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Kultur

"Viele Köche verderben den Brei nicht"

7000 Autoren arbeiten an der deutschen Ausgabe von Wikipedia mit. Die neue Qualitätsoffensive des freien Internet-Lexikons bindet nun auch Universitäten ein. Eine gute Idee, findet Vorstandsmitglied Mathias Schindler.

Logo von Wikipedia

Wikipedia hat weltweit 214.000 angemeldete Nutzer und unbekannt viele anonyme Mitarbeiter

DW-RADIO: Herr Schindler, ist das System bei Wikipedia, dass jeder etwas zu einem Artikel beitragen kann, nicht so ähnlich wie das Sprichwort: Viele Köche verderben den Brei?

Mathias Schindler: Diese Assoziation liegt teilweise nahe. Es gibt aber eine Arbeit von einem Studenten aus Zürich, deren Resultat lautete: Viele Köche verderben den Brei nicht. Es ist teilweise auch durch Belege nachvollziehbar, dass viele Autoren tatsächlich in der Lage sind, einen übereinstimmenden Text zu produzieren oder auch eben ein ganzes Lexikon.

Warum machen Sie dann jetzt eine Qualitätsoffensive?

Wikipedia ist 2001 gestartet worden und hat seitdem kontinuierlich versucht herauszufinden, wie sich Qualität steigern, halten und stabilisieren lässt. Wir hatten 2004 Qualitätsoffensiven, die sich hauptsächlich um die Schließung von Lücken drehten. Wikipedia hatte damals 50 bis 60.000 Artikel und in manchen Bereichen fehlte noch viel. 2006 gibt es keine so großen Lücken in Inhalten mehr, die man in einem Lexikon erwartet. Obwohl noch eine Reihe von Artikeln über Pflanzen, Tieren und Personen fehlen. Die jetzige Qualitätsoffensive ist ein Projekt von Studierenden des Instituts für Buchwissenschaft in Mainz, die sich mit dem Ausbessern von vorhandenen Artikeln und mit dem Erstellen von Artikeln aus dem Bereich der Buchwissenschaft beschäftigen.

Wie wird das Projekt an der Universität genau umgesetzt?

Der Rahmen dieses Projektes ist ein Hauptseminar, das Studierende besuchen, die schon ein paar Jahre studieren, ein gewisses Vorwissen mitbringen und in dem Thema sehr fit sind. Man hat den Bereich Buchwissenschaft in eine Reihe von Kategorien unterteilt und hat dann jedem Studenten nach seiner eigenen Wahl ein Thema zugewiesen, dass er selbständig bearbeiten wird. Am Ende des Semesters bekommen die Studierenden für abgegebene Artikel Scheine. Die Artikel werden dann in Wikipedia integriert.

Was halten die Professoren von Wikipedia?

Der zuständige Professor an der Universität Mainz, Ernst Fischer, hat eine recht pragmatische Haltung, was Wikipedia angeht. Professoren und Lehrbeauftragte an deutschen Universitäten können nicht verhindern, dass Studenten mit Wikipedia-Texten in Kontakt kommen und diese als Quellen benutzen. Sei es legitime oder illegitime Nutzung. Was sie machen können, und dafür sind wir ihnen sehr dankbar, ist, dafür zu sorgen, dass die Inhalte qualitativ brauchbar sind.

Soll diese Qualitätskontrolle auch nach dem Projekt an der Universität Mainz weitergeführt werden?

Ich bin erstmal gespannt, welche Erfahrungen die Studierenden und wir in der Zusammenarbeit sammeln und welche Ergebnisse das Projekt bringen wird. Es ist nicht das erste Projekt dieser Art. Es gab auch vorher schon eine ganze Reihe Universitätsprofessoren und Gymnasien, die Wikipedia auf unterschiedliche Weise eingesetzt haben. Allerdings ist dies das bisher größte Projekt dieser Art und das, was mir auch bisher am meisten gefallen hat. Wenn die Ergebnisse positiv sind, werden wir sicherlich versuchen, das Projekt auf andere Bereiche zu übertragen. Dann sind wir darauf angewiesen, dass wir von Lehrbeauftragten, Dozenten und Professoren von deutschen und anderen Hochschulen angesprochen werden.

Mathias Schindler

Mathias Schindler ist Vorstandsmitglied des Vereins Wikimedia Deutschland.

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