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Kultur

"Viele haben Angst vor der Unesco"

Andreas Schweitzer hat den Streit zwischen Köln und der Unesco im Rahmen seiner Diplomarbeit untersucht. Er hat ausgiebig hinter die Kulissen schauen können und berichtet, wie Köln wieder von der Liste gestrichen wurde.

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Auch der Kölner Dom hatte schon Ärger mit der Unesco, weil Hochhäuser geplant waren, die den freien Blick auf ihn verstellt hätten

DW-WORLD: Gab es schon vor Dresden und Köln offene Kritik an der Arbeit der Weltkulturerbe-Kommission der Unesco?

Andreas Schweitzer: Bei der Vergabe des Titels "Weltkulturerbe" für Köln 1996 war es wie so häufig: man hat die Plakette angenommen, ist zur Feier gefahren und hat das ganze dann wieder vergessen. Man hört sehr häufig, dass man sich über die Verpflichtungen nicht bewusst war, wenn der Titel vergeben wurde.

Wie waren die Erfahrungen im Streit um den Kölner Dom?

Der Dom gehört den Kölnern - was hat die Unesco uns da reinzureden? Das war die vorherrschende Meinung. Viele haben zu spät erkannt, dass die Auszeichung nicht nur Auswirkungen auf lokaler Ebene hat, sondern dass damit auch Außenpolitik gemacht wird, weil die Unesco als Staatengemeinschaft mitredet. Schließlich ist das Auswärtige Amt in Weltkulturerbefragen zuständig, weil es die Anträge für den Titel an die Unesco-Kommission weiterleitet.

Köln ist nach zwei Jahren wieder von der Roten Liste gestrichen worden. Wie hat die Stadt das geschafft?

Am Anfang haben sich die Kölner stur gestellt und wollten mit der Unesco nicht reden, weil sie sich in ihre Planungshoheit nicht reinreden lassen wollten. Der Wandel kam, so ist mein Eindruck, als die Unesco an der Neuplanung der Hochhäuser beteiligt wurde. In den Köpfen der Lokalpolitiker musste erst ankommen, dass die Unesco nichts durchdrücken wollte, sondern sich letztlich ja die Stadt um den Titel beworben hatte.

Was hat der Stadt Köln der Titel eingebracht?

Jeder schaut auf dieses Image - mehr ist es nicht, speziell auch für Köln. Mehr Touristen wurden nicht angelockt, da ist man sich einig, weil der Kölner Dom so oder so viele Touristen anzieht. Die wenigsten von ihnen wissen, dass er Weltkulturerbe ist. Für mittlere oder kleine Städte ist das sicherlich anders, weil Touristen davon angezogen werden. Es gibt allerdings keine empirischen Studien darüber. Es heißt aber auch immer wieder, dass gerade asiatische Touristen sich immer mehr nach dem Titel Weltkulturerbe richten.

Welche Macht hat die Unesco?

Die Unesco hat keine Macht und keinerlei rechtliche Befugnisse. Aber die Unesco und das Weltkulturerbe scheinen ein Prädikat geworden zu sein. Die These meiner Diplomarbeit ist, dass es ein völkergemeinschaftliches Instrument ist und damit Politik gemacht wird. Einige der Leute, mit denen ich gesprochen habe, sagen, die Leute auf lokaler Ebene haben Angst vor der Unesco und lassen die Unesco deshalb so groß werden.

  • Datum 12.07.2006
  • Autorin/Autor Die Fragen stellte Kay-Alexander Scholz
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8mln
  • Datum 12.07.2006
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