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Earth Day 2017

Vier Behauptungen von Klimaskeptikern - und warum sie falsch sind

Klimaskeptiker erzählen gerne, der Klimawandel sei eine Lüge. Ihre Argumente sind genau das, was sie der Gegenseite vorwerfen: pseudowissenschaftlich. Wir schauen uns die Behauptungen am Earth Day mal genauer an.

Mann vor Globus Ballon Symbolbild Klimawandel (picture-alliance/dpa/S. Stache)

Der Mensch hat die Erde wie kein anderes Lebewesen zuvor verändert

Klimawandel ist keine Glaubensfrage. Es gibt Forschung und es gibt Fakten. Zeit, mit deren Hilfe die Aussagen der Klimaskeptiker mal unter die Lupe zu nehmen.

1) Alle reden von globaler Erwärmung. Dabei war der Winter 2009/10 ein Rekordwinter in vielen Ländern. Die Eisflächen auf der Südhalbkugel wachsen. Das soll Erderwärmung sein?

Die genannten Phänomene stimmen tatsächlich. Falsch ist aber, sie als Beweise gegen die globale Erwärmung zu betrachten. Denn die weltweiten Temperaturen steigen nicht linear und gleichmäßig an: Einige Winter, wie der im Jahr 2009/10, können besonders kalt sein, andere wieder wärmer. Viele Faktoren beeinflussen das Klima: extraterrestrische und terrestrische, natürliche und menschengemachte (anthropogene) Ursachen, die alle in Wechselwirkung zueinander stehen.

Eisbären Eisscholle (picture alliance/dpa)

Am Nordpol wird das Eis immer dünner

Da ist zum Beispiel El Niño, ein Klimaphänomen, das in den letzten Jahren immer wieder für besonders hohe Temperaturen sorgte. Etwa alle vier Jahre zur Weihnachtszeit erwärmt sich das Meer vor der südamerikanischen Westküste, was sich auf die Passatwinde rund um den ganzen Globus auswirkt. Neben Überschwemmungen in bestimmten Teilen der Welt und Dürren in anderen, sorgt El Niño auch zeitweilig für Rekord-Temperaturen - so wie 1998.

Außerdem nimmt in der Antarktis die Ausdehnung der Eisdecke zu, während in der Arktis das genaue Gegenteil passiert. Das liegt vor allem daran, dass die Antarktis anders als die Arktis von Winden und Ozeanströmungen umgeben ist, die sie von vielen Klimaeinflüssen abriegeln. Der antarktische Sonderfall stellt daher nicht die globale Erwärmung infrage.

Trotz aller Schwankungen lässt sich seit Beginn der systematischen Messungen im Jahr 1880 ein Anstieg der Durchschnittstemperaturen der erdnahen Atmosphäre und der Meere feststellen. 2016 war das wärmste Jahr seit 1880, das zweit- und drittwärmste Jahr waren 2015 und 2014. Dem Weltklimarat (IPCC) zufolge ist von 1880 bis 2012 die globale mittlere Temperatur um 0,85 Grad Celsius gestiegen. Jedes der drei vergangenen Jahrzehnte war wärmer als alle vorhergehenden seit 1850.

2) Der Klimawandel ist ein natürlicher Prozess und nicht durch den Menschen verursacht. Der menschliche CO2-Ausstoß ist viel zu gering, um Einfluss auf das Klima zu nehmen.

Ja, es stimmt: Das Klima ändert sich, seit es die Erde gibt. Im Laufe der Millionen von Jahren haben sich Kalt- und Warmzeiten immer wieder abgewechselt - ein natürlicher Prozess. Auch an den klimatischen Veränderungen seit der Industrialisierung hat die Natur ihren Anteil, also an dem weltweiten Temperaturanstieg, der Erwärmung der Ozeane und der Zunahme von Treibhausgasen in der Atmosphäre.

Doch der Klimawandel der letzten 50 bis 150 Jahre läuft sehr viel schneller ab als alle bisher bekannten Erwärmungsphasen der jüngeren Geschichte unseres Planeten.

Das IPCC hält es in seinem letzten Bericht von 2013 für "äußerst wahrscheinlich", dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist. Die vermehrte Freisetzung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2) und Methan durch den Menschen habe dazu geführt, dass die Gase in der Atmosphäre so konzentriert seien wie seit 800.000 Jahren nicht mehr. Seit 1750 ist laut IPCC die Konzentration von CO2 um 40 Prozent, die von Methan um 150 Prozent gestiegen. 

Ein oft gehörtes Argument von Klimaskeptikern ist, dass der anthropogene CO2-Ausstoß - CO2 gilt als das wichtigste Treibhausgas - ja nur ein Bruchteil dessen ist, was an CO2 ganz natürlich auf der Erde vorkommt. Es stimmt, dass CO2 auch von Vulkanen freigesetzt wird und es im Meer, in der Luft, in Pflanzen und in Permafrostgebieten enthalten ist. Aber die Natur absorbiert das CO2, das sie freisetzt, auch wieder: Es befindet sich in einem Gleichgewicht.

Oberhausen Rauch, Dampf Luftverschmutzung durch Kokerei (Getty Images/L. Schulze)

In den letzten knapp 300 Jahren haben menschliche Aktivitäten 545 Gigatonnen Kohlendioxid freigesetzt

Die zusätzlichen Emissionen durch den Menschen dagegen können nicht mehr vollständig absorbiert werden, sie sind "zu viel" und landen in der Erdatmosphäre. Durch zum Beispiel Rodung von Wäldern und das Abschmelzen von Permafrostgebieten wird dieser Prozess noch verstärkt.

Mehreren Umfragen und Auswertungen von Fachartikeln zufolge sind circa 97 Prozent aller Klimaforscher sicher, dass menschliche Aktivitäten den Klimawandel beeinflussen. Man kann also von einem wissenschaftlichen Konsens sprechen. Und Studien zufolge sind die verbleibenden drei Prozent an Forschern, die die anthropogene Erderwärmung leugnen, oft weniger fachkompetent. Dafür kommen sie umso öfter von konservativen Think Tanks wie dem Cato-Institut, das unter anderem von Volkswagen und Energiekonzernen finanziert wird.

3) Wir können nicht einmal genau vorhersagen, wie morgen das Wetter wird. Wie sollen wir dann das Klima in hundert Jahren voraussagen? 

Wer kennt es nicht: Eigentlich war für das lange Wochenende Sonnenschein vorausgesagt, und dann sitzt man da - im Regen. 

Gluthitze in Deutschland - Thermometer in der Sonne (picture-alliance/AP Photo/M. Probst)

Wettervorhersagen ≠ Klimaprognosen

Jedoch sind Wettervorhersagen grundsätzlich etwas anderes als Klimamodelle. Das Wetter ist kurzfristig, chaotisch und wird von vielen Faktoren beeinflusst. Das Klima dagegen ist langfristig, chaotische Ereignisse werden statistisch ausgeglichen. Einen Trend über mehrere Jahrzehnte zu erkennen - also in dem Fall einen Temperaturanstieg durch Treibhausgase - ist einfacher, als das Wetter stundengenau vorauszusagen.

Die Zuverlässigkeit von Klimaprognosen hat sich dem IPCC zufolge in den letzten Jahren deutlich verbessert. Viele Klimamodelle wurden weiterentwickelt und können mittlerweile umfassender simulieren.

4) Okay, dann steigt die Temperatur weltweit eben um ein paar Grad. Ist das wirklich so schlimm? Die Erde ist doch schon mit vielen Veränderungen klargekommen.

Zwei, drei Grad wärmer hören sich nicht nach viel an. Der ein oder andere würde mehr Sommer und weniger Winter vielleicht sogar gut finden. Für das Weltklima aber können bereits diese paar Grad Celsius Temperaturunterschied extreme Folgen haben.

Dürre trockene Erde Gras Klimawandel (Colourbox)

Dürren sind eine von vielen Folgen des Klimawandels

Ohne ambitionierten Klimaschutz könnte die globale Durchschnittstemperatur laut IPCC bis Ende des 21. Jahrhunderts um 5,4 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit ansteigen. Das würde mehr Wetterextreme wie Dürren und Starkniederschlägen bedeuten. Die Gletscher würden weiter schmelzen, der Meeresspiegel steigen und viele von Menschen bewohnte Gebiete würden überflutet. Die Ozeane würden wärmer werden und versauern, Flora und Fauna würden komplett durcheinanderraten.

Die Erde ist  ein flexibles System, sie und ihre Bewohner mussten sich in der Vergangenheit schon oft krassen Veränderungen anpassen. Doch die Veränderungsfähigkeit hat auch Grenzen: Der anthropogene Klimawandel ist viel zu schnell, als dass sich die Natur darauf einstellen könnte.

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