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Kultur

Visionär der Farbe: Gotthard Graubner ist tot

Seine Bilder waren in Museen der ganzen Welt ausgestellt und hängen im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Am Samstag ist der Düsseldorfer Maler Gotthard Graubner im Alter von 82 Jahren gestorben.

Der Düsseldorfer Künstler Gotthard Graubner steht zwischen einigen seiner Gemälde (Foto: picture-alliance/dpa)

Gotthard Graubner - Farbraumkörper und Arbeiten auf Papier 1984-2004

Gotthard Graubner gehörte zu den stillen Arbeitern der Kunstgeschichte. Er war einer, der lieber in seinem Atelier malte, als von Vernissage zu Vernissage unterwegs zu sein. Vor 15 Jahren zog es ihn auf die Museumsinsel Hombroich, einem idyllischen Freiluftmuseum in der Nähe von Düsseldorf. Dort lebte der Maler umgeben von Natur fernab vom Rummel des Kunstbetriebs. Die Wahl seines Aufenthaltsorts passte zu Graubners Kunst, der etwas Zeitloses und Meditatives anhaftet. Berühmt wurde der Maler, dessen Markenzeichen sein gepflegtes Auftreten in Anzug und Hut war, durch seine "Kissenbilder".

Dreidimensionalität der Farbe

Gotthard Graubner (Foto: picture-alliance/dpa)

Gotthard Graubner

Sie bestanden aus zahlreichen Lagen von farbaufnehmenden Watten und synthetischen Stoffbahnen, auf die er die Farbe mit dem Schwamm auftrug. So wirkte sie wie verwaschen und begann zu flirren. Er selbst nannte diese Bilder "Farbraumkörper". Tatsächlich wirken sie, als würden sie über den Bildrand in den Raum hinauswachsen. Graubner war jemand, der die Farbe in all ihren Nuancen sehen wollte. Seine Bilder müsse man "mitatmen", um sie zu begreifen, sagte er bei einem Besuch in seinem Atelier. Die Kissenbilder entwickelte er weiter zu großformatigen bemalten Polsterbildern. Ein gigantisches orange-rotes Werk von Graubners Kunst hängt im Deutschen Bundestag, ein anderes im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin. Aber nicht nur in Deutschland, überall auf der Welt war Graubners Kunst in großen Ausstellungen zu sehen.

Aufgewachsen in der DDR

Graubner wurde 1930 im sächsischen Vogtland geboren. Er studierte zunächst Bildende Kunst in Berlin und Dresden, bevor er 1954 die DDR verließ und an die Kunstakademie nach Düsseldorf wechselte. Seine Herkunft hatte auch Einfluss auf seine Kunst. "Ich kam aus einem anderen politischen System. Mich hat es nicht gereizt, die Tagespolitik zu illustrieren. Dagegen war ich durch die Bildwelten des realistischen Sozialismus geimpft", begründete er seine Entwicklung hin zur abstrakten Auseinandersetzung mit Farbe.

Das Atelier von Gotthard Graubner mit seinen berühmten Farbkissen-Malereien (Foto: DW/S. Oelze)

Das Atelier von Gotthard Graubner mit seinen berühmten Farbkissen-Malereien

International bekannt wurde Graubner durch seine Teilnahme 1968 und 1977 an der documenta in Kassel. 1982 vertrat er die Bundesrepublik auf der Biennale in Venedig. "Karriere" - der Begriff war ihm allerdings suspekt. Ihm sei es immer nur um die Sache gegangen, sagte er: "Ich habe nicht ans Geld verdienen gedacht. Ich war schon über 30 Jahre alt, bis ich das erste Bild verkauft habe. Heute wollen viele junge Künstler schon mit 20 Jahren weltberühmt sein, dabei braucht alles seine Zeit". Sein einziges Ziel sei es immer gewesen, gute Bilder zu malen: "Und da hat man genug Zweifel, vor allem, wenn auf den Bildern nichts drauf ist", so Graubner. Von 1976 bis 1992 war er Professor für Freie Malerei an der Kunstakademie in Düsseldorf. Eine Herzensangelegenheit, die er sogar drei Jahre länger als nötig ausübte.

Schule des Sehens

Als Graubner im Jahr 1960 in der Düsseldorfer Galerie Schmela sein erstes Bild verkaufte, herrschte Aufbruchstimmung in Deutschland. Während sich allerdings viele seiner berühmten Zeitgenossen an der figurativen Malerei orientierten, schlug Graubner einen anderen Weg ein und experimentierte mit der dreidimensionalen Wirkung von Farbe.

Eine Besucherin betrachtet im Staatlichen Museum Schwerin die großformatigen Arbeiten von Gotthard Graubner (Foto: picture-alliance/dpa)

Die großformatigen Arbeiten von Gotthard Graubner wurden auch im Schweriner Museum ausgestellt

Unermüdlich arbeitete Graubner an seiner Kunst. "Ruhestand ist, wenn man ins Bett geht", sagte er ironisch. Natürlich habe er nach 22-jähriger Tätigkeit als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie eine Pension angetreten, aber er habe immer weitergearbeitet, an der "Schule des Sehens", wie er das Kunstschaffen bezeichnete.

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