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Global Ideas

"Viele Kinder würden meinen, mein Hund sei ein Schwein"

In den Geschichten von Kinderbuchautorin und Illustratorin Sybille Hein spielen Tiere die Hauptrolle. Im Interview mit Global Ideas erzählt sie von deren Reiz und warum sie bewusst mit dem Unerwarteten spielt.

Warum haben Sie sich für so viele Tiere in Ihren Illustrationen entschieden?

Ich finde Tiere sind viel einfacher zu zeichnen als Menschen. Das Gesicht eines Menschens ausdrucksscharf hinzubekommen ist sehr meisterlich und ich glaube, einem Tier einen lustigen Charakter zu geben, das macht auch viel mehr Spaß. Man verbindet mit Tieren ganz viel Lustiges. Wenn man eine Katze zeichnet, muss man nicht so viel erzählen, weil sie eine Geschichte mitbringt. Das ist bei den meisten Tieren so, und der Reiz besteht darin diese Geschichten, die klassischerweise jeder im Kopf hat, aufzubrechen.

Bleiben Sie also nicht unbedingt bei den tatsächlichen Eigenschaften einer Katze oder eines anderen Tieres?

Das Spannende ist, dass man mit den vermeintlichen Eigenschaften eines Tieres spielen kann. Man weiß nicht, ob ein Tier eine breite Persönlichkeit hat, aber das, was wir Menschen von ihnen wahrnehmen, ist beschränkter, und deswegen ist es auch einfacher, Kindern davon zu erzählen. Ein Bär zum Beispiel, hat immer etwas Großes, Knuddeliges, Braunes und ist selten böse. Das bringen viele Tiere mit. Ein Esel hat etwas Vertrotteltes. Es ist ein bisschen wie bei Märchenfiguren. Man geht also von etwas aus und daran arbeitet sich die Geschichte ab.

Weshalb eignen sich Tiere als Protagonisten in Kinderbüchern? Was macht sie so anziehend für Kinder?

Weil sie weich sind, weil sie einen Fell haben, und weil es in der deutschen Kinderbuchliteratur fast nur niedliche Tiere gibt und kaum einen gefährliches Tier und deswegen sind sie immer Freunde von Kindern. Die wirklich wilden, ungezähmten Tiere, Tiere die Angst machen, tauchen sehr selten auf.

Sehen Sie das kritisch?

Tiere haben natürlich etwas Wildes, nicht Einschätzbares, was aber auch spannend sein kann. Wenn man das überträgt auf andere Lebewesen, ist die Welt nicht nur niedlich und kuschelig, sondern manchmal auch gefährlich. Und dieses Gefährliche, was man nicht versteht und nicht einschätzen kann, kann manchmal auch spannend sein. Wenn Kätzchen immer nur niedlich sind und Elefanten immer nur Töröööööö machen, entwickelt sich nicht wirklich eine Beziehung.

Glauben Sie, dass sich Kinder anhand der Bücher, die sie vorgelesen bekommen, ihr Bild von Tieren machen?

Bestimmt. Ich glaube Kinderbücher prägen das Bild von Tieren, in der Stadt wahrscheinlich noch mehr. Puh der Bär hat uns auch geprägt und meine Kinder würden auch denken, dass ein Bär ein liebevoller Freund ist, der immer die richtige Ideen im richtigen Augenblick hat.

Orientieren Sie sich an echten Tieren?

Das ist einen Vorteil von Tieren. Jeder darf sein eigenes erfinden. Bei mir sieht einen Hund selten aus wie einen Hund. Es ist was mit Ohren dran und Schwanz, und ich glaube viele Kinder würden meinen, es wäre ein Schwein. Aber das ist egal und das ist auch der Reiz an Tieren. Es steht für etwas Gutes, für einen guten Freund und das Kritische mal weg, das finde ich toll. Ich glaube, das gibt Kindern auch Mut und es macht Lust Tiere zu finden, die ein bisschen austauschbar sind, mehr so gute Wesen. Und das geht mit Tieren einfacher als mit Menschen.

Gibt es in Ihren Büchern Tiere, die häufiger auftauen als andere?

Ich glaube Mäuse und Katzen, weil sie eine spezielle Beziehung haben, die ich drollig finde, und deswegen tauchen viele davon auf - und meistens in vertauschter Rollenverteilung. Es sind immer die gewitzten starken Mäuse und die verwirrten überforderten Katzen.

Gibt es Figuren die besonders beliebt sind unter Ihren Lesern?

Es gibt eine "Fritzi Mausi", die für ganz Kleine ist. Die kommt schon gut an, weil sie viele Eigenschaften hat von Kindern. Sie ist frech, sie macht was sie will, sie lebt in einer großen Familie, die ziemlich chaotisch ist. Das ist sehr dicht dran an einer Menschenfamilie und das finden Kinder dann auch toll. Auch diese Perspektive, dass man als kleiner Mensch ganz groß ist und alle austricksen kann und die besten Ideen hat von allen auf der ganzen Welt.

Und haben Sie eine Lieblingsfigur?

Die Fritzi Mausi mag ich schon gerne. Man zeichnet auch immer was von sich selbst hinein und das ist auch einfacher bei Tieren als bei Menschen. Bei Tieren, oder gerade bei der Maus, würde ich sagen, die hat diese großen Ohren, dieses lustige Aussehen, was ich auch bei Menschen schätze, wenn sie ein bisschen lustiger aussehen als der Rest und nicht so glattgebügelt.

Seit 2001 hat Sybille Hein sämtliche Kinderbücher geschrieben und illustriert. Sie arbeitet gerade an einem Roman.

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