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Aktuell Afrika

Viele Tote bei Anschlag auf Moschee in Kano

Nigeria ist abermals Ziel eines Terrorangriffs geworden. Mehr als 80 Menschen sterben bei einem Anschlag auf die zentrale Moschee der Stadt Kano. Eine neue Bluttat der Boko Haram - diesmal gegen Glaubensbrüder?

Kaum ein Tag vergeht in Nigeria, ohne dass in dem westafrikanischen Land ein Terroranschlag verübt wird. Die Opfer des jüngsten Anschlags: Muslime beim Freitagsgebet. Laut Augenzeugen detonierten kurz hintereinander mehrere Bomben in der Großen Moschee im Zentrum von Kano, während sich die Muslime zu den Freitagsgebeten versammelten. "Wir wollten das Gebet verrichten, dann plötzlich sahen wir einen Jungen in einem Auto, dann hörten wir eine Explosion", sagte ein Augenzeuge der DW vor Ort. Andere Augenzeugen berichteten, ein weiterer Sprengsatz sei in einer nahegelegenen Straße explodiert.

Über die Anzahl der Opfer wurden zunächst unterschiedliche Angaben gemacht. Rettungskräfte sprachen von mindestens 81 Toten. Andere Augenzeugen zählten 120 Tote und 270 Verletzte. Angesichts der schwere der Verletzungen werde die Zahl der Opfer weiter steigen, sagte ein Rettungssanitäter der Nachrichtenagentur AFP.

Die Polizei sprach von chaotischen Szenen rund um den Gebäudekomplex. Zu Opferzahlen machten die Sicherheitskräfte keine Angaben. Augenzeugen berichteten, nach den Explosionen auch Schüsse gehört zu haben. Viele der Opfer sollen erschossen worden sein. In der Moschee sei Panik ausgebrochen, hieß es. "Ich habe in meinem Leben so etwas noch nicht gesehen. Überall sind Leichen und Leichenteile zu sehen, sowohl in der Moschee als auch auf dem ganzen Gelände", so ein Augenzeuge gegenüber einem DW-Reporter.

Zu dem Attentat bekannte sich zunächst niemand, im Verdacht steht aber die Extremistengruppe Boko Haram. Die Große Moschee liegt in unmittelbarer Nähe des Palastes des Emirs von Kano, Muhammad Lamido Sanusi II., der zweithöchsten muslimischen Autorität Nigeras. Der Emir soll sich derzeit jedoch derzeit außer Landes befinden. Laut lokalen Medien galt ihm der Anschlag. Der hohe Geistliche hatte die Bewohner des mehrheitlich muslimischen Landes vergangene Woche zum bewaffneten Widerstand gegen Boko Haram aufgerufen - und zwar in der nun attackierten Moschee.

Die radikal-islamistische Terrorgruppe Boko Haram verübt in der Region seit Jahren Anschläge. Ziel sind dabei nicht nur Christen, sondern auch immer wieder moderate Muslime. Den blutigen Anschlägen der Extremisten sind in den vergangenen fünf Jahren bereits Tausende Menschen zum Opfer gefallen. Die Miliz will im Norden des bevölkerungsreichsten Landes in Afrika einen Gottesstaat nach islamischem Recht aufbauen. Der Name Boko Haram heißt übersetzt "Westliche Bildung ist Sünde", die Gruppe versteht sich als Teil des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Nigerianische Sicherheitskräfte (Foto: picture alliance/AP)

Machtlos gegen Boko Haram: Nigerias Sicherheitskräfte

Hunderttausende auf der Flucht

Etwa 700.000 Frauen, Männer und Kinder aus dem Nordosten Nigerias hätten sich zuletzt vor der Gewalt der Terrororganisation Boko Haram in Sicherheit gebracht, teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR am Freitag in Genf mit. Seit Mai 2013 seien insgesamt mindestens 1,5 Millionen Menschen aus der Region geflohen.

Rund 400.000 von ihnen leiden nach Angaben der US-Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) extreme Not. Sie hätten kaum Essen, Wasser, Unterkünfte oder medizinische Versorgung.

"Die Anschläge treffen die Menschen unvorbereitet, sie kommen also buchstäblich mit dem T-Shirt, das sie am Leibe tragen", sagte die zuständige IRC-Direktorin Sarah Ndikumana. "Sie kennen niemanden, sie haben nichts und viele bekommen nichts." Weil es eine der vergessenen Krisen sei, gebe es nicht genügend Geld, um den Menschen zu helfen.

qu/ml (afpe, dpa, rtre, epd, DW-Haussa)