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Politik

Vielleicht hilft ein Stoßgebet

Die europäische Verfassung ist nach dem Nein der Franzosen und der Niederländer - politisch - tot. Doch so mancher (sind es nicht sogar sehr viele?) in Brüssel und anderswo will sie wieder beleben.

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So mancher will nicht hinnehmen, dass die Verfassung vom Volk nicht geliebt wird. Also sinnt man auf Abhilfe. Die einen denken daran, die Verfassung abzuspecken, um sie so besser goutierbar zu machen. Das wäre eine Häppchenverfassung. Andere hoffen auf einen neuen Anlauf, weil das Volk ja bekanntermaßen vergesslich sein kann.

Merkel verlegt sich aufs Transzendente

Die deutsche Bundeskanzlerin dagegen hat sich gleich aufs Transzendente verlegt. Sie möchte den Gottesbezug - den eine Mehrheit von Laizisten, Atheisten, Agnostikern, Ungläubigen, Republikanern bei der Diskussion abgelehnt hatte, sehr zum Unmut beispielsweise der Polen - doch noch reindrücken. Hintenrum, und wahrscheinlich erleuchtet von ihrer Privataudienz beim Papst in Castelgandolfo. Immerhin, eine christliche Position - die im Vorfeld des Papstbesuchs in Bayern ja auch in die Landschaft hineinpasst.

Dagegen hat sich der Schnellmotoriker der europäischen Sozialisten, der Deutsche Martin Schulz, sofort in Stellung gebracht - und - für seine Verhältnisse eher moderat festgestellt: er halte es nicht für sinnvoll, eine abgeschlossene Diskussion wieder aufzunehmen und einen mühsam erreichten Kompromiss infrage zu stellen.

Zum Streit mit den Gläubigen bereit

Gut gebrüllt, sozialistischer Löwe, denkt man da - und nicht nur in Brüssel. Bloß, die Diskussion über die Verfassung muss ja eh wieder aufgenommen werden. Wer sie - oder Teile von ihr - doch noch durchsetzen will - der muss zum Streit bereit sein - auch mit den Gläubigen. Und wenn schon neuer Streit, dann doch richtig.

Vielleicht ist ja gerade die schnöde, technokratische Art des Verfassungs-Vertrags abgelehnt worden. Und vielleicht hilft der Bezug auf Gott und auf den Glauben den Eurokraten eher als eine neue Debatte über das Althergebrachte, das beim Volk nicht mehrheitsfähig war. Und vielleicht hilft auch einfach nur ein Stoßgebet. Das hat ja schon manche Krise beendet. Frage nach beim deutschen Papst - bei Benedikt dem 16. in Rom. Und ist nicht dort der Geburtsort der europäischen Einigung?

  • Datum 30.08.2006
  • Autorin/Autor Alexander Kudascheff
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  • Permalink http://p.dw.com/p/91aB
  • Datum 30.08.2006
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