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Aktuell Asien

Vizepräsident Fahim gestorben

Wenige Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in Afghanistan erschüttert der Tod des Vizepräsidenten das Land. Marshal Mohammed Kasim Fahim war einer der mächtigsten Männer im Land - und durchaus umstritten.

Ein Regierungssprecher sagte, Fahim sei eines natürlichen Todes gestorben. Der 56-Jährige soll an Diabetes gelitten haben, doch ob die Krankheit mit seinem Tod in Verbindung steht, ist nicht bekannt. Es wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

Der zweite Mann im Staate war schweigsam und einflussreich. Mit den Medien habe Marshal Mohammed Kasim Fahim nicht viel gesprochen, sagte Kate Clarke vom Afghanistan Analysts Network aus Kabul der Nachrichtenagentur Reuters. Aber hinter verschlossenen Türen habe er die Politik seines Landes maßgeblich geprägt.

"Er war eine der Schlüsselfiguren, weil er großen Einfluss auf eine der großen politisch-militärischen Parteien hatte", so die Expertin. Fahim gehörte der Volksgruppe der Tadschiken an und war im Kampf gegen das Taliban-Regime ein prominentes Mitglied der Nordallianz, deren Führung er nach dem Tod von Ahmad Shah Masoud im Jahr 2001 übernahm.

Vorwürfe wegen Kriegsverbrechen

Der 56-Jährige war erster Stellvertreter von Präsident Hamid Karzai. Der als Hardliner geltende Fahim soll eigene Kampftruppen unterhalten haben, jedoch auch von den USA unterstützt worden sein. Menschenrechtler warfen ihm vor, für Kriegsverbrechen in Afghanistan verantwortlich zu sein.

So soll er in den 1980er Jahren als Sicherheitschef der afghanischen Widerstandsbewegung gegen die sowjetische Besatzungsarmee systematische Folterungen sowie Massenexekutionen in der nordafghanischen Provinz Takhar angeordnet haben.

Nach dem Rückzug der russischen Armee soll Fahim als Geheimdienstchef maßgeblich an der blutigen Vertreibung der Angehörigen der Hazara-Volksgruppe aus dem Kabuler Stadtteil Afschar Anfang Februar 1993 beteiligt gewesen sein. Dabei wurden tausende Hazara getötet und ihre Frauen systematisch vergewaltigt.

Zeit des Umbruchs

Der Tod des Vizepräsidenten ereilt Afghanistan zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Ende des Jahres endet der Kampfeinsatz von etwa 50.000 NATO-Soldaten, von denen die Bundeswehr rund 3000 stellt.

Beobachter befürchten ein Wiederaufflammen der Gewalt in Afghanistan, das in Teilen von islamistischen Taliban kontrolliert wird. Das könnte sich nach Ansicht der Experten schon bei den bevorstehenden Wahlen niederschlagen und das Land in eine Zeit des Umbruchs und der Instabilität führen.

mak/as (dpa, rtr, afp)