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Asien

"Vietnam und China müssen Vertrauen aufbauen"

Eine Eskalation der Gebietsstreitigkeiten zwischen Vietnam und China in der Südchinesischen See könnten Auswirkungen weit über die Region hinaus haben, sagt Vietnams Premier Nguyen Tan Dung im DW-Exklusiv-Interview.

Deutsche Welle: Sehr geehrter Herr Premierminister, Sie haben einmal auf einer Sicherheitskonferenz gesagt: "Das Entscheidende für die Zusammenarbeit von Staaten ist strategisches Vertrauen." In diesem Jahr gab es verschiedene Zwischenfälle mit der Volksrepublik China in der Südchinesischen See. Wie steht es um das strategische Vertrauen zwischen Vietnam und China?

Nguyen Tan Dung: Vietnam ist Mitglied der Vereinten Nationen. Wir verfolgen konsequent eine unabhängige, diversifizierte und multilaterale Außenpolitik. Vietnam versteht sich als Freund und vertrauenswürdiger Partner anderer Nationen. Unsere vorrangigen Interessen sind Frieden und nachhaltige Entwicklung. Wir setzten uns unermüdlich für freundschaftliche Beziehungen zu allen Ländern ein. Nur so ist gegenseitiges Vertrauen und fruchtbare Zusammenarbeit möglich. Insbesondere mit unseren Nachbarländern den ASEAN-Staaten – unseren strategischen, vollwertigen und traditionellen Partnern. So können wir gemeinsam profitieren und uns entwickeln.

Die Außenpolitik Vietnams hat ein unabänderliches Prinzip: Wir bauen keine Allianzen zu einem Land auf, um ein anderes zu bekämpfen. Aber wir werden unsere Interessen im Rahmen des Rechts konsequent verteidigen. Zugleich sind wir immer bereit, mit anderen Ländern ein langfristiges, nachhaltiges, strategisches Vertrauen auf der Grundlage der UN-Charta und internationaler Gesetze aufzubauen. Dabei geht es um gegenseitigen Respekt vor der Souveränität und dem Hoheitsgebiet anderer Länder. Wir akzeptieren keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten und setzen auf friedliche Konfliktlösung. Außerdem streben wir die Zusammenarbeit der Nationen auf Basis von Gleichberechtigung an. Zum gemeinsamen Nutzen und nicht zuletzt als Beitrag zur Sicherung von Frieden und Stabilität in der Region und der ganzen Welt.

Vietnam begrüßt jeden außenpolitischen Grundsatz großer Länder gegenüber der Asien-Pazifik-Region, solange diese Grundsätze internationale Gesetze und regionale Institutionen respektieren, keine Einmischung in innere Angelegenheiten enthalten und nicht zuletzt die Souveränität und Gebietshoheit anderer Nationen anerkennen. Nur so ist gesichert, dass sie einen Beitrag zu Frieden, Sicherheit sowie regionaler und internationaler Kooperationen leisten.

Vietnam und China sind Nachbarn und werden für immer Nachbarn sein. Wir wünschen uns, dass beide Länder sich bemühen, die bisherigen friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu sichern, Vertrauen aufzubauen sowie die strategische Partnerschaft zu vertiefen und effizienter zu gestalten. Denn dann können beide Länder noch mehr davon profitieren und gemeinsam Frieden, Stabilität und regionale Zusammenarbeit erreichen. Alle Territorialkonflikte im Ostasiatischen Meer* müssen mit friedlichen Mitteln und auf Grundlage internationaler Gesetze wie des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen von 1982 und der Erklärung über das Verhalten der Anrainerstaaten auf dem Ostmeer gelöst werden. Dabei müssen Spannungen vermieden und das Prinzip der Nichtanwendung und Nichtandrohung von Gewalt eingehalten werden.

Nachdem China die Bohrinsel “Haiyang Shiyou 981” aus Vietnams Hoheitsgewässern abgezogen hat, haben beide Seiten gemeinsame Anstrengung unternommen, um den Konflikt zu lösen.

Das Südchinesische Meer ist eine Schlüsselregion für den Welthandel. Mit Blick auf die internationale Dimension: Welche Rolle können die Europäische Union und auch Deutschland in der Region spielen?

Frieden, Stabilität und Sicherheit des See- und Luftverkehrs im Ostasiatischen Meer sind das gemeinsame Interesse aller Länder in und außerhalb der Region. Das Ostasiatische Meer ist eine Schlagader des internationalen Seeverkehrs. Die Hälfte des weltweiten Frachtverkehrs geht durch diese Schlüsselregion - meist als Warenlieferung zwischen Europa und Ostasien. Deswegen ist eine mögliche Destabilisierung nicht nur ein Verlust für die Länder in der Region, sondern für die ganze Welt.

Das ist auch der Grund, weshalb, meiner Meinung nach, die EU sowie Deutschland und die anderen Länder der Welt zusammenarbeiten müssen, um Frieden, Stabilität, Sicherheit und die Freiheit der Schifffahrt im Ostmeer zu bewahren. Das ist, wie ich nochmals betonen möchte, nicht nur zum Vorteil für die Länder in der Region, sondern für die ganze Welt. Ich hoffe sehr, dass sich die Weltgemeinschaft für den Frieden und die Stabilität in der Region besonders engagiert.

Das Interview führte Rodion Ebbighausen.

* Der Premier verwendet an dieser Stelle den Begriff BIEN DONG, das bedeutet wörtlich übersetzt Ostsee oder Östliches Meer - und spricht nicht vom Südchinesischen Meer, wie in China oder der internationalen Presse üblich

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