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Sport

Vielseitigkeitsreiten (Military)

Die Vielseitigkeitsreiter sind die Allrounder unter den Pferdesportlern. Am ersten Wettkampftag müssen sie in der Dressur bestehen, am zweiten im Gelände und dann am letzten Tag auch im Springparcours fehlerfrei bleiben.

Piktogramm für den Reitsport bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking, China. Foto: +++(c) Picture-Alliance / ASA+++

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nannte man die Vielseitigkeit noch Military. Sie war eine Erfindung des Militärs und diente der Ausbildung von Reitersoldaten. Bei der Olympischen Premiere 1912 in Stockholm nahmen noch ausschließlich Offiziere teil, später durften auch Zivilisten an den Start gehen.

Der eigentliche Höhepunkt der Vielseitigkeit ist der Geländeritt. Hier gilt es, Naturhindernisse wie Baumstämme oder Wassergräben zu überwinden. Die Deutsche Ingrid Klimke nahm an den Olympischen Spielen in Sydney und Athen mit ihrem Pferd „Sleep Late“ teil. Ohne ihn wäre sie dort chancenlos gewesen, erzählt Klimke: „Mein Pferd hat dort wirklich alles gegeben. „Sleep Late“ hat sein Herz zuerst über die Sprünge geworfen und ich bin dann hinterher. Da hat er mich manchmal noch rübergezogen. Da war ich unheimlich glücklich. Die Beziehung zu dem Pferd ist über die Jahre zusammengewachsen.“

Gefahr für Reiter und Pferd im Gelände

Die Geländeprüfungen wurden und werden teilweise immer noch heftig kritisiert. So waren die Strecken bis vor wenigen Jahren viel zu lang, so dass Pferde und Reiter oft überanstrengt waren.

Die schwedische Vielseitigkeitsreiterin Sofia Andler 2003 während der internationalen Deutschen Meisterschaft in Luhmuehlen, Niedersachsen. (AP Photo/Christof Stache)

Herausforderung für Pferd und Reiter

Negative Folgen blieben auch bei Olympischen Spielen nicht aus: Viele Pferde mussten nach Stürzen getötet werden, einige Reiter erlitten teilweise schwerste Verletzungen.

Heute ist die Geländestrecke nur noch wenige Kilometer lang. Außerdem werden die Tiere während des gesamten Wettkampfes medizinisch betreut, um Überanstrengungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Wie gefährlich der Sport aber dennoch ist, zeigen unter anderem zwei Todesfälle in Deutschland im vergangenen Sommer. Erfahrene Reiterinnen waren mit ihren Pferden im Wettkampf an Hindernissen tragisch gestürzt und ums Leben gekommen.


Bittere Entscheidung in Athen

Auch Ingrid Klimke ist sich der Gefahr ihres Sports durchaus bewusst. Sie glaubt aber, dass den Pferden gerade der Geländeritt am meisten Spaß mache: „Pferde sind eigentlich Fluchttiere, die galoppieren für ihr Leben gern und dürfen dort eben auch galoppieren. Da geht es rauf, runter, mal ins Wasser, mal über einen Baumstamm. All die Dinge, die sie in ihrer Natur auch erlebt hätten. Ich habe immer das Gefühl, das kommt denen einfach am nächsten.“

Die bitterste Entscheidung im Olympischen Vielseitigkeitswettbewerb liegt erst vier Jahre zurück. Die deutsche Mannschaft hatte sich durch den letzten Ritt von Bettina Hoy Gold und die Amazone sich auch noch den Einzelsieg gesichert.

Hinrich Romeike, Ingrid Klimke, Andreas Dibowski, Bettina Hoy und Frank Ostholt (von links nach recht) zeigen mit Stolz ihre Goldmedaillen bei den Olympischen Sspielen 2004 in Athen. (AP Photo/Diether Endlicher)

Kurzes Glück: der deutschen Military-Mannschaft wurde die Goldmedaillen von Athen aberkannt.

Doch der große Jubel im deutschen Team wich bald nach der Siegerehrung blankem Entsetzen. Nach tagelangen Diskussionen, Protesten und Einsprüchen fiel die Entscheidung: Die deutschen Reiterinnen und Reiter mussten ihre Goldmedaillen zurückgeben, weil Hoy im Parcours die Startlinie unerlaubterweise zweimal überquert hatte.


„Wir wollen Gold“

Ingrid Klimke und Co. mussten zuhause die Goldmedaillen in ein Päckchen packen und nach Frankreich schicken: „Das war irgendwie auch ein ganz komisches Gefühl. Dann haben wir uns vorgestellt, wie das wohl für die anderen sein muss, die jetzt das Päckchen aufmachen und sich die Medaille umhängen. Das kann bestimmt keine große Freude gewesen sein. Denn den Moment der Siegerehrung und die Ehrenrunde, das haben wir miterlebt, das durften wir wenigstens noch mitnehmen in unsere Erinnerungen.“

Als amtierender Weltmeister gehört die deutsche Mannschaft neben dem viermaligen Olympiasieger Australien zum engsten Favoritenkreis für den Gewinn der Goldmedaille in Hongkong. Motivieren braucht das Team auf jeden Fall niemand mehr, so Klimke: „Wir wollen auf jeden Fall mit Mannschaftsgold nach Hause kommen.“

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