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Politik

Viele Tote und Verletzte bei Angriffen in Gaza

Bei einer Serie von israelischen Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen sind bis zum späten Montagabend (20.10.) zahlreiche Menschen getötet worden. Bis zu 100 weitere wurden verletzt.

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Opfer der israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen

Die jüngsten Angriffe der israelischen Streitkräfte gehörten zu den schwersten seit Beginn der Intifada vor drei Jahren. Unter den 100 Verletzten waren auch mehrere Kinder. Die ersten drei Angriffe waren bereits binnen vier Stunden am Montagmorgen (20.10.2003) erfolgt, der vierte in der Nacht zum Dienstag. Der schwerste Angriff erfolgte in der Nacht inahe des Flüchtlingslagers El Buredsch, wo Kampfhubschrauber zwei Raketen auf ein Auto abfeuerten.

Über die Zahl der Toten gab es unterschiedliche Angaben der Nachrichtenagenturen. Einige berichteten von sieben Toten, andere von 13. Augenzeugen zufolge war unter den Toten auch ein Arzt, der nach dem ersten Raketeneinschlag Opfer behandeln wollte und kurz darauf von dem zweiten Geschoss getroffen wurde.

Anschuldigungen

Der Angriff in der Nacht nahe des Flüchtlingslagers El Buredsch habe einer Gruppe militanter Palästinenser gegolten, die zuvor versucht habe, nach Israel zu gelangen, und dann mit einem Auto geflohen sei, verlautete aus israelischen Sicherheitskreisen. Soldaten, die sich zuvor an der Grenzanlage einen Schusswechsel mit den Palästinensern geliefert hatten, hätten einen Kampfhubschrauber zur Unterstützung angefordert. Agenturangaben zufolge saß der lokale Anführer der Essedin-el-Kassam-Brigaden in dem Auto. Die Brigaden gelten als der bewaffnete Arm der Hamas-Organisation. Der Mann habe den Angriff überlebt, hieß es.

Der israelischen Armee zufolge wurden vor den abendlichen Angriffen Kassam-Raketen vom Gazastreifen auf den Süden Israels gefeuert. Dabei sei jedoch niemand verletzt worden.

"Massaker"

Der palästinensische Cheunterhändler Sajeb Erakat nannte den Angriff in Nusseirat ein "Massaker". Er habe die Verantwortlichen der US-Regierung, der EU, der UNO und verschiedener Länder aufgefordert, einzugreifen und das palästinensische Volk zu schützen, "indem sie der blutigen und gefährlichen Eskalation unverzüglich ein Ende setzen", sagte Erakat in Gaza.

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon sagte vor dem israelischen Parlament, der Friedensplan des Nahost-Quartetts aus USA, EU, UNO und Russland sei "die einzige Hoffnung, den Frieden zu erreichen". Das größte Hindernis für den Frieden in der Region sei nach wie vor Palästinenserpräsident Jassir Arafat. Der Regierungschef bekräftigte, der Bau der israelischen Sperranlagen im Westjordanland solle beschleunigt werden.

Ausreise empfohlen

Ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington nannte die Äußerungen "kontraproduktiv". Die Einstellung der US-Regierung, dass Aktionen gegen Arafat nicht hilfreich seien, sei unverändert. Dies betreffe sowohl eine mögliche Ausweisung des Palästinenserpräsidenten als auch andere Maßnahmen.

Die US-Regierung forderte ihre Bürger erneut zum Verlassen des Gebietes auf. Außerdem wiederholte die Regierung die bereits in der Vorwoche ausgegebene Warnung, geplante Reisen nach Israel und in die palästinensischen Autonomiegebiete zu verschieben, da das "Risiko weiterer terroristischer Taten weiterhin hoch" sei. Die Warnung war bereits am Mittwoch von der amerikanischen Botschaft in Tel Aviv ausgegeben worden, nachdem drei US-Bürger bei einem Angriff auf einen Botschaftskonvoi im Gazastreifen getötet wurden.

Die UN-Vollversammlung in New York verschob die Abstimmung über zwei Israel-kritische Resolutionen. Die am Montag begonnene Debatte sollte am Dienstag fortgesetzt werden. Zur Abstimmung steht unter anderem die Resolution zur Verurteilung der Sperranlage, die vergangene Woche im Sicherheitsrat am US-Veto gescheitert war. (mas)

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