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Kultur

Viele offene Fragen im Berliner Kunstkrimi um die Goldmünze "Big Maple Leaf"

Ein geschockter Museumschef, ein frustrierter Sammler, aufgeregte Versicherungsleute und rätselnde Polizisten - der spektakuläre Goldmünzen-Raub von Berlin hat die Zutaten eines perfekten Kunstkrimis.

"Big Maple Leaf" heißt das hundert Kilo schwere Stück, das Unbekannte Ende März aus dem Bodemuseum auf der Berliner Museumsinsel stahlen. Noch drei Tage danach rätselte die Polizei, wie dieser Raub überhaupt möglich war. Hat das Museum die Münze, seit 2010 als Dauerleihgabe im Museum, ausreichend gesichert? Wie transportierten die Diebe wirklich das autoradgroße und zentnerschwere Exponat? Verfügten sie über Insiderwissen, um die Sicherheitssysteme des Museums auszuschalten? "Wir ermitteln mit Hochdruck genau zu diesen Fragen", bestätigt Berlins Polizeisprecher Winfried Wenzel jetzt auf DW-Anfrage.

Der Goldwert von "Big Maple Leaf", die 2007 von der kanadischen Münzprägeanstalt Royal Canadian Mint geprägt wurde, beträgt rund 3,7 Millionen Euro, ihr Nennwert gerade mal eine Million Dollar. Das Landeskriminalamt vermutet deshalb laut Wenzel: "Den Räubern ging es um das Gold." Die Polizei nimmt an: Die Diebe haben die Münze längst eingeschmolzen. Die Münze wäre damit - trotz ihrer Sperrigkeit - die perfekte Beute. Selbst mithilfe einer professionellen Analyse ließe sie ihr Gold wegen der ungewöhnlich hohen Reinheit später nicht mehr zu identifizieren.

Frontansicht des Bodemuseums. Foto: Fotolia/fhmedien_de

Das Bodemuseum Berlin

"Im ersten Moment dachte ich: Aprilscherz! Im zweiten Moment: Alarmübung! Und als ich das dann realisiert habe, begannen mir die Knie zu zittern", erinnert sich Museumsdirektor Bernhard Weisser im DW-Interview. Eine Antwort darauf, wie die Diebe sämtliche Sicherheitssysteme überwinden und unbemerkt bleiben konnten, hat auch er nicht. Geschockt seien freilich nicht nur er und die Museumsleute, sondern auch der - bislang ungenannte - Sammler, der "Big Maple Leaf" 2010 nach einer Ausstellung zu "Goldgiganten" dem Museum als Dauerleihgabe überließ. Hat der Münzraub das Vertrauen zwischen Sammler und Museum zerstört? Museumschef Weisser behauptet: "Nein, ich sehe im Moment nicht, dass das gute, vertrauensvolle Verhältnis gelitten hat."

"Wie eine Amputation"

"Hochgradig verzweifelt und enttäuscht" wäre Stefan Haupt, würden Teile seiner Kunstsammlung abhanden kommen, die er dem Bodemuseum für die aktuelle Ausstellung "Muse, Macht, Moneten" geliehen hat. Er kann sich in den geprellten Goldmünzen-Besitzer gut hineinfühlen. "Das Museum ist schließlich ein Treuhänder", sagt der Medienanwalt, "das schönste, sicherste Bett auf der Welt für deine Objekte." Ein Diebstahl wie dieser? "Was für ein Vertrauensverlust!" Dem Sammlerkollegen des "Big Maple Leaf" rät Haupt: "Nach vorne schauen und weitersammeln."

Stefan Haupt, Sammler und Leihgeber der Sonderausstellung Kunst prägt Geld: Muse macht Moneten im Berliner Bodemuseum. Foto: picture-alliance/dpa/S. Stache

Kunstsammler Stefan Haupt

Großes Verständnis für den Sammler der kanadischen Goldmünze hat auch Kristian Jarmuschek, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler. "Für einen Sammler fühlt sich das an wie ein Einbruch in die Privatsphäre, wie eine Amputation." Zwar sei "Big Maple Leaf" mit weltweit fünf Exemplaren extrem selten, aber dennoch "möglicherweise wiederzubeschaffen." Bemerkenswert findet Jarmuschek, dass im Bodemuseum nicht noch viel mehr gestohlen wurde. "Aber vermutlich ging es den Dieben weniger um das Kunstwerk, als um das blanke Gold."

Dirk Heinrich von der Axa Art Kunstversicherung. Foto: Axa Art

Kunstversicherungsexperte Dirk Heinrich

Das hält auch Dirk Heinrich, Kunstversicherungsexperte der AXA, für sehr wahrscheinlich. "Ich würde mich nicht wundern, wenn es die Münze schon nicht mehr gäbe", sagt er im Gespräch mit der Deutschen Welle. Als er von dem Berliner Kunstraub erfuhr, habe er als erstes geprüft, ob seine Versicherung involviert ist. "Gott sei Dank, nein!" Vermutlich müsse die betroffene Versicherung aber bezahlen. Wieviel, das hänge von den Absprachen im Leih- und Versicherungsvertrag ab.

"Bei Kunst ist das eine schwierige Sache", erläutert Museumsdirektor Weisser. "Bei dieser Goldmünze berechnet man den Materialwert und den Wiederbeschaffungswert. Gemeinsam mit dem Leihgeber kommt man dann auf eine Versicherungssumme, die beiden Parteien angemessen erscheint, die auch den Aspekt der möglichen Wiederbeschaffung mit einbezieht." Soll heißen: Eine genaue Zahl nennt er nicht, nur soviel: "Das ist auch der Grund, warum wir die Nofretete nicht ausleihen - weil der Versicherungswert so hoch wäre, dass ihn kein Mensch bezahlen könnte."

 

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