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Welt

Viele Tote bei Angriff auf Kurden-Rebellen

Der türkisch-kurdische Konflikt hat sich weiter zugespitzt. Bei neuen Angriffen der Luftwaffe der Türkei auf mutmaßliche Stellungen kurdischer Rebellen im Norden des Irak wurden bis zu 100 Menschen getötet.

Türkische Kampfflugzeuge (Archivibild: dpa)

Türkische Kampfflugzeuge (Archivbild)

Weitere 80 kurdische Kämpfer seien verletzt worden, meldeten die türkischen Streitkräfte am Dienstag (23.08.2011) auf ihrer Internetseite. Zudem seien ein Munitionslager, acht Nahrungs-Depots, neun Luftabwehrkanonen, 79 Verstecke und 18 Höhlen zerstört worden. Der Norden des Irak dient der Kurdischen Arbeiterpartei – PKK – als Rückzugsraum.

Siedlungsgebiet der Kurden (Karte: GNU/DW)

Siedlungsgebiet der Kurden

Die von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestufte und in der Türkei verbotene PKK kämpft nach eigenen Angaben für Autonomie der kurdischen Bevölkerungsgruppe in der Türkei. In dem Konflikt starben nach Angaben der türkischen Armee seit 1984 mehr als 40.000 Menschen.

Luftschläge als Vergeltung

Begonnen hatte die neue Runde der Eskalation am Mittwoch vergangener Woche mit einem Anschlag mutmaßlicher PKK-Kämpfer, bei dem im Südosten der Türkei elf Soldaten und ein sogenannter Dorfschützer getötet worden waren. Nach Berichten türkischer Medien hatten die Rebellen an der Grenze zum Irak eine Militärpatrouille mit Sprengsätzen und automatischen Waffen angegriffen.

Verteidigungsminister Ismet Yilmaz sprach von einer terroristischen Attacke der PKK und kündigte Vergeltung an. Unmittelbar danach begannen Luftschläge und Artillerieangriffe auf mutmaßliche PKK-Verstecke im benachbarten Irak. Bereits im Juli hatten mutmaßliche Kurden-Rebellen bei einem der schwersten Angriffe seit Jahren 13 Soldaten getötet.

Weitere Politik der Öffnung fraglich

Der türkische Ministerpräsident Erdogan bei einer Wahlkampfkundgebung im Sommer (Foto: dpa)

Der türkische Ministerpräsident Erdogan bei einer Wahlkampfkundgebung im Sommer

Durch die neuerliche Eskalation haben sich Hoffnungen auf eine friedliche Entschärfung des Kurdenkonflikts vorerst zerschlagen. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor einen Kurs der vorsichtigen Öffnung gegenüber den etwa 20 Millionen in der Türkei lebenden Kurden verfolgt. Seine konservativ-islamische Regierung lockerte Verbote der kurdischen Sprache auch über den privaten Raum hinaus und ließ kurdischsprachige Zeitungen und Fernsehprogramme zu. Eine regionale Autonomie für den Osten und Südosten der Türkei, Hauptsiedlungsgebiet der Kurden, lehnt Ankara nach wie vor ab.

Autor: Michael Wehling (dpa/dapd/rtr/afp)
Redaktion: Walter Lausch

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