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Politik

Viele Helfer wollen im Irak bleiben

Der Anschlag auf das Rote Kreuz in Bagdad hat gezeigt, dass auf die Neutralität der Helfer keine Rücksicht mehr genommen wird. Ziehen jetzt die Hilfsorganisationen ihre Mitarbeiter aus dem Irak ab?

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Internationale Hilfsorganisationen setzen verstärkt auf einheimischen Mitarbeiter

Rund 90 Hilfsorganisationen befinden sich derzeit im Irak, etwa zwölf davon aus Deutschland. Nach Aussage des Auswärtigen Amtes arbeiten rund 100 deutsche Helfer im Irak. Solange es noch geht, wollen sie in Bagdad bleiben, so der Tenor unter den Hilfsorganisationen nach dem verheerenden Anschlag auf das Internationale Rote Kreuz (IRK) in Bagdad am Montag (27.10.2003). Dennoch: Den kompletten Rückzug will keine Organisation mehr ausschließen. Fast alle Gruppen lehnen militärischen Schutz durch die USA kategorisch ab.

Rotes Kreuz verzichtet auf militärischen Schutz

"Wir sind als humanitäre und neutrale Organisation dazu verpflichtet, den Leuten weiter zugängig zu bleiben und unabhängig vom Konflikt dazustehen", sagt Florian Westphal vom IRK.

Das Internationale Rote Kreuz hat derzeit etwa 30 internationale Helfer und 600 irakische Mitarbeiter in dem besetzten Land, die sich vor allem um die Verteilung von Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten kümmern. Beim Anschlag am Montagmorgen waren zwei irakische Mitarbeiter getötet worden. Ob Helfer abgezogen werden, werde erst Anfang November 2003 entschieden - unabhängig vom Appell der Amerikaner, im Land zu verweilen.

Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen

Das Bündnis "Aktion Deutschland Hilft", zu dem auch die Organisationen HELP und CARE zählen, hat seinen acht bzw. fünf internationalen Helfern eine Ausgangssperre erteilt. "Die Besuche in den Hilfsprojekten übernehmen jetzt unsere irakischen Mitarbeiter", sagt Sprecherin Janina Niemietz-Walter. Man habe auch schon Rückzugsstrategien erarbeitet. Niemietz-Walter: "Wenn unsere Mitarbeiter vor Ort uns signalisieren, dass gar nichts mehr geht, werden wir sie abziehen."

"Cap Anamur" und THW beobachten Entwicklungen

Auch "Cap Anamur" und das Technische Hilfswerk (THW) wollen derzeit noch keine Mitarbeiter aus dem Irak abziehen. Man wolle die Lage aber weiter beobachten und "zusammen mit anderen Organisationen entscheiden". Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" kündigten am Montag (27.10.2003) an, ihr Team von sieben Ausländern in Bagdad zu verkleinern.

UNICEF: Nur noch irakische Helfer

Bereits seit dem Anschlag auf das UN-Hauptquartier im Irak am 19. August 2003 hatte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, seine internationalen Helfer aus Bagdad abgezogen und vor Ort auf seine 200 irakischen Mitarbeiter gesetzt. "Die haben wir jetzt angewiesen, sich möglichst unauffällig zu bewegen, damit sie nicht zu Zielscheiben werden", erklärt Rudi Tarneden, Sprecher von UNICEF Deutschland. "Bei Außeneinsätzen gibt es Funkkontakt. Jeder hat sich bei Einsätzen ab- und wieder anzumelden."

Tarneden rechnet nach dem vorherigen Anschlag mit weiteren Übergriffen auf Hilfsorganisationen: "Das Geschehene setzt einen enormen logistischen Aufwand voraus", so Tarneden. "Die Terroristen möchten mit aller Gewalt jede positive Entwicklung im Land unterdrücken."

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