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USA

Vierter Häftling in Arkansas hingerichtet

Weil Ende April das Haltbarkeitsdatum eines Betäubungsmittels abläuft, ist ein weiteres Todesurteil im US-Staat Arkansas vollstreckt worden - als Teil der größten Hinrichtungswelle seit 40 Jahren.

Midazolam Medikament Benzodiazepine (picture-alliance/AP Photo/S. Ogrocki, )

Vorräte bis Ende des Monats: Das Betäubungsmittel Midazolam (Archivbild)

Der verurteilte Mörder Kenneth Williams sei mit der Giftspritze getötet worden, erklärte ein Sprecher des Cummins-Unit-Gefängnisses in Varner. Der Ort liegt etwa 80 Kilometer südöstlich von Little Rock, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Arkansas.

Die Exekution habe am Donnerstagabend um 22.52 Uhr Ortszeit begonnen, berichtet die Zeitung "Arkansas Democrat Gazette". 13 Minuten später sei Williams tot gewesen. Versuche seiner Anwälte, gerichtlich einen Aufschub zu erwirken, waren zuvor gescheitert.

Vier Tötungen in acht Tagen

Es war die vierte Hinrichtung in Arkansas innerhalb von acht Tagen. Die Vollstreckung sei um mehrere Stunden verschoben worden, um dem höchsten US-Gericht Gelegenheit zu geben, mehrere Gnadengesuche zu prüfen, so der Gefängnissprecher. Die Anwälte des Mörders hatten argumentiert, der Mann dürfe aufgrund einer geistigen Behinderung nicht hingerichtet werden.

Laut Gerichtsakten hatte Williams 1998 im Alter von 19 Jahren eine Studentin entführt, sie zum Abheben von Geld am Automaten gezwungen und dann erschossen. Nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft brach er aus dem Gefängnis aus und erschoss auf der Flucht einen Mann. Durch einen von ihm verursachten Unfall kam ein weiterer Mensch ums Leben. Im Jahr 2000 wurde Williams zum Tode verurteilt. Vor wenigen Wochen bat er die Angehörigen seiner Opfer um Vergebung.

Hersteller sperren Medikamente

Die Exekution war Teil einer geplanten Serie von ursprünglich acht Hinrichtungen. Die Gerichte hatten aber vier davon vorläufig gestoppt. Per Dekret hatte der republikanische Gouverneur von Arkansas, Asa Hutchinson, die größte Hinrichtungswelle in den USA seit 40 Jahren angeordnet. Die Entscheidung war weltweit auf Kritik gestoßen.

Der Grund für den raschen Vollzug: Bei den Vorräten des Wirkstoffs Midazolam als Teil des Giftcocktails läuft Ende April das Haltbarkeitsdatum ab. Die US-Behörden haben Nachschubprobleme, weil einige Hersteller ihre Mittel für Exekutionen gesperrt haben.

UN: Begründung nicht hinnehmbar

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte erklärte, mit den Exekutionen habe Arkansas ein zwölf Jahre währendes De-facto-Memorandum für die Vollstreckung der Todesstrafe beendet. Die Begründung des Gouverneurs sei nicht hinnehmbar. Wegen des hohen Zeitdrucks seien auch Begnadigungen unmöglich gewesen.

In den Vereinigten Staaten wurden im vergangenen Jahr 20 Menschen hingerichtet. 2017 haben die Behörden bislang zehn Todesurteile vollstreckt. In 31 der 50 Bundesstaaten besteht noch die Todesstrafe.

jj/cr (dpa, afp, epd)