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Nahost

Viele Tote bei Anschlag auf Christen

Bei einem Selbstmordanschlag auf Christen in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria sind mindestens 21 Gläubige getötet worden. Politiker und Kirchenvertreter vieler Länder verurteilten den Anschlag scharf.

Umgestürztes und ausgebranntes Auto, dahinter Polizisten (Foto: AP)

Die Bombe wog nach offiziellen Erkenntnissen etwa 100 Kilo

Silvesternacht des Schreckens für Ägyptens Christen: Ein vermutlich islamistischer Terrorist zündete am Samstag (01.01.2011) gegen 0.30 Uhr vor einer koptischen Kirche eine Autobombe, als Gottesdienstbesucher das Gebäude verließen. Der Attentäter riss mindestens 21 Menschen mit in den Tod. 79 weitere Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt. Unter ihnen seien auch muslimische Passanten gewesen.

Zerstörtes Auto und Menschen auf Straße (Foto: AP)

Nach der Terrortat gingen wütende Christen auf die Straße

Die Explosion beschädigte die St. Markus- und Petri-Kirche im Stadtviertel Sidi Beschr. Dort nahmen knapp 1000 Menschen an der Neujahrsmesse teil. Die in dem Auto versteckte Bombe hatte nach Erkenntnissen des Innenministeriums in Kairo ein Gewicht von etwa 100 Kilogramm.

Vermutungen über die Drahtzieher

Zu dem Anschlag bekannte sich bisher niemand. Das Ministerium beschuldigte ohne nähere Erläuterung "ausländische Elemente" als Drahtzieher und Ausführende der Bluttat. Tatsächlich hatte kürzlich eine Gruppe mit Verbindungen zum islamistischen Terrornetz El Kaida im Irak den Christen im ganzen Nahen Osten mit Anschlägen gedroht. Die Organisation wirft den Kopten vor, zwei vom Christentum zum Islam konvertierte Frauen festzuhalten.

Nach dem Anschlag kam es zu Zusammenstößen zwischen wütenden Christen und der Polizei. Die Christen bewarfen eine nahegelegene Moschee mit Steinen. Daraufhin trieb die Polizei die Menge auseinander.

Mann auf Leiter untersucht Blutspuren an der Moschee gegenüber der Kirche, die Ziel des Anschlags war (Foto: AP)

Blutspuren an der Moschee gegenüber der St. Markus- und Petri-Kirche

Mubaraks Appell

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak rief alle Ägypter - sowohl Christen als auch Muslime - auf, sich gemeinsam dem Terrorismus und allen zu widersetzen, die die Sicherheit und Einheit des Landes bedrohten. Seine Behörden würden dafür sorgen, dass die Täter aufgespürt würden und "dem Terrorismus der Arm abgehackt" werde. Auch Herrscher und Präsidenten anderer arabischer Länder verurteilten die Tat. Entsprechende Botschaften trafen von König Abdullah II. von Jordanien, vom Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Chalifa bin Said al-Nahjan, vom saudischen Königshof sowie aus Kuwait und Katar in Kairo ein.

Deutsche Reaktionen

Die deutsche Bundesregierung zeigte sich bestürzt über den Terroranschlag. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte in Berlin: "Das zynische Vorgehen der Attentäter zeigt, wie notwendig es ist, entschlossen gegen Terrorismus und religiöse Intoleranz vorzugehen." Er fügte hinzu: "Ich verurteile diesen Akt der Brutalität gegen Menschen, die mit einer Messe friedlich das neue Jahr begehen wollten, auf das Schärfste."

Auch Kirchenvertreter reagierten bestürzt auf den Bombenanschlag. "Mein Mitgefühl und mein Gebet gelten den Hinterbliebenen der Opfer", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, äußerte sich tief erschüttert und rief zum Gebet für die Opfer auf. Und der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland teilte mit: "Wir verurteilen diesen schrecklichen und unmenschlichen Anschlag auf das Schärfste. Wer Menschen so hinterhältig und grausam Schaden zufügt und ermordet, kann sich auf keine Religion oder eine andere Weltanschauung berufen."

Diskriminierung und Angriffe

Etwa zehn Prozent der 80 Millionen Ägypter sind Christen. Wegen des Baus von Kirchen, Konversionen und Landdisputen kommt es immer wieder zu Spannungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen. Vor knapp einem Jahr hatten Terroristen zum koptischen Weihnachtsfest am 6. Januar im mittelägyptischen Nag Hammadi acht koptische Gläubige und einen muslimischen Wachmann erschossen. Auch damals kam es zu wütenden Protesten der christlichen Bevölkerung und zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. In den vergangenen Monaten kam es in mehreren Ländern des Nahen Ostens zu Anschlägen, die sich gezielt gegen Christen richteten.

Autor: Martin Schrader (afp, epd, dpa, kna, rtr)
Redaktion: Thomas Grimmer

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