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Fußball

Villa lässt Spanien weiter vom Titel träumen

Es war keine Gala, sondern nur ein Arbeitssieg: Europameister Spanien entschied das iberische Duell mit Portugal für sich und trifft im Viertelfinale auf Paraguay, das Japan erst im Elfmeterschießen bezwang.

David Villa jubelt (Foto: AP)

Die 62.000 Zuschauer in Kapstadt sahen ein ausgeglichenes Duell der Nachbarn Spanien und Portugal, das erst durch ein Abseitstor von David Villa entschieden wurde 1:0 (0:0). Spanien hatte zwar mehr Spielanteile, geriet aber durch schnelle Konter der Portugiesen immer wieder in Gefahr. Das zweite Achtelfinale zwischen Paraguay und Japan war ein Spiel, das keinen Sieger verdiente: Beide Mannschaften zeigten die bisher schlechteste Partie dieser WM. Nach 120 torlosen Minuten sorgte ein verschossener Elfmeter der Japaner für den 5:3 (0:0, 0:0)- Endstand und großen Jubel in Paraguay, dass als viertes südamerikanisches Land im Viertelfinale steht - ein Novum bei Weltmeisterschaften.

Spanien startete furios

Portugals Cristiano Ronaldo (r.) und Sergio Busquets (Foto: AP)

Blieb erneut blass: Portugals Cristiano Ronaldo (r.)

Europameister Spanien drückte von Beginn an aufs Tempo und kam durch Fernando Torres (1. Minute) und zwei Mal David Villa (3. und 6.) früh zu drei guten Schusschancen, die Portugals Torwart Eduardo jedoch entschärfen konnte. Dagegen wirkte die portugiesische Abwehr in den ersten Minuten noch nicht richtig wach. Mit zunehmender Spieldauer stabilisierten sich die Portugiesen dann und kamen ihrerseits zu einer ersten Möglichkeit: Tiagos strammer Schuss aus 22 Metern konnte Spaniens Torhüter Iker Casillas nur in die Luft fausten und im Nachfassen gerade noch vor dem Bremer Angreifer Hugo Almeida klären. ´

Der "Sheriff" hatte erneut Ladehemmungen

In der 27. Minute zückte dann erstmals der "Sheriff" seinen Colt: In seiner typischen, breitbeinigen Manier eines Western-Helden nahm Superstar Christiano Ronaldo bei einem Freistoß Stellung und hämmerte den Ball auf das spanische Tor: Sein Mannschaftskollege im Verein bei Real Madrid, Torwart Iker Cassillas, hatte zwar große Probleme mit dem flatternden Spielgerät, hielt aber im Nachfassen.

Großer Jubel bei spanischen Fußballern (Foto: AP)

Großer Jubel: Torjäger David Villa erlöste Spanien mit seinem Treffer - aus einer Abseitsposition

Nach dem starken Beginn ließen die favorisierten Spanier nach und brachten Portugal ins Spiel. Die Mannschaft von Trainer Carlos Queiroz setzte vor allem mit Almeida immer wieder Nadelstiche in Spaniens Defensive. Auch in der zweiten Hälfte fuhr die portugiesische "Selecçao" mit dieser Taktik fort: Erneut war es der bullige Almeida, dessen Schuss nach einem schnellen Konter von Verteidiger Carles Puyol beinahe zur portugiesischen Führung abgefälscht wurde (52.).

Die vor der WM von den Buchmachern zum Top-Favoriten gekürten Spanier verloren zu Beginn der zweiten Hälfte etwas ihren Faden, waren nicht wie gewohnt kombinationssicher. Bezeichnend war, dass der glücklose Starstürmer Fernando Torres, der Spanien vor zwei Jahren noch zum EM-Titel geschossen hatte, erneut früh aus dem Spiel genommen wurde.

Llorente belebte das spanische Spiel

Spanische Fans (Foto: AP)

Viva España: Die Favoriten sind weiter auf Titel-Kurs

Der für ihn eingewechselte Fernando Llorente von Athletic Bilbao sorgte umgehend für Belebung im eingeschlafenen spanischen Spiel: Der lange Stürmer scheiterte mit einem Flugkopfball an Keeper Eduardo nur knapp (60.) und eine Minute später zirkelte David Villa einen Schuss knapp neben den rechten Pfosten. Und was sich kurz zuvor angedeutet hatte, wurde in der 63. Minute Realität: Nach einer blitzsauberen Kombination über Andres Iniesta "streichelte" Xavi den Ball mit der Sohle zu Villa, der zunächst an Eduardo scheiterte, um ihn im zweiten Versuch dann zum 1:0 zu überlupfen. Wehrmutstropfen für die Portugiesen: Villa stand vor seinem Tor knapp im Abseits – die nächste fatale Schiedsrichter-Entscheidung, die die Debatte über elektronische Hilfsmittel für Unparteiische befeuern wird.

In der Folge rettete Portugals Keeper Eduardo sein Team mit Glanzparaden nach Schüssen von Sergio Ramos (70.) und Villa (77.). Im Angriff versuchte es der 94-Millionen-Mann Christiano Ronaldo mit Hackentricks, blieb aber insgesamt – wie schon im bisherigen Turnierverlauf – weit unter seinen großen Möglichkeiten. Unschöner Schlusspunkt der Partie: Der Portugiese Ricardo Costa fuhr in einem Zweikampf mit Joan Capdevila den Ellbogen aus und sah dafür die Rote Karte. Portugal tat insgesamt viel zu wenig für ein Weiterkommen, wird aber noch mit Schiedsrichterleistung von Hector Walter Baldassi hardern.

Paraguay zittert sich ins Viertelfinale

Weder Paraguay noch Japan hatten bisher jemals ein Viertelfinale erreicht – eine Tatsache, die man dem Spiel ansah. Beide Teams spielten nervös und übervorsichtig, keiner wollte in dieser so wichtigen Partie einen Fehler machen. Paraguay besaß zwar etwas mehr Spielanteile, konnte sich aber kaum nennenswerte Chancen erarbeiten.

Zweikampf zwischen Yuji Nakazawa (Japan, l.) und Nelson Valdez (Paraguay) (Foto: AP)

Viel Geplänkel am Mittelkreis: Japan gegen Paraguay

Wie aus dem nichts kam dann in der 20. Minute der Dortmunder Lucas Barrios aus kurzer Distanz vor dem japanischen Torhüter Eiji Kawashima zum Schuss, doch der behielt die Nerven und parierte. Nur eine Minute später hatte dann sein Gegenüber aus Paraguay Glück: Beim Lattentreffer von Daisuke Matsui wäre Torwart Justo Villar chancenlos gewesen. Auf der Gegenseite kam der Ex-Bayern-Spieler Roque Santa Cruz nach einer Ecke etwas unverhofft zum Schuss, dem jedoch die nötige Präzision fehlte (28.). Es sollte bis zur 40. Minute dauern, ehe die Japaner den ersten sehenswert erspielten Angriff zeigten: Nach einem Ballgewinn von Kapitän Makoto Hasebe und einer Flanke von Matsui von der rechten Außenbahn, rutschte Keisuke Honda der Ball bei seinem Schuss etwas über den Fuß, so dass er am Tor vorbeistrich.

Yuki Abe (l.) und Roque Santa Cruz im Kopfballduell (Foto: AP)

Wenig Klasse, viel Kampf: Yuki Abe (l.) und Roque Santa Cruz im Kopfballduell

Kein Risiko, keine Spielfreude

Die 30.000 Zuschauer im Loftus-Versfeld-Stadion von Pretoria sahen eine über weite Strecken schwache Partie mit wenigen Straffraumszenen und dafür umso mehr Fehlpässen. Die hohe Fehlerquote blieb zum Leidwesen der Zuschauer auch nach der Pause bestehen, allerdings zeigten beide Teams ein wenig mehr Tempo. Japans Team spielte, was es kann: Mit einer ebenso dichten wie laufstarken Abwehr verhinderten die Japaner fast jede Offensivbemühung des Gegners aus Paraguay. Im Angriff gelang den Asiaten jedoch fast gar nichts – nicht einmal bei ihren sonst so gefährlichen Freistößen. Die Schlussphase der regulären Spielzeit verlief ohne eine Torchance. Beide Mannschaften wollten kein Risiko eingehen und bereiteten sich frühzeitig auf eine Verlängerung vor.

Edgar Barreto trifft zum 5:3 gegen Japan (Foto: AP)

Paraguay souverän vom Elfmeterpunkt: Barreto trifft

Nach 97 Minuten blitzte endlich einmal die spielerische Klasse der Südamerikaner auf: Claudio Morel spitzelte den Ball in die Gasse zum eingewechselten Dortmunder Nelson Valdez, der Torwart Kawashima aber nicht überwinden konnte. Insgesamt wirkte aber auch die Verlängerung weitgehend uninspiriert, keine Mannschaft ließ Spielwitz und Hingabe erkennen. Während Japan nur mit defensiver Disziplin beeindruckte, konnte Paraguay aus seiner leichten Überlegenheit nichts Zählbares machen. Ergebnis: das erste Elfmeterschießen dieser WM.

Komano versagten die Nerven

Auch wenn die Torhüter Kawashima und Villar jeweils meist die Ecke ahnten, ließen die ersten Schützen auf beiden Seiten nichts anbrennen. Erst Yuichi Komano, der noch nie ein Tor für Japan geschossen hatte, zeigte Nerven: Sein Elfmeter knallte an die Latte. Der fünfte Elfmeter von Paraguay brachte dann die Entscheidung: Oscar Cardozo wartetet lange bis sich Torwart Kawashima bewegte und schoss souverän ein – zum Tor ins Viertelfinale.

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Calle Kops

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