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Kultur

Viele Tote bei Schneechaos in China

China leidet unter dem schlimmsten Schneechaos seit 50 Jahren. Die Bilanz der vergangenen Tage sieht düster aus: Immer mehr Todesopfer, Hunderttausende gestrandete Passagiere an Busstationen, Flughäfen und Bahnhöfen.

Passagiere vor dem Bahnhof in Wuhan/ Zentralchina (28.01.008, AP)

Gestrandet: Passagiere vor dem Bahnhof in Wuhan/ Zentralchina

In China sind wieder zahlreiche Menschen dem Schnee- und Eischaos zum Opfer gefallen. Am Dienstag (29.01.2009) kamen bei einem Busunglück mindestens 25 Menschen ums Leben. Das überfüllte Fahrzeug war von einer vereisten Hangstraße abgekommen und 40 Meter tief in ein Tal gestürzt. 24 Chinesen waren schon in den vergangenen Tagen bei Unfällen ums Leben gekommen. Einige starben auch, als ihre Häuser unter den Schneemassen einstürzten.

Stärkste Reisezeit des Jahres

Zwei Züge auf verschneiter Brücke (27.01.2008, AP)

Stromausfälle machen China zu schaffen

Das Schneechaos kommt ausgerechnet zur stärksten Reisezeit vor dem traditionellen Neujahr, Chinas wichtigstem Familienfest. Nach Angaben der Behörden sind 78 Millionen Menschen in 14 Provinzen Süd-, Zentral- und Ostchinas von dem Unwetter betroffen. 500.000 Reisende waren am Wochenende am Bahnhof der südchinesischen Stadt Guangzhou (Kanton) gestrandet, Dienstag sollen es noch 200.000 gewesen sein. 100 Wartende seien dort wegen Unterzuckerung in den vergangenen Tagen in Ohnmacht gefallen. Auf dem Bahnhofsplatz mussten zehn Notunterkünfte, 40 zusätzliche Toiletten und Essenstände aufgestellt werden. "Ich muss jeden Tag mindestens 50 Yuan (5 Euro) für Essen ausgeben", klagte der Wanderarbeiter Jin Zhiyun, der mit seiner Frau bereits seit 48 Stunden vor der Bahnstation ausharrte, den Staatsmedien sein Leid.

Kältewelle hält an

Dem Wetteramt zufolge dürfte es noch einige lang so Tage kalt bleiben. Selbst im sonst milden Shanghai blieb dieser Tage der Schnee liegen. Besonders für Chinas bis zu 200 Millionen Wanderarbeiter dürfte es nun schwierig werden, in ihre Heimatstädte zu reisen und dort mit ihren Familien am 7. Februar das "Jahr der Ratte" einzuläuten.

Soldat schiebt Schnee (29.01.2008, AP)

Schneemassen sogar im sonst so warmen Shanghai

Inzwischen flog Ministerpräsident Wen Jiabao, der sich gern als Mann des Volkes zeigt, in die schwer betroffene Zentralprovinz Hunan und präsentierte sich mit Schal und Daunenjacke den wartenden Massen im Bahnhof der Stadt Changsha. Aber auch der Regierungschef wurde vom Unwetter nicht verschont - sein Flug war zunächst in eine Nachbarprovinz umgeleitet worden.

Schwarzer Tag an der Börse

Der Kälteschock hat offenbar sogar dazu beigetragen, dass am Montag die Börsenkurse um sieben Prozent einbrachen. Medien sprachen von "schwarzen" Börsenaussichten vor "weißen" Wetterverhältnissen. Laut örtlichen Medienberichten geht in Shanghai außerdem der Kohlevorrat zu Ende. Die Regierung hat demzufolge die Transporte von Kohle verstärkt, um die Stromversorgung und damit den Verkehr wieder herzustellen. Experten führen das extreme Wetter auf den Klimawandel zurück. (vem)