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Aktuell Nahost

Viele Tote bei Kämpfen um Flughafen im syrischen Kuweiris

Zwei Jahre hatte die Terrormiliz IS den syrischen Militärflughafen Kuweiris bei Aleppo belagert. Nun gelang es der Armee mit russischer Hilfe den Belagerungsring zu sprengen. Die blutigen Kämpfe fordern viele Todesopfer.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London berichtet, bei den heftigen Gefechten im Norden Syriens seien binnen 24 Stunden mehr als 100 Kämpfer getötet worden. Die meisten Todesopfer habe die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu beklagen. Auch auf Seiten der Streitkräfte und ihrer Verbündeten habe es Verluste gegeben. Der Vorstoß gilt als wichtigster militärischer Erfolg des Regimes von Staatschef Baschar al-Assad, seit Russland Ende September mit Angriffen seiner Luftwaffe in den Bürgerkrieg eingegriffen hat.

Am Dienstag hatten Armee-Einheiten den Belagerungsring um den Militärflughafen Kuweiris östlich der Stadt Aleppo durchbrochen. Die Armee sei bis auf das Gelände des Airports vorgedrungen, meldeten die Beobachtungsstelle und Regierungsmedien. Sollte die Armee ihre Position halten können, wäre es einer der größten Erfolge des Regimes gegen den IS überhaupt. Der Flughafen Kuweiris liegt inmitten eines Gebiets, das die Dschihadistenmiliz kontrolliert. Dort waren bislang Hunderte Anhänger des Regimes von den Extremisten eingeschlossen. Russische Luftangriffe unterstützten die Truppen des Assad-Regimes bei dem Vormarsch, wie die Beobachtungsstelle erklärte. Die Armee und ihre Verbündeten hatten im September eine Offensive begonnen, um den Belagerungsring um den Flughafen zu durchbrechen.

Auch Al-Hader zurückerobert

Armee-Einheiten und verbündete schiitische Hisbollah-Milizen aus dem Libanon brachten unterdessen das strategisch wichtige Dorf Al-Hader südlich von Aleppo unter ihre Kontrolle, wie das Militär mitteilte. Nach Angaben der Beobachtungsstelle unterstützten syrische und russische Kampfflugzeuge den Vorstoß. Der Ort liegt nur zehn Kilometer von der Schnellstraße zwischen Aleppo und Damaskus entfernt. Bisher wurde er von Verbänden der Al-Nusra-Front und anderen islamistischen Gruppen kontrolliert.

In der Vergangenheit musste die syrische Armee gegen den IS mehrere Niederlagen hinnehmen. So verlor sie vor mehr als einem Jahr den Militärflughafen Al-Tabka in Nordsyrien. Danach töteten die Extremisten dort mehr als 100 gefangene syrische Soldaten.

Kalte Schulter für russischen Plan

Derweil treten die diplomatischen Bemühungen um eine Eindämmung des Konflikts offenbar auf der Stelle. Der Westen lehnte am Mittwoch die russischen Pläne für eine politische Lösung ab. "Wir haben die russischen Vorschläge zur Kenntnis genommen", sagte der britische UN-Botschafter Matthew Rycroft in New York. Der russische Acht-Punkte-Plan sei aber nicht essentiell für die Syrien-Gespräche am Samstag in Wien. Auch andere westliche Diplomaten halten den russischen Friedensplan für irrelevant, da er keine klaren Aussagen zur Zukunft Assads enthält.

Russland ist ein enger Verbündeter der syrischen Staatsführung und unterstützt die Streitkräfte seit September auch militärisch. Die USA, die europäischen Staaten und Saudi-Arabien pochen dagegen darauf, dass Assad die Macht abgibt.

Dem russischen Vorschlag zufolge soll in Syrien unter Beteiligung der Opposition zunächst eine neue Verfassung ausgearbeitet und per Referendum bestätigt werden. Anschließend sollen dann Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden. Ein Ausschluss Assads von der Wahl sieht das Moskauer Papier aber nicht vor. "Das reicht einfach nicht", sagte der Vertreter eines westlichen UN-Sicherheitsratsmitglieds. Ein Abkommen zu Syrien müsse zwingend sicherstellen, dass "Assad am Ende nicht mehr an der Macht ist".

Video ansehen 04:54

Syrien: Zwischen den Fronten

Syrien-Konferenz in Wien

In Wien beraten am Samstag rund 20 Länder über ein Ende des Bürgerkriegs in Syrien. Unter anderem werde angestrebt, eine Liste von Oppositionellen zu erarbeiten, die dann mit der Regierung in Damaskus über den politischen Übergangsprozess verhandeln sollen, sagte ein westlicher Diplomat. Die Delegationen der Teilnehmerstaaten seien aufgerufen, mögliche Kandidaten zu nennen. Am Ende sollen dann 20 bis 25 Mitglieder für zwei Kommissionen zu politischen Reformen und Sicherheitsfragen ernannt werden. Der Bürgerkrieg in Syrien hatte im März 2011 mit zunächst friedlichen Protesten gegen Assad begonnen. In dem Konflikt wurden bereits 250.000 Menschen getötet.

kle/uh (rtre, dpa, afpd)

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