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Deutschland

Vier mutmaßliche Terroristen aus der deutschen Provinz

Vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf hat der Prozess gegen die Sauerland-Gruppe begonnen - ein Prozess, wie ihn Deutschland so noch nicht erlebt hat.

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So stellt man sich vielleicht eine Munitionsfabrik vor oder das Golddepot einer Bank. Aber was da auf einer Wiese in einem schmucklosen Industrieviertel von Düsseldorf steht, ist ein Gerichtsgebäude – genauer gesagt die Außenstelle des Oberlandesgerichts im Kapellweg.

Jens Thurau (Foto: DW)

Stacheldrahtzäune und hohe Mauern, wohin man sieht. Wer in den großen Saal im Inneren gelangen will, muss sein Mobiltelefon abgeben, sich durchsuchen und durchleuchten lassen und mehrere Stahltüren durchschreiten. Seit dieser Woche findet hier der Prozess gegen vier junge Männer statt - gegen zwei zum Islam konvertierte Deutsche, einen türkischstämmigen Deutschen und einen Türken. Alle sind zwischen 23 und 30 Jahre alt.

Was ihnen vorgeworfen wird, ist neu für das Land – neu und erschreckend. Sie sollen sich vor wenigen Jahren von netten, unauffälligen Jungen zu fanatischen Islamisten gewandelt haben. Sie sollen in Ausbildungslagern im Grenzgebiet von Afghanistan und Pakistan zu Kämpfern des heiligen islamisches Krieges, des Dschihad, ausgebildet worden sein. Um dann, nach ihrer Rückkehr nach Deutschland, ein gigantisches Verbrechen zu planen: Sprengstoffanschläge gleich auf mehrere Orte. Hunderte, vielleicht tausende Opfer sollte das fordern.

Und sie wurden dabei beobachtet, zuletzt von Hunderten von Polizisten des Bundeskriminalamtes, davor aber auch von Geheimdiensten. Und womöglich sind sie in ihrem Tun von V-Leuten begleitet oder unterstützt worden, von V-Leuten diverser Geheimdienste, des türkischen vielleicht, vielleicht auch des CIA – das weiß keiner so genau oder sagt es nicht.

Neu für das Land ist daran, dass der islamische Terrorismus uns nicht heimsucht, sondern hier entsteht. Neu ist auch, in welchen Maße deutsche Staatsanwälte Anklageschriften vortragen, in denen auf die Erkenntnisse von Geheimdiensten verwiesen wird.

Auch das ist Globalisierung - die Globalisierung des Terrors: Ein Prozess in einem Hochsicherheitstrakt, vier junge Männer aus der deutschen Provinz, die diverse Geheimdienste beschäftigen - und jetzt, auf der Anklagebank, doch eher wie Heranwachsende wirken, nicht wie Möchtegern-Massenmörder. Und die dennoch, wenn ihnen die Ermittler nicht zuvorgekommen wären, Anschläge verüben wollten - so schlimm wie die von London oder Madrid.

Ein Prozess hat begonnen, wie es ihn so noch nicht gegeben hat in Deutschland. Experten schätzen, dass er zwei Jahre dauern wird - und wohl mit hohen Haftstrafen für die vier jungen Männer enden könnte.

Autor: Jens Thurau

Redaktion: Kay-Alexander Scholz