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Vierbeinige Artenschützer kämpfen für Zwergpinguine

Hunde und Vögel vertragen sich meist nicht. Selbst Welpen können sich in Höllenhunde verwandeln, wenn sie einem Schwarm der Tiere begegnen. Trotzdem haben Hütehunde eine Pinguinkolonie in Australien gerettet.

Im Süden Australiens ist eine robuste Rasse von Hütehunden, die Maremmen-Abruzzen-Schäferhunde, fleißig dabei, Zwergpinguine auf Middle Island zu beschützen. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Allianz im Tierreich? Mitte der 1990er Jahre bekämpfte der Strandort Warrnambool einen wohlbekannten Feind: den Fuchs. Die Tiere hatten Middle Island infiltriert und angefangen die Zwergpinguine zu fressen. Innerhalb eines Jahrzehnts war die Kolonie fast ausgerottet.

"2005 spitzte sich die Krise zu, als Füchse in nur zwei Nächten 360 Pinguine töteten", sagte Robert Abbott, ein Vertreter des #link:http://www.warrnambool.vic.gov.au/middle-island-maremma-project:Middle Island Maremma Project#. Die Zahl der toten Tiere stieg immer weiter an und im darauffolgenden Jahr waren die Pinguine fast völlig verschwunden. Von einer Kolonie, die einst aus 800 Tieren bestand, waren weniger als zehn übrig.

Hunde + Pinguine = Super

Foto: Gruppe von Pinguinen laufen in der Dunkelheit über einen Strand

An Land sind die Pinguine leichte Beute, wenn sie nicht ihre Hunde-Bodyguards hätten

Seit damals hat sich die #link:http://www.warrnamboolpenguins.com.au/:Pinguinkolonie# erholt und 2013 überstieg die Zahl der Tiere erstmals wieder die 100-Tiere-Marke und hat sie seitdem nicht mehr unterschritten. Abbott zufolge geht dieser Erfolg auf die Idee eines Hühnerfarmers namens Allan "Swampy" Marsh zurück. Seine Idee war einfach: Setzt einen Hütehund ein, um die Pinguine zu bewachen.

Die vierbeinige Unterstützung kam in Form des Maremmen-Abruzzen-Schäferhundes Ben, den Marsh für den Schutz seiner Freilandhühner gegen Füchse eingesetzt hatte. Die örtliche Verwaltung stimmte zu und Ben wurde zum Schutz der Pinguine abgestellt. Seine Tochter Oddball kam kurze Zeit später dazu. "Seitdem die Hunde auf die Insel gekommen sind, haben wir nie wieder einen Pinguin an einen Fuchs verloren", sagt Abbott.

Eindringlinge auf der Insel

Aber die süße Geschichte des tapferen Hundes, der die hilflosen Pinguine vor dem gerissenen Fuchs beschützt, hat einen ernsten Hintergrund. Australien hat eine lange Tradition von invasiven Arten, die die einheimische Fauna dezimieren. Es wird geschätzt, dass 24 Vogelarten, vier Froscharten und 27 Säugetierarten ausgestorben sind, seit die europäischen Siedler im 18. Jahrhundert auf den Kontinent kamen und ihre Nutztiere und Raubtiere mitbrachten.

Schon früh brachten die Siedler für den Jagdsport Rotfüchse nach Australien. Die nicht-einheimischen Füchse passten sich schnell an die neue Umgebung an und fingen an, die einheimischen Arten zu fressen. Die Zwergpinguine waren dabei leichte Opfer.

Foto: Silhouette einer Insel im Gegenlicht

Middle Island (links) ist eine gerade 200 Meter durchmessende Insel vor Warrnambool

Auf dem australischen Festland verstummten die einstmals großen, lebendigen Zwergpinguinkolonien, als Füchse (gemeinsam mit verwilderten Katzen und wilden Hunden) die Tiere jagten. Die meisten verbliebenen Pinguinkolonien in Australien liegen daher auf zerklüfteten, schwer erreichbaren Küstenabschnitten und an den Küsten nahe gelegener Inseln.

Und das Beispiel von Middle Island zeigt, dass sie selbst dort nicht immer sicher waren. Als veränderte Gezeitenmuster zu Sedimentablagerungen führten, entstand in den 1990ern eine Landbrücke, die die Insel bei Ebbe mit dem australischen Festland verband. Die Füchse nutzten sie und wechselten hinüber auf die Insel zu den Pinguinen.

Auftritt der Schäferhunde

Genau wie die Füchse, sind auch die Maremmen-Abruzzen-Schäferhunde ein Import aus Europa. Sie wurden einst eingesetzt, um in den Bergen Italiens Wölfe abzuwehren und wurden nach Australien gebracht, um Freilandhühner und Ziegen vor Raubtieren zu schützen. Als Hunderasse haben sie von Geburt an den instinktiven Drang, ein Gebiet für sich zu beanspruchen.

"Die meisten Wachhundarten gibt es schon sehr lange und sie haben Eigenschaften, die sie zu guten Beschützern machen. Sie sind zum Beispiel gegenüber Vieh geduldig und harmlos, aber aktiv, laut und sogar aggressiv, wenn sie das Gefühl haben, ihr Vieh sei bedroht", sagte Dr. Christopher Johnson, ein Tierschützer von der University of Tasmania.

Hunde unterscheiden Freund von Feind aufgrund ihres Geruchs und die Maremmen-Abruzzen-Schäferhunde sind dabei keine Ausnahme. Abbot sagt, die Welpen würden früh an die Pinguine herangeführt. Als Teil ihres Trainings "gewöhnen wir ihre Nasen an den Geruch", so Abbott. Dadurch erkennen die Hunde die Pinguine als Mitglieder - wenn auch kleine und knubbelige - ihres Rudels an.

Foto: Ein Mann führt zwei Hunde an einer Leine durchs seichte Wasser

Nach getaner Arbeit kehren die Hunde zum Wochenende aufs Festland zurück

Während der Brutsaison patrouillieren Eudy and Tula, zwei erwachsene Maremmen-Abruzzen-Hunde, fünf Tage die Woche Middle Island, um die Füchse fernzuhalten. Wenn sie Feierabend haben, leben sie auf einer nahe gelegenen Farm. Beide sind aber schon neun Jahre alt - und damit bald schon Hunderentner. Die Stadt Warrnambool hat daher zusammengelegt, um zwei Hundewelpen der gleichen Rasse zu kaufen und zu trainieren.

Auch Umweltschützer sehen den Einsatz von Wachhunden, um Nutztiere zu schützen, als einen Weg den Konflikt zwischen Wildtieren und Viehzüchtern einzudämmen. Die verlassen sich bisher auf den Einsatz von Gift und Fallen, um die lästigen Tiere loszuwerden.

"Oft funktioniert das Töten nicht besonders gut, weil sich die Zahl der Räuber schnell wieder erholt, weil sie sich vermehren oder von anderswo einwandern", sagt Johnson. "Zäune funktionieren besser, aber sie sind teuer und arbeitsintensiv. Das ist gerade in Australien ein Problem, weil so viele unserer Farmen sehr groß sind. Der Aufbau und die anschließende Wartung dieser raubtiersicheren Zäune um diese Grundstücke ist oft nicht praktikabel."

Abbott warnt aber davor, den Einsatz der Maremmen-Abruzzen-Hunde zum Schutz bedrohter Arten als Patentlösung zu sehen. Hunde sind eben Hunde. Es kommt immer wieder vor, dass sie ihre Posten verlassen, um Füchse zu verfolgen. Damit lassen sie die Pinguine schutzlos zurück und setzen sich selbst dem Risiko aus, von Autos oder Motorrädern verletzt zu werden.

Aber die Ergebnisse sind bisher so ermutigend, dass die Erfahrungen aus Middle Island auch andernorts Anwendung finden. So hat der Zoo in Victoria ein Pilotprogramm gestartet, das die Hunde mit Bandikuts zusammenbringt - winzige nagetierartige Beuteltiere, die in Australien vom Aussterben bedroht sind.

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