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Kultur

Vielen Muslimen reicht Bedauern des Papstes nicht aus

Trotz persönlichen Bedauerns kann der Papst die Empörung in der islamischen Welt über seine Regensburger Rede kaum besänftigen. Im Irak wurden deutsche Flaggen verbrannt, in Somalia eine italienische Nonne erschossen.

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Irakische Schiiten verbrennen deutsche Flaggen als Protest gegen Papst-Rede

Einen Tag nach der Ermordung einer Nonne in Somalia gibt es Spekulationen, die umstrittene Regensburger Papstrede könnte der Funke gewesen sein, der die Tat ausgelöst habe. Die 65-jährige Nonne Leonella war am Sonntag (17.9.2006) in Mogadischu zusammen mit ihrem Leibwächter auf einer Straße vor einem Krankenhaus des SOS-Kinderdorfes erschossen worden.

"Ein Ort wie Mogadischu ist unberechenbar, und es ist schwer zu sagen, was das Motiv ist", sagte Willy Huber, Regionaldirektor der SOS-Kinderdörfer, der den Leichnam der Nonne am Montag (18.9.2006) nach Nairobi überführte. Dagegen betonte Yusuf Mohamed Siad, der Sicherheitsbeauftragte der Union der Islamischen Gerichte, die Mogadischu kontrolliert: "Wir nehmen an, dass die Tat im Zusammenhang mit den Äußerungen des Papstes steht." Zuvor hatten fundamentalistische Kleriker in Mogadischu zur "Jagd auf den Papst" aufgerufen.

Papst drückt persönlich sein Bedauern aus

Papst entschuldigt sich so halb

Angelusgebet in Castel Gandolfo

Der Papst hatte bei einem Vortrag in Regensburg unter anderem die Äußerung eines byzantinischen Kaisers zitiert, der Begründer des Islams, Mohammed, habe "nur Schlechtes und Inhumanes" in die Welt gebracht. Dies hatte in der moslemischen Welt heftige Proteste hervorgerufen.

Am Sonntag bekundete Benedikt XVI. beim Angelusgebet in Castel Gandolfo erstmals persönlich Bedauern über diese Reaktionen. Die wirkliche Bedeutung seiner Ausführungen zum Thema Islam an der Universität Regensburg sei "eine Einladung zum aufrichtigen und ehrlichen Dialog" gewesen, sagte Benedikt. Er betonte: "Es handelte sich dabei um ein Zitat eines mittelalterlichen Textes, der in keiner Weise mein persönliches Denken widerspiegelt."

Kaschmir protestiert mit Streik gegen Papst-Rede

Nichtsdestotrotz hält die Kritik an der Regensburger Rede des Papstes in anderen Teilen der islamischen Welt weiter an. In der südirakischen Stadt Basra wurden am Montag bei einer Protestkundgebung deutsche Fahnen und Papst-Puppen verbrannt. An dem Demonstrationszug beteiligten sich mehrere Hundert Schiiten. Sie forderten von Benedikt XVI. eine "Entschuldigung" für seine Äußerungen über den "Dschihad" und den Propheten Mohammed.

Proteste nach Papst-Zitat Indischer Polizist löscht Feuer nach Demonstration

Proteste in Indien: Polizist löscht Feuer nach Demonstrationen

Nach einem Aufruf islamischer Politiker zum Proteststreik gegen die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. sind am Montag (18.9.2006) im indischen Bundesstaat Kaschmir viele Läden und Behörden geschlossen geblieben. Der Verkehr in der moslemisch dominierten Sommerhauptstadt Srinagar war schwach, viele Geschäfte und Ämter folgten dem Aufruf zu dem eintägigen Proteststreik. Aufgerufen zu dem Ausstand hatte die Hurriyat-Konferenz, ein von islamischen Gruppierungen getragenes Parteienbündnis.

"Tag des friedlichen Zorns"

Die Islamische Aktionsfront (IAF), Jordaniens stärkste Partei, liest aus den jüngsten Äußerungen von Papst Benedikt XVI. kein Bedauern heraus, sondern eine neue "Beleidigung" der islamischen Religion. Die Partei forderte eine "unmissverständliche Entschuldigung".

Das geistliche Oberhaupt Irans, Ayatollah Ali Chamenei, sagte am Montag: Die Passagen der Papst-Rede in Regensburg seien das "letzte Glied eines Komplotts für einen Kreuzzug". Der Papst-Rede seien die Veröffentlichung der "beleidigenden" Karikaturen des Propheten Mohammed und Äußerungen westlicher Politiker vorausgegangen.

Ein einflussreicher islamischer Würdenträger hat die Moslems weltweit für nächsten Freitag zu einem "Tag des friedlichen Zorns" aufgerufen. Scheich Karadawi appellierte am Sonntag im katarischen Fernsehsender El Dschasira, mit Demonstrationen und Sit-Ins nach der Freitagspredigt in den Moscheen gewaltlos gegen das katholische Kirchenoberhaupt zu protestieren.

Kurie kritisiert Papst

Sogar innerhalb der Kurie, also bei den römischen Mitarbeitern des Papstes bei der Führung der Weltkirche, wurde erstmals seit der Papstwahl im April 2005 Kritik an Benedikt XVI. laut. Die Turiner Zeitung "La Stampa" sprach von "Missstimmung in der Kurie" wegen der umstrittenen Papstäußerungen. Das Blatt zitiert ein Kurienmitglied: "Mit Karol Wojtyla (Papst Johannes Paul II.) wäre das nicht passiert."

Dagegen begrüßten muslimische Organisationen in Deutschland und Frankreich die Klarstellungen Benedikts XVI. und sein Bedauern. Und ein Sprecher der ägyptischen Muslimbruderschaft sagte am Sonntag in Kairo: "Gleichgültig, ob er [der Papst] es in guter oder schlechter Absicht gesagt hat, wir akzeptieren seine Entschuldigung, denn wir wollen keine Krise zwischen Muslimen und Christen heraufbeschwören." (ana)

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