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Musik

VIVA: 20 Jahre Musikfernsehen aus Deutschland

Am 1. Dezember 1993 ging der deutsche Musikfernsehsender VIVA an den Start. Die Idee kam aus den USA, wo das Musikfernsehen MTV schon seit Jahren das jugendliche Zielpublikum in seinen Bann schlug.

Es ist bereits Legende, mit welchem Video MTV in den USA am 1. August 1981 um 0:01 Uhr auf Sendung ging – "Video Killed the Radio Star" von Buggles. Der Erfolg des Musikkanals wuchs langsam aber stetig, so dass sechs Jahre später auch MTV Europe auf Sendung ging.

Amerikalastiges Musikprogramm

Es dauerte nicht lange, bis das in London ausgestrahlte Musik-TV auch in Kontinentaleuropa Kult wurde. Allerdings wurde das Wortprogramm ausschließlich auf Englisch moderiert - ein schwerer Nachteil für die anvisierte Zielgruppe der Jugendlichen. Ein deutschsprachiger Musiksender musste her. Positiver Nebeneffekt: So konnte auch mehr Musik aus Deutschland gespielt werden. Ein wichtiger Aspekt für die deutschen Plattenfirmen, die daraufhin ein entsprechendes Konzept entwickelten, das später als "VIVA" Geschichte schreiben sollte. Mola Adebisi, einer der ersten drei Moderatoren, kurz: "VJs" genannt, erzählt, dass er dank seines Freestyle-Rappens beim "Dance-Projekt 4 Reeves" über gute Kontakte verfügte und deshalb zum Moderatoren-Casting eingeladen wurde.

Endspurt auf der Zielgeraden

Logo - MTV

MTV war das Vorbild für Viva

Trotz jahrelanger Vorbereitung musste auf der Zielgeraden offenbar alles sehr schnell gehen. Erst kurz vor Sendestart unterschrieb Mola seinen Kontrakt beim neuen Sender VIVA. Zusammen mit Heike Makatsch und Nils Bokelberg bildete Mola Adebisi das erste Moderatoren-Trio. Makatsch war die einzige, die zumindest ein bisschen Fernseherfahrung hatte. Kein Wunder also, dass VIVA-TV von der Konkurrenz MTV in London nur müde belächelt wurde, wie sich Steve Blame, damals noch Nachrichtenchef bei der Konkurrenz, später Programmdirektor von VIVA II, erinnert: "Wir haben das geguckt und alle gelacht. Wir haben es total witzig gefunden, wie unprofessionell, wie schlecht das an den Start ging."

Chaotischer Beginn

Einer Aussage, der auch Mola Adebisi rückblickend zustimmt, der damals gerade 20 Jahre alt war. Alles sei mit der heißen Nadel gestrickt gewesen, sagt er: "Aber wir hatten gute Leute aus der Musikbranche; man hat schon das Potenzial dahinter gespürt, weil das alles Leute waren, die das Programm mit Passion auf den Sender gebracht haben." Zu geil für diese Welt" von den deutsche HipHoppern Fanta 4 war übrigens das erste Video, das bei VIVA auf Sendung ging.

Und allen Chaosanfängen zum Trotz: Das Konzept von VIVA ging sehr schnell auf, und schon bald schaute die Jugend der Republik VIVA. Die VJs wurden Stars und Köln, wo der Sender damals beheimatet war, zum deutschen Popmusikzentrum. Noch heute lassen sich die Spuren der kultigen VIVA-Moderatoren im deutschen Fernsehen nachverfolgen; allen voran Stefan Raab, der längst seine eigene Show hat und auch als Musiker beim Eurovision Song Contest auftrat.

Plastik-TV in der Kritik

Stefan Raab (AP Photo/Joerg Sarbach)

Ex-Moderator Stefan Raab blieb der Musik treu und trat 2000 beim Eurovision Song Contest als Sänger an

Da VIVA sich hauptsächlich als Abspielstation zeitgemäßer Musik verstand, fiel es trotz des großen Erfolgs beim Publikum bei ernsthaften Musikkritikern schnell durch. Noch heute wehrt sich Mola Adebisi gegen die Bezeichnung "Plastik-TV", denn durch zahlreiche authentische Fernseh-Formate sei man am Markt glaubwürdig gewesen. Gleichzeitig räumt er aber auch ein: "Natürlich haben wir überwiegend die Musik der Charts gespielt. Das war schon Plastik-Musik."

Bitteres Ende

Die am 1. Dezember vor 20 Jahren gestartete und von Musikmanager Dieter Gorny geführte Sendergruppe um VIVA ging am 14. Januar 2005 in den Besitz von VIACOM über, der Mutterfirma des größten Konkurrenten MTV. Mola Adebisi bringt es auf den Punkt: "Der Sender ist damals von Betriebswirten übernommen worden, die das Produkt letztlich zugrunde gerichtet haben." Zwar gibt es VIVA auch heute noch, es sendet aber hauptsächlich Zweitverwertungen von Reality-Shows der MTV-Mutter, kaum noch Musik.

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