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Wirtschaft

Visionäre Finanzminister: Ein Konto für ganz Europa

In der EU fallen die Grenzen für den Zahlungsverkehr: Grenzüberschreitende Zahlungen sollen nach dem Willen der Finanzminister sicherer, schneller und günstiger werden. Von einem "sensationellen Ergebnis" ist die Rede.

Bankkunde füllt die Felder IBAN und BIC aus

Bei Überweisungen müssen sich Bankkunden an neue Formulare und Nummern gewöhnen

Am Einheitlichen Europäischen Zahlungsraum, kurz SEPA (Single Euro Payments Area), basteln die Banken schon seit 2002. Die Vision: Die Verbraucher sollen mit ihrer Bankkarte in ganz Europa bezahlen und Rechnungen aus dem Ausland problemlos vom heimischen Konto aus begleichen können. Ein Bankkunde soll für ganz Europa nur noch ein Konto benötigen, von dem er Geld überweisen oder einziehen lassen kann - beispielsweise für die im Ausland studierenden Kinder oder das Ferienhaus am Mittelmeer.

Es geht auch billiger

Die Umsetzung dieser Initiative drohte auf Grund unterschiedlicher Rechtsvorschriften in den einzelnen EU-Staaten ins Stocken zu geraten. Die EU-Finanzminister machten nun am Dienstag (27.3.) den Weg für die Schaffung eines einheitlichen Rechtsrahmens frei. Die Finanzminister der 27 Mitgliedsländer sprachen sich in Brüssel einstimmig für gemeinsame rechtliche und technische Voraussetzungen für Überweisungen, Lastschriftverfahren und Zahlungen per EC- oder Kreditkarte aus.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sprach von einem "sensationellen Ergebnis" und prophezeite: "Für die Verbraucher wird es billiger." Wenn das EU-Parlament dem Kompromiss am 23. April wie erwartet zustimmt, könnte die Richtlinie für die Schaffung eines gemeinsamen Zahlungsraums im Jahr 2009 in Kraft treten. Die europäischen Banken haben aber zugesagt, schon im kommenden Jahr mit der Umsetzung zu beginnen.

Statt BLZ und Kto sind jetzt IBAN und BIC gefragt

So sollen ab 1. Januar 2008 in allen EU-Staaten einheitliche Überweisungsformulare angeboten werden, bis 2010 zunächst parallel zu den existierenden nationalen Formularen. Diese zweijährige Übergangsfrist soll den Verbrauchern die Umstellung auf die neuen Vorgaben erleichtern.

Denn ab 2010 müssen auch bei nationalen Überweisungen die internationale Bankkontonummer (IBAN) und die internationale Bankleitzahl (BIC) des Empfängers angegeben werden, die bislang nur bei Überweisungen in andere Staaten notwendig sind. SMS-Überweisungen sollen künftig eine weitere Zahlungsalternative sein: In Finnland können Autofahrer bereits heute ihren Parkplatz per Handy-Nachricht bezahlen.

Karte verloren - kein Problem

Mit SEPA sollen auch grenzüberschreitende Lastschriften, etwa für die Miete des Ferienhauses in Spanien oder für Einkäufe im Internet, erstmals möglich werden. Zudem soll es in den SEPA-Ländern von 2008 an grundsätzlich möglich sein, mit jeder Bankkarte an jedem Geldautomaten Geld abzuheben oder in einem Laden bargeldlos zu bezahlen. Einheitliche Sicherheitstechnologien bei SEPA-Kartenzahlungen sollen den Schutz vor Kartenmissbrauch verbessern. Im Euro-Währungsgebiet sind derzeit mehr als 350 Millionen Bankkarten im Umlauf.

Die EU-Richtlinie sieht ferner einheitliche Mindeststandards für Überweisungen, Lastschriftverfahren und Zahlungen per Kredit- oder EC-Karte vor. So sollen Überweisungen innerhalb der EU ab 2012 spätestens bis Ende des nächsten Arbeitstags ausgeführt werden - und damit deutlich schneller als bisher.

Zudem müssten Verbraucher etwa bei einem Verlust der EC-Karte im Ausland nicht mehr befürchten, dass ihr Konto geleert wird: Sofern sie die Bank rechtzeitig informieren, haften sie nach dem Richtlinienentwurf nur noch bis zu einem Betrag von 150 Euro.

SEPA will keine EU-Grenzen kennen

Die Richtlinie sieht auch einheitliche Regeln für so genannte neue Zahlungsdienstleister vor. Darunter fallen etwa Finanztransfer-Dienstleister wie Western Union. Ihnen soll künftig ein Kreditgeschäft in kleinem Umfang erlaubt werden. Dieser Teil der Richtlinie war bis zuletzt umstritten. Die Finanzminister sprachen sich nun dafür aus, die Laufzeit dieser Darlehen auf zwölf Monate zu begrenzen, um eine Überschuldung von Verbrauchern zu verhindern.

Bei Erfolg der neuen Richtlinie soll SEPA auch auf Nicht-EU-Länder ausgedehnt werden: Nach den Plänen des Europäischen Rats für Zahlungsverkehr (European Payments Council, EPC), einem Koordinierungsgremium der Banken, sollen langfristig auch die Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island in das System einbezogen werden. (ana)

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