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Politik

Vielfalt ist Programm: Portugiesischsprachige Staaten

Es ist die portugiesische Sprache, die sie verbindet, die acht Länder der Gemeinschaft der portugiesischsprachigen Staaten CPLP. In Westafrika feiert die Staatengemeinschaft jetzt zehnjähriges Bestehen und zieht Bilanz.

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Die acht Mitgliedsstaaten feiern ihre Gemeinschaft im westafrikanischen Bissau

Vielfalt ist Programm: von der ehemaligen europäischen Kolonialmacht Portugal über die afrikanischen Republiken Kapverden, Guinea-Bissau, Sao Tomé e Príncipe, Angola und Mosambik über die lateinamerikanische Großmacht Brasilien bis zum jüngsten Staat der Erde, Ost-Timor in Südostasien. Vor zehn Jahren - am 17.7.1996 - haben sich diese Staaten in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Staaten (Comunidade dos Países de Língua Portuguesa, CPLP) zusammengeschlossen, um sich untereinander besser abzustimmen und nach außen möglichst gemeinsam aufzutreten. Mit einem Gipfeltreffen feiert die Staatengemeinschaft im westafrikanischen Bissau ihr Jubiläum.

Der Commonwealth dürfte fast allen ein Begriff sein. Die CPLP dagegen ist selbst in einigen portugiesischsprachigen Ländern einem Großteil der Bevölkerung unbekannt. "Ich gebe zu, dass wir uns mehr anstrengen müssen, um die CPLP sichtbarer zu machen", sagt der Exekutivsekretär der CPLP, Luís Fonseca. "Es handelt sich um eine Organisation, die noch klein und jung ist. Sie ist auf großen Enthusiasmus und teilweise übertrieben hohe Erwartungen gestoßen. Auf der anderen Seite verfügt sie aber nur über begrenzte Ressourcen, um diesen Erwartungen gerecht zu werden."

Zu wenig politischer Einfluss

Sinnbild für die Schwäche der CPLP ist das zugehörige Internationale Institut der Portugiesischen Sprache IILP (Instituto Internacional da Língua Portuguesa), das seit seiner Gründung vor mehr als zehn Jahren aus Mangel an Finanzmitteln keine konkrete Arbeit leisten konnte. Auffällig ist auch, dass es der CPLP nicht gelungen ist, bei politischen Krisen in den Mitgliedsländern entscheidenden Einfluss zu nehmen. Zuletzt wurde das vor wenigen Wochen bei den Unruhen in Ost-Timor deutlich, wo Australien als Ordnungsmacht klar den Ton angab.

Doch für den Exekutivsekretär Luís Fonseca ist die CPLP nicht so schwach wie ihr Ruf. Als Beweis dafür führt der Diplomat von den Kapverden an, dass sich die portugiesischsprachigen Länder in internationalen Organisationen inzwischen deutlich besser abstimmten als früher. Außerdem konzentrierten Portugal und Brasilien ihre Entwicklungszusammenarbeit inzwischen auf die anderen portugiesischsprachigen Staaten. "Die CPLP macht viel mehr, als wahrgenommen wird", sagt Fonseca. "Darin liegt vielleicht ein Fehler unserer Organisation: Wir bringen es nicht immer fertig, die Erfolge unserer Arbeit zu verkaufen. Das trägt dann wieder zu dem Image einer ineffizienten Organisation ohne Einfluss bei."

Gemeinsame Wurzeln und große Vielfalt

In den portugiesischsprachigen Ländern der CPLP leben insgesamt etwa 230 Millionen Menschen. Zehn Jahre nach ihrer Gründung bleibt die Gemeinschaft durchaus attraktiv. So haben das spanischsprachige Äquatorial-Guinea und das englischsprachige Mauritius beantragt, als Mitglieder mit Beobachtungsstatus aufgenommen zu werden.

Die Gewerkschafts-Dachverbände aus den portugiesischsprachigen Ländern möchten gerne einen Beraterstatus erhalten. "Die CPLP ist für die Portugiesen nicht nur eine Gemeinschaft, die eine gemeinsame Sprache hat. Sie verfügt über eine gemeinsame Geschichte. Diese hat uns in der Vergangenheit zwar auch getrennt, aber heute sind wir in dem Streben nach Demokratie, Freiheit und Unabhängigkeit wieder vereint", sagt Joao Proenca, Generalsekretär der portugiesischen UGT (Uniao Geral de Trabalhores). "Es ist wichtig, diese gemeinsamen Bande zu verstärken. Denn die Kulturen gewinnen, wenn sie sich vermischen und interagieren. Der Reichtum der portugiesischsprachigen Gemeinschaft liegt in der Tatsache, dass wir sowohl über gemeinsame Bande und Wurzeln als auch über eine große Vielfalt verfügen."

Gipfel den Lebensumständen angepasst

Einiges Kopfzerbrechen bereitete vor dem Gipfel der Veranstaltungsort Bissau, die Hauptstadt eines der zehn ärmsten Länder der Welt, Guinea-Bissau. Vom Bürgerkrieg im Jahr 1998 hat sich das Land bis heute noch nicht wieder richtig erholt, außerdem wird es seit Jahren von Regierungskrisen geplagt. Dazu kommen die praktischen Schwierigkeiten: So gab es vor dem Gipfel gerade einmal 200 Betten in Hotels und Pensionen in Bissau - erwartet wurden aber 400 Gäste der diversen Delegationen und 100 Journalisten. "Wir hatten einige Schwierigkeiten aufgrund der knappen Ressourcen hier im Land" sagt Jacira Gomes, Sprecherin der Organisationskomitees des Gipfels. "Aber zum Glück sind die Dinge wirklich gut gelaufen. Wir haben keinen Gipfel hier, wie er in Portugal, Brasilien oder Angola möglich wäre - diese Länder verfügen über mehr Ressourcen als Guinea-Bissau. Wir haben nun aber einen Gipfel, der unseren Lebensumständen angepasst ist."

Guinea-Bissau hat es immerhin geschafft, die schlimmsten Kritiker Lügen zu strafen, die vor einem kompletten Scheitern des Gipfels gewarnt hatten. Das Kongresszentrum entstand in einer Rekordzeit von vier Monaten aus den Ruinen des im Bürgerkrieg zerstörten ehemaligen Parlamentsgebäudes. Möglich gemacht hat dies eine algerische Firma. Brasilien lieferte ein Feldhospital und spendete 460.000 Euro für die Organisation des Gipfels. Auch Portugal schenkte eine halbe Million Euro. Dazu kam Unterstützung von unerwarteter Seite: die Volksrepublik China überwies 800.000 US-Dollar. Libyen lieferte in einem Frachtflugzeug zehn Luxus-Limousinen als Leihgabe. Damit sollen die Staatschefs während des Gipfels angemessen durch Bissau transportiert werden können.

Die Fahrt in den libyschen Limousinen werden die Staatschefs aus Brasilien und Ost-Timor verpassen, die dem Treffen fern bleiben. Der Gipfel mutiert daher in erster Linie zu einer europäisch-afrikanischen Veranstaltung. Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva zog es vor, auf den G-8 Gipfel in Sankt Petersburg zu fahren. Der Staatspräsident von Ost-Timor, Xanana Gusmao, wollte sein Land aufgrund der aktuellen politischen Krise nicht verlassen.

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