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Aktuell Nahost

Viele Tote bei Anschlägen und Übergriffen im Irak

Im Kampf um die irakische IS-Hochburg Falludscha häufen sich Berichte über Verbrechen regierungstreuer schiitischer Kräfte an sunnitischen Zivilisten. In Bagdad verübte die sunnitische Terrormiliz IS schwere Anschläge.

Symbolbild: Kämpfer einer schiitischen Miliz Ende Mai im Nordwesten Falludschas (Foto: Xinhua)

Symbolbild: Kämpfer einer schiitischen Miliz Ende Mai im Nordwesten Falludschas

Im Irak eskaliert die Gewalt zwischen den Religionsgruppen: Während sich die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) zu zwei Anschlägen in Bagdad bekannte, sollen schiitische Milizen zahlreiche Sunniten getötet und misshandelt haben. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte, es lägen Informationen vor, wonach Mitglieder der Polizei und bewaffneter Milizen nördlich der umkämpften IS-Hochburg Falludscha 17 Männer eines sunnitischen Stammes erschossen hätten. Schiitische Milizen sollen demnach auch Hunderte Sunniten aus dem Umland gefangen genommen und schwer misshandelt haben.

Die irakische Armee und schiitische Milizen hatten im vergangenen Monat eine Offensive auf Falludscha begonnen, um die sunnitische Terrormiliz IS von dort zu vertreiben. Die Region wird überwiegend von Sunniten bewohnt. Spannungen zwischen den beiden großen Konfessionen gehören zu den Ursachen für die chaotische Lage im Irak. Die Sunniten fühlen sich von der Mehrheit der Schiiten diskriminiert.

Bereits in den vergangenen Tagen waren im Internet und in arabischen Medien Filme kursiert, die Übergriffe von schiitischen Kräften auf Sunniten in Orten nahe Falludscha zeigen sollen. Zu sehen ist unter anderem, wie uniformierte Männer Gefangene mit Stöcken massiv schlagen und sie beschuldigen, Komplizen des IS zu sein.

Hunderte Gefangene mit Folterspuren

Laut Human Rights Watch weisen Hunderte frühere Gefangene aus der umkämpften Region Folterspuren am Körper auf, darunter Verbrennungen sowie Verletzungen durch Messer und Schläge. Die schiitischen Milizen im Irak unterstehen offiziell dem Kommando des schiitischen Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi, führen aber ein Eigenleben. Sie kämpfen in Falludscha an der Seite der Armee. Milizenführer hatten die Anschuldigungen in den vergangenen Tagen zurückgewiesen und nur von einzelnen Verstößen gesprochen. Al-Abadi kündigte die Bildung einer Untersuchungskommission an.

Anschläge in Bagdad

In den vergangenen Wochen nahm auch die Zahl der Anschläge durch den sunnitischen IS in überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtvierteln Bagdads zu. Allein am Donnerstag wurden bei zwei Selbstmordattentaten im Großraum der irakischen Hauptstadt zahlreiche Menschen getötet. Die genaue Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt; die Angaben von Sicherheitskräften und Behördenvertretern reichen von mindestens 18 bis mindestens 27. Zwischen 35 und 70 Menschen wurden verletzt.

Der Tatort im Osten Bagdads (Foto: Reuters)

Der Tatort im Osten Bagdads

Nach Angaben eines Polizeioffiziers starben in einem Vorort im Osten der Stadt mindestens 17 Menschen, als eine Autobombe explodierte. Mehr als 50 Menschen seien verletzt worden. Offenbar ereignete sich der Anschlag in einer Geschäftsstraße im Stadtbezirk Neu-Bagdad.

Angriff auf Checkpoint

Sicherheitskräften zufolge sprengte sich im Norden Bagdads zudem ein Selbstmordattentäter an einer Armee-Einrichtung in die Luft. Er habe mindestens drei Menschen mit in den Tod gerissen und mindestens zehn Personen verletzt, sagte der Polizeioffizier weiter.

Ein bei dem Anschlag im Osten der Bagdads zerstörtes Fahrzeug der Sicherheitskräfte (Foto: Reuters)

Ein bei dem Anschlag im Osten der Bagdads zerstörtes Fahrzeug der Sicherheitskräfte

Die dem IS nahestehende Nachrichtenagentur Amak berichtete im Internet, für beide Anschläge seien Selbstmordattentäter verantwortlich. Die Meldung lässt sich aber nicht unabhängig überprüfen.

stu/rb (afp, dpa, rb)

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