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Fokus Osteuropa

Visa-Affäre belastet ausländische Studenten

Die Affäre um den Missbrauch von Dokumenten zur Einreise von der Ukraine und anderen Ländern nach Deutschland beschäftigt die Politik. Aber auch ausländische Sprachschüler und Studenten bekommen die Folgen zu spüren.

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Unter Rechtfertigungszwang: Deutschschüler aus dem Ausland

Viktor Onoprienko aus der Ukraine war schon einmal in Deutschland. Am Bonner Steinke-Institut belegte er 2001 einen Deutschkurs. Das Visum damals war kein Problem. Ganz anders heute: "Die Situation jetzt hat sich sehr geändert. Für mich war es ein großes Glück, ein Visum zu bekommen. Aber für viele Freunde von mir ist es ein großes Problem, sie müssen sehr lange auf das Visum warten oder sie bekommen überhaupt keines mehr."

Für die meisten Länder der Welt besteht nach wie vor eine Regelung, dass Schüler, die in Deutschland einen Deutschkurs gebucht haben, problemlos für die Dauer ihres Sprach-Unterrichts ein Visum bekommen. Sie müssen der deutschen Botschaft nur die Bescheinigung einer Sprachschule sowie einen Zahlungsbeleg vorlegen. Eine Arbeitserlaubnis ist mit diesem Visum allerdings nicht verbunden.

Stärkere Kontrollen

Seit Jahresbeginn kontrollieren die deutschen Ausländerämter verstärkt und regelmäßig, ob die Schüler auch am Unterricht teilnehmen und fleißig Deutsch lernen, oder ob sie vielleicht doch zu einem anderen Zweck eingereist sind. Doch solche Fälle sind eher selten, wie Yawen Xuan vom Steinke-Institut sagt: "Von 100 Schülern gibt es höchstens einen, der nicht regelmäßig zum Unterricht kommt und von dem wir annehmen, dass es ihm nicht um das Erlernen der Sprache geht."

Was macht die deutsche Sprache für Menschen aus der Ukraine, aus Russland oder China so attraktiv? Ling Lin ist vor drei Monaten aus der chinesischen Millionenstadt Wuhan nach Bonn gekommen. "Ich möchte Deutsch lernen, weil Deutschland ein wichtiger Handelspartner für China ist. In China hat Deutschland ein gutes Image. Wir machen jetzt die gleichen Erfahrungen, wie Deutschland vor 50 Jahren. Damals haben die Deutschen mit Fleiß und Optimismus ihr Land wieder aufgebaut. Die gleiche Stimmung ist jetzt in China."

Komische Fragen

Die Ukrainerin Oxana Krawtschenko aus Odessa ist nach Deutschland gekommen, weil sie sich für deutsche Literatur interessiert. Besonders haben es ihr die Schriftsteller Wladimir Kaminer und Jana Voosen angetan. Sie möchte hier Germanistik studieren und macht deshalb einen Deutschkurs, der ausländische Studierende zum Hochschulzugang berechtigt. "Am Anfang habe ich mich hier sehr gut gefühlt. Doch nach ein paar Wochen reagieren die Einheimischen hier komisch, wenn sie erfahren, dass ich aus der Ukraine komme. Sie haben mich gefragt, was ich hier will, ob ich hier studieren oder arbeiten möchte."

David Schah
DW-WORLD, 17.3. 2005, Fokus Ost-Südost