ansteigenden Schlusskilometer der Stärkste der fünfköpfigen Spitzengruppe und gewann klar vor dem Italiener Michele Scarponi und dem verbissen kämpfenden Jens Voigt. "Wieder einmal habe ich gezeigt, dass man mich nie abschreiben sollte", sagte Voigt, der in Abwesenheit seines Leaders Andy Schleck in diesem Jahr mehr Freiheiten genießt. "Ganz tief in mir drin war mir eigentlich schon klar, dass ich zu kaputt bin. Aber ich habe trotzdem alles probiert", sagte Voigt, der seinen ersten Tour-Etappensieg seit sechs Jahren verpasste.

Voeckler trotz Knieproblemen der Stärkste

Über den freute sich mit Thomas Voeckler ein anderer Ausreißerkönig: "Ich wusste nicht, ob es reichen würde. Ich wollte den Etappensieg, aber es war sehr schwer. Die anderen haben auf mich geschaut, das hat mich aufgeregt", meinte Etappensieger Voeckler zur Situation in der Spitzengruppe. Voeckler hatte vor der Tour noch mit Knieproblemen zu kämpfen und hatte sich erst im letzten Moment für eine Teilnahme entschieden. Zudem waren kurz vor dem Tourstart Gerüchte über Dopingermittlungen der französischen Gesundheitsbehörde gegen Voecklers Europcar-Rennstall laut geworden.

Die Favoriten belauerten sich auf der ersten Alpenetappe, die jedoch nicht allzu schwer war. Während Topfavorit Bradley Wiggins stets seine starke Mannschaft um sich wusste, schafften es nur der Belgier Jurgen van den Broeck und der Franzose Pierre Rolland sich vom übrigen Favoritenfeld etwas zu lösen.

Bradley Wiggins jubelt (Foto: REUTERS/Stephane Mahe)

Noch unangetastet: Tour-minator Bradley Wiggins kontrolliert mit seinem Sky-Team das Geschehen.

Begonnen hatte die 194,5 Kilometer lange Etappe in Mâcon. Von dort aus ging es auf weitgehend flachem Terrain bis zum Fuß der Alpen. Am Ruhetag hatten offenbar einige Fahrer Kraft getankt: Eine 25-köpfgige Ausreißergruppe machte sich auf und davon. Darunter auch die beiden Deutschen Marcus Burghardt und Jens Voigt.

Wiggins' Konkurrenz gibt nicht auf

Der Anstieg zum bislang höchsten Berg der Tour, der 1501 Meter hohe Col du Colombier der Ehrenkategorie, brachte kaum Aktion im Feld der Favoriten, wohl aber dessen Abfahrt. Denn der Italiener Vinzenzo Nibali machte im Gefälle Ernst mit seiner Ankündigung, den Kampf um das Gelbe Trikot noch nicht aufgegeben zu haben. Unterstützung bekam er von seinem Teamkollegen Peter Sagan, der zuvor beim Zwischensprint im Kampf um das Grüne Trikot fünf Punkte auf seinen härtesten Verfolger Matthew Goss verloren hatte. Das Duo fuhr einen guten Vorsprung heraus, doch am letzten Anstieg des Tages, dem Col de Richemond, wurde zunächst Sagan und später auch Nibali wieder von der souveränern Sky-Mannschaft gestellt.

Der nur mäßig steile Anstieg der dritten Kategorie des Richemond sorgte vor allem wegen des D-Zug-Tempos des britischen Sky-Teams für eine Selektion im Feld. Nur rund 20 Fahrer gingen zusammen auf die lange Abfahrt ins Ziel. Kurz zuvor hatten sich trotz des hohen Tempos noch zwei exzellente Kletterer leicht abgesetzt: Pierre Rolland, im Vorjahr Sieger in Alpe d'Huez, und Jurgen van den Broeck, Vierter der Tour 2010. Letzterer, der am Ruhetag seine Freude über die nun anstehenden Bergetappen bekundet hatte, machte gemeinsam mit Rolland 32 Sekunden auf Wiggins und die weiteren Favoriten gut und liegt nun auf Platz acht im Gesamtklassement.

Nun der große Schlagabtausch in La Toussuire?

Die 11. Etappe am Donnerstag (12.07.2012) von Albertville nach La Toussuire ist mit 148 Kilometer sehr kurz, aber mit ihren vier Bergriesen Col de la Madeleine, Col du Glandon, Col du Mollard und dem Schlussanstieg nach La Toussuire sehr schwer. Der nächste große Kampf der Topfavoriten steht bevor.

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