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Politik

"Viele wären froh, wenn Sadr verschwindet"

Die Positionen von Moktada el Sadr und Ijad Allawi könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Sadr im Irak einem Gottesstaat errichten will, verfolgt Allawi genau das Gegenteil: eine Trennung von Staat und Religion.

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Wenig Grund zum Lachen: Ijad Allawi

Die eigentliche Aufgabe des Chefs der irakischen Übergangsregierung Ijad Allawi ist es, für 2005 freie Wahlen im Irak vorzubereiten. Doch die Auseinandersetzung mit dem Schiitenführer Sadr hält ihn davon ab. Stattdessen kämpft Allawi um sein politisches Überleben. Mit jedem Tag, den die Kämpfe um die von El Sadr besetzte Iman-Ali-Moschee andauern, verliert Allawi an Autorität.

Allawi muss diesen Kampf gewinnen

Die Auseinandersetzung der beiden Schiiten steht für das Aufeinanderprallen zweier unterschiedlicher Politikmodelle für den Irak. "Allawis Ziel ist es eine politische Struktur zu errichten, in dem Staat und Religion voneinander getrennt sind, nach westlichen Vorbild", sagte Ferhad Ibrahim in einem Gespräch mit DW-WORLD. Ibrahim ist Professor für Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin. "Allawi muss diesen Kampf gewinnen und das wird er auch", so Ibrahim. Er kenne Allawi persönlich. "Er ist ein sehr entschlossener Mann und ein guter politischer Taktiker." Falls Sadr mit seiner Besetzung des schiitischen Heiligtums Erfolg hat, befürchtet Ibrahim eine weitere Destabilisierung des Iraks, dessen schlimmste Folge ein Auseinanderbrechen des Landes sei.

Weiterhin Straßenkämpfe in Nadschaf

Anhänger Sadrs liefern sich Straßenkämpfe mit regulären irakischen Truppen

Im Gegensatz zu Allawi will Sadr im Irak einen Gottesstaat nach iranischem Vorbild errichten. Um auf seine Position aufmerksam zu machen, besetzte er vor drei Wochen die Iman-Ali-Moschee, eines der wichtigsten Heiligtümer der Schiiten. "Auf einem anderen Weg hätte er niemals die Aufmerksamkeit der Gelehrten des Iraks erhalten, denn die wollen Sadr nicht als einen der Ihrigen anerkennen. Er ist kein Ayatollah", sagt Ibrahim. El Sadr habe nicht viele Anhänger. "In Al Thawra, dem Armenviertel Bagdads, ist er hingegangen und hat den Pöbel mobilisiert, die Handlanger des alten Regimes. Das erinnert mich ein bisschen an dem Aufstand von Ayatollah Chomenei, der ähnlich vorging", so Ibrahim.

Sadr braucht seine Radikalität

Gleichzeitig stellt El Sadr sich als Streiter gegen die Amerikaner dar. "Ich bin ein Feind Amerikas und Amerika ist mein Feind bis zum Tag des jüngsten Gerichts", lautet einer seiner Kernaussagen. "Ansonsten bleiben seine politischen Forderungen eher im Diffusen", so Ibrahim. "Und Sadr braucht seine radikale Einstellung, andernfalls würden ihm die Anhänger davon laufen." Ansonsten hätte El Sadr nicht das Angebot des Nationalrates abgelehnt. Der hatte ihm, für den Fall der Beendung der Besetzung, Straffreiheit gewährt und ihm angeboten, eine politische Partei zu gründen. Sadr lehnte ab. "Er ist kein guter Politiker. Er braucht Radikalität, um sich weiterhin Gehör zu verschaffen."

Des Weiteren symbolisiert der Kampf zwischen Allawi und Sadr die Auseinandersetzung zwischen der zentralen Regierungsgewalt und den privaten Milizen, die nach dem Sturz Saddam Husseins wie Pilze aus dem Boden schossen. Dabei steht Allawi für eine starke Zentralregierung. "Mit der militärischen Hilfe der USA könnten die Regierung dem Aufstand in Nadschaf in kürzester Zeit beenden, aber sie geht behutsam vor", sagte Ibrahim. Die Schiiten im Land sollen nicht aufgebracht werden, daher sollen es auch irakische Nationalgardisten sein, welche dem Aufstand ein Ende bereiten, wenn es soweit ist. Am Dienstag (28.8.2004) forderte Iraks Verteidigungsminister Hasim al-Schalaan die schiitischen Rebellen ultimativ auf, sich binnen Stunden zu ergeben. Andernfalls würden sie vernichtet. "Viele Schiiten wären froh, wenn Sadr endlich von der Bühne verschwinden würde", so Ibrahim.

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