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Asien

Viele Tote und Verletzte bei Uiguren-Protest

Bei Ausschreitungen zwischen der Polizei und demonstrierenden Angehörigen der Uiguren sind fast 160 Menschen getötet worden. Die Regierung in Peking gibt den Exil-Uiguren die Verantwortung.

Umgestürztes Auto in Urumqi (Foto: AP)

Bilder des chinesischen Staatssenders aus Urumqi

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag (06.07.2009) berichtete, wurden mindestens 156 Menschen bei Ausschreitungen zwischen chinesischen Sicherheitskräften und Angehörigen der Minderheit der Uiguren in der Provinz Xinjiang getötet. Es soll mehr als 800 Verletzte gegeben haben. Die Zahl der Todesopfer könne weiter steigen. Über die ethnische Herkunft der Toten und Verletzten machte die Agentur keine Angaben. Zahlen eines Krankenhauses belegen allerdings, dass vor allem Han-Chinesen Zielscheibe der Proteste waren.

Nächtliche Straßenszene mit ausgebrannen Bussen(Foto: AP)

Randalierende Uiguren steckten Fahrzeuge in Brand und griffen Passanten an

An den Unruhen in Urumqi, der Hauptstadt der autonomen Region, sollen sich seit Sonntag rund 3000 Uiguren beteiligt haben. Sie stürmten Polizeiabsperrungen, griffen Busse an und steckten Autos in Brand. Am Montagabend soll es in anderen Städten der Provinz zu weiteren Unruhen gekommen sein, die von der Polizei unterbunden wurden. Unter anderem seien in Kashi rund 200 Demonstranten, die sich vor der größten Moschee in China versammelt hatten, mit Tränegas auseinandergetrieben worden. Insgesamt rund 700 Demonstranten wurden nach offiziellen Angaben festgenommen, darunter zehn Rädelsführer, sagte ein Polizeisprecher der Agentur Xinhua. Etwa 90 Unruhestifter würden noch gesucht.

Dramatische Bilder im Staatsfernsehen

Das chinesische Staatsfernsehen zeigte dramatische Bilder von blutenden, am Boden liegenden Han-Chinesen. Zu sehen war, wie Demonstranten ein Polizeiauto umwarfen. Andere Autos lagen brennend auf dem Dach.

Polizisten und Demonstranten (Foto: AP)

Die Demonstration wurde von einem massivem Polizeiaufgebot begleitet

Die Unruhen entflammten nach einer zunächst friedlichen Kundgebung am Sonntag. Auf dieser forderten Uiguren die Untersuchung einer Auseinandersetzung in einer Spielzeugfabrik in Südchina. Dabei ging es um die angebliche Vergewaltigung zweier Han-Chinesinnen durch Uiguren. Als sich die Uiguren weigerten, ihre Demonstration zu beenden, eskalierte die Lage.

Schwierige Nachrichtenlage

Unabhängige Bestätigungen für Nachrichten aus der Region sind schwer zu bekommen. Praktisch alle Internetverbindungen in der Region wurden gekappt. Die Behörden verhängten nach unbestätigten Berichten in Urumqi und zwei weiteren Städten eine Ausgangssperre, nachdem im Internet Aufrufe zu weiteren Protesten erschienen waren.

Karte der Provinz Xinjiang (Quelle: DW/Olof Pock)

Die chinesischen Behörden machten den in den USA sitzenden Weltkongress der Uiguren für die Unruhen verantwortlich. Der Weltkongress seinerseits berichtete, Dutzende Uiguren seien von der Polizei erschossen oder zu Tode geprügelt wurden. Im Sender MDR Info wies WUC-Vizechef Asgar Can die Anschuldigungen Pekings zurück. "Das war allein ihre Entscheidung", sagte Can mit Blick auf seine Landsleute. "Sie wollen es nicht länger hinnehmen, als Menschen zweiter Klasse behandelt zu werden.“

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte eine friedliche Lösung des Konflikts. Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit seien Grundrechte und müssten respektiert werden, sagte er in Genf.

Roth: "Der Verdacht liegt nahe"

Deutsche Politiker forderten Aufklärung über das Geschehen. "Wir brauchen jetzt eine schnelle und vorbehaltlose Aufklärung, wie es zu über 140 Toten und Hunderten von Verletzten kommen konnte und wer dafür die Verantwortung trägt", sagte Grünen-Chefin Claudia Roth am Montag in Berlin. "Auch die Sperrungen und Behinderungen der Kommunikationswege legen den Verdacht nahe, dass die chinesische Regierung die Aufklärung massiv behindern will."

"Mit ihrem massiven Gewalteinsatz gegen Demonstranten haben die chinesischen Staatsorgane die Grenze des Zulässigen überschritten", erklärte SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow in Berlin.

Langer Kampf für Unabhängigkeit

Die Uiguren sind eine muslimische Minderheit und fühlen sich von der Zentralregierung in Peking unterdrückt, genauso wie die benachbarten Tibeter. Mit mehr als acht Millionen Menschen stellen sie in Xinjiang etwa die Hälfte der Bevölkerung. In der Hauptstadt der Provinz Urumqi sind sie infolge der Ansiedlungspolitik Pekings in die Minderheit geraten.

Seit Peking sich das Gebiet 1955 als "autonome Region" einverleibte und Han-Chinesen ansiedelte, kämpft das muslimische Turk-Volk für seine Unabhängigkeit. Nach mehreren Jahren relativer Ruhe war die Gewalt 2008 vor den Olympischen Sommerspielen in Peking wieder aufgeflammt. Bei Bombenanschlägen und anderen Gewaltakten in Xinjiang kamen nach amtlichen Angaben mehrere Dutzend Menschen ums Leben. Die autonome Provinz ist reich an Bodenschätzen und für Peking von strategischer Bedeutung. (ter/mas/dpa/ap/afp/rtr)

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