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Kultur

Vimes' Weg zum South by Southwest-Festival

Zwei Jahre lang hat das Kölner Elektropop-Duo an seinen ätherischen Sounds gefeilt und dann sein Debütalbum auf den Markt gebracht. Jetzt fahren Vimes nach Texas zum wichtigsten Event der Musikindustrie.

Die kargen betonierten Backstage Räume im angesagten Berliner Club Berghain, der zu DDR-Zeiten ein Kraftwerk beherbergte und jetzt Synonym für Berlins vergnügungssüchtige Clubszene ist, haben so gar nichts Anheimelndes. Dort, in den Tiefen des gewölbeartigen Gebäudes, machen Multiinstrumentalist Julian Stetter und Sänger Azhar Syed ihren Soundcheck für das Konzert am Abend. Es ist eines der letzten Gigs in Deutschland, bevor die Jungs sich Richtung USA aufmachen.

In den letzten zwei Jahren hat das Duo, unterstützt von Drummer Johannes Klingebiel, Kölns bekannte Elektroszene aufgemischt; die Musiker haben ihr Repertoire aufgestockt und sich mit ihren ausgefeilten Klängen und einer Reihe beindruckender Singles einen hervorragenden Namen erspielt. Manche vergleichen die Newcomer sogar schon mit Größen der Szene wie The Postal Service und Radiohead. Erst kürzlich hat die Band mit Hilfe des Produzenten Jochen Naaf ihr Debütalbum fertiggestellt, nur ein Name fehlt der Scheibe noch. In puncto Veröffentlichungsdatum oder Details über die Musik halten sich die Jungen bedeckt - erst mal wollen sie mit ihrem bevorstehenden Auftritt beim

South by Southwest (SXSW)

-Event in Texas ihren potenziellen Erfolg auf dem Markt abschätzen.

"Wir kommen aus verschiedenen musikalischen Ecken und haben dementsprechend unterschiedliche Ideen", verrät Stetter schon mal über den Sound auf dem Debütalbum."Mein Background liegt eher in der Dance Music, Zahra kommt aus der 1980er Jahre Pop-Szene oder überhaupt vom Pop. Uns geht es darum, diese Genres zu verschmelzen."

Deutsche Bands pilgern nach Texas

Band Vimes

Wird das Festival ein internationales Sprungbrett für das Duo Vimes?

Vimes sind nicht die einzigen Musiker aus Deutschland, die sich zum South by Southwest-festival aufmachen. 23 deutsche Bands werden dort auftreten. Was 1987 als kleines Musikfestival für ein paar hundert Besucher begann, ist längst zu einer Veranstaltung der Superlative angewachsen. Vom 18. bis zum 22. März wird die texanische Hauptstadt Austin zum Mekka für Nerds, Popkultur-Liebhaber, Investoren und kreative Köpfe. In Podiumsdiskussionen stellen sich Politiker, Wissenschaftler und IT-Bosse der versammelten Netzavantgarde, knüpfen Kontakte und schließen Verträge.

Doch während es bei den Konferenzen darum geht, der Musikindustrie neue Impulse zu geben und nach Lösungen für globale Musikbelange von Lizenzgebühren bis hin zu Synchronisationen zu suchen, interessiert die Bands vor allem eins: Sie wollen gehört werden.

Auf 100 Bühnen treten überall in Austin mehr als 2000 Musiker an. Und sie alle hegen die Hoffnung, dass irgendjemand aus dem Musikbusiness auf sie aufmerksam wird. Künstler wie Norah Jones, The Darkness, The White Stripes oder The Strokes haben es vorgemacht, sie wurden auf der SXSW entdeckt. Rund vier Billionen Euro werden hier umgesetzt – und natürlich ist es eine einmalige Gelegenheit, den Königsmachern der Musikindustrie die Hände zu schütteln oder gar ein Bier mit ihnen zu trinken. "Man kann nicht wirklich sagen, was einem South by Southwest bringt oder eben nicht bringt", meint Vimes-Sänger Azhar Syed in Anbetracht von 25.000 registrierten Besuchern. "Aber es ist auf jeden Fall wichtig, Leute aus dem Business kennenzulernen."

Lampenfieber vor der Show

"Wenn ich ehrlich bin, habe ich vor allem Angst, dass wir nicht gut rüberkommen", gesteht Stetter. "Die Umgebung dort ist recht ungewohnt. Wenn man wie wir Musik macht, bei der man im Studio an vielen Knöpfen hantieren muss, ist es recht kompliziert, das auf die Bühne zu transferieren. Bei einer so weiten Anreise kann man natürlich nur ein begrenztes Equipment einpacken, und dann muss man sich quasi neu erfinden. Ich bin aufgeregt und hoffe, dass wir eine gute Show abliefern."

Hunderprozentig zuversichtlich sind Vimes nicht, dass alles klappt wie erhofft. "Diese Einstellung ist eigentlich ein guter Ansatz ist. Wenn man sich selbst nicht ganz traut, strengt man sich mehr an. Durch die vielen Gigs in den letzten zwei Jahren sind wir ganz gut geworden. Aber man hat immer im Hinterkopf: Das kannst du noch besser."

Das Duo Milky Chance

Milky Chance wird auch bei SXSW dabei sein

Noch nie haben sich so viele deutsche Künstler unterschiedlichster Stilrichtungen von Metal bis Indie beim SXSW angemeldet wie 2015. Das Folk-Beat Duo Milky Chance ist die bekannteste Band auf der Liste, sie haben gerade ganz Europa und dann auch Australien erobert. SXSW hat für die Band in Nordamerika über 40 Tourdaten festgezurrt, denn man hofft, den Erfolg ihres Albums "Sadnecessary" aus dem Jahr 2013 weiter auszuschlachten.

Eine Chance unter Millionen

"Deutsche Acts sind in diesem Jahr ziemlich angesagt", bestätigt Michael Wallies vom Interactive Musik Büro, ein Förderverein, der von der Bundesregierung zum Promoten zeitgenössischer deutscher Musik eingerichtet wurde. "Deutschland gehört seit mittlerweile zwei Jahrzehnten zu den Marktführern elektronischer Musik, und Berlin ist einer der Hot Spots für aufstrebende Musiker. Milky Chance profitieren von ihrem Auftritt beim SXSW, aber das klappt nicht bei allen Bands. Die Musiker müssen die Gelegenheit beim Schopf packen, die SXSW ihnen bietet. Wenn eine Band und ihr Management oder die Plattenfirma einen guten Job machen, kann das Festival einen wirklich an die richtigen Leute vermitteln, um Fuß auf dem US-Markt zu fassen. Und das ist immer noch der größte Musikmarkt weltweit."

Die Band Ωracles aus Köln

indie Legendw Pete Doherty hat sich für den Auftitt der Kölner Band Ωracles bei SXSW stark gemacht

Auch wenn finanzielle Engpässe die Musiker heutzutage belasten, sind Vimes fest entschlossen, sich durch den Druck der Musikindustrie nicht von ihrer Hauptaufgabe ablenken zu lassen: Musik zu schreiben. "Als wir unser Album aufnahmen, haben wir die ganze Zeit daran gedacht, wo man es veröffentlichen könnte", erzählt Julian Stetter. "Es erleichtert ungemein, wenn man die Gedanken daran verdrängt." Und Syed ergänzt: "Wenn man sich zu sehr nach etwas streckt, vergisst man darüber, sein volles Potential auszuschöpfen. Wir wollen uns auf die Musik konzentrieren. Das ist unser Job."

Vimes treten beim SXSW am 19. März im "German Haus" auf. Die ganze Bandbreite deutscher Acts kman auf der Website

www.german-haus.biz

einsehen.

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